Adventsmarkt Raesfeld – Weihnachtsmarkt 1A

IMG_0318Melanie Tesing (15) schlendert gemächlich über den weitläufigen Weihnachtsmarkt um das Schloss Raesfeld. „Schau mal, das Christkind“, wird sie immer wieder in ihrem weißen Kostüm bestaunt.

Neben den 80 Ständen, die Leckereien, Kunsthandwerk und Kunst anbieten, gibt es viele weitere Attraktionen. Nils der Gaukler jongliert was das Zeug hält und stapelt zum Erstaunen der vielen Zuschauer brennende Fackeln auf seinem Kopf. „Jetzt wisst ihr auch, warum ich keine Haare auf dem Kopf habe“, scherzt er. Von irgendwo her sind die Dudelsackklänge von Axel Römer zu hören, der im originalen Schottenkostüm Weihnachtslieder auf seinem Instrument zum Besten gibt. „Magister Speculatius“ versammelt nur kleine Gruppen um sich: „Ich gehe auf die Leute zu, erzähle ihnen Märchen und erstaunliche Geschichten und mache mit ihnen kleine Zauberkunststücke.“ Die beiden Schüler Christian Liesler und Peter Heselhaus platzieren sich auch an verschiedenen Stellen und spielen auf Posaune und Trompete ihre Weihnachtslieder, immer wieder mal wirft jemand eine Münze in ihren Trompetenkasten.

Vor Christian Steins Stand befindet sich eine riesige Maschinerie, hier wird die Erstausgabe des Raesfelder Adventstalers geschlagen. Das dürfen nach dem Einlegen eines Rohlings die Besucher unter Anleitung selber machen. Wenn der schwere Hammer aus drei Meter Höhe herunter saust heißt es immer „Ohren zuhalten!“ Ruhig und leise geht es bei Ute Krawinkel aus Lünne zu, die Porzellanmalerin muss immer wieder ihre Hände aufwärmen, um mit dem feinsten Pinsel ihre Linien auf das weiße Gold zu zaubern. Kuscheliger geht es in dem Stand von Edeltraud Niehüser zu, sie verkauft mit Leidenschaft ihre Teddybären, bezahlbar sind diese, weil sie keinen Knopf im Ohr haben und doch beste deutsche Markenqualität. Derweil schlägt Jan Ridder im Schloss mit dem Auktionator-Hammer zu, hier versteigert der Rotary-Club Besonderes für einen guten Zweck.

Am Stand von Johannes Stegerhoff gibt es auch etwas Besonderes, über 100 Sorten selbstgemachte Gelees, Marmeladen und Liköre. Kaum ein Stand ist so gut besucht, denn die Menschen kennen die ausgezeichneten Produkte von Stegerhoff. Für dieses Jahr haben Johannes Junior und Johannes Senior das leckere „Bickbeerendröppken“ aus Blaubeeren kreiert. Drei Euro vom Verkauf jeder Flasche wandern in die neu gegründete Bürgerstiftung. Molinaro Tommaso der selbstgemachte Fiori, ein toskanische Mandelgebäck anbietet, hatte für den gutbesuchten dreitägigen Adventsmarkt wohl mit 1200 Kilometern die weiteste Anreise.

Frau Jahnke hat eingeladen

Frau-Jahnke(235)Zuschauerin behandelt Gerburg Jahnkes Rücken in der Pause

„Frau Jahnke hat eingeladen…“ heißt das Programm, das Gerburg Jahnke am Donnerstagabend auf die Bühne der Stadthalle brachte.

Frau Jahnke hatte eingeladen und es kamen: über 600 Besucher, die viel Spaß und viel zu lachen hatten; ein Mann sogar aus Frankfurt/Oder, nicht nur wegen Frau Jahnke, wie die Kabarettistin auf Nachfrage erfuhr ; ein weiterer Zuschauer  (Manfred), der ins Visier von Frieda Braun geraten war; ein weiterer der von Krissie Illing für ein „Doktorspiel“ auf die Bühne „geschleift“ wurde“; eine Osteopathin, die Gerburg in der Pause den „schmerzenden Rücken“ behandelte; ihre Familie in Reihe 21 und vier bekannte Künstlerinnen: Frieda Braun, Susanne (Popette) Betancor, Krissie Illing und Lisa Feller.

Wer die WDR Sendung „Ladies Night“ kennt, weiß wie dieser äußerst amüsante Abend ablief. Gerburg Jahnke moderiert witzig und spielt auf ihre bekannte Art brillant mit dem Publikum, auch wenn ihr „Rücken, also hinten, grenzwertig ist“. Dass sie aus Gemen kommt verrät sie dem Publikum, und dass in Reihe 21 ihrer Verwandtschaft sitzt: „Huhu! Die tun nicht, die sind nur laut.“ Dann lästert sie über die Paketzustellung der Post, sie hatte im Internet eingekauft und musste schließlich ihr Paket selber am Schalter abholen: „Die Paketausgabestelle in Oberhausen ist wie die Bananenausgabestelle in der DDR vor über 20 Jahren.“ Jahnke tritt immer wieder schnell in den Hintergrund und überlässt ihren Gästinnen die Bühne.

Frieda Braun begeistert mit ihren kleinen Geschichten aus dem Sauerländischen Alltag. Auch das jüngere Publikum kringelt sich vor Lachen, wenn sie Smartphones mit dem alten grünen Telefon der Post vergleicht: „Wir hatten uns für Grün entschieden, das gab es ja auch noch in so`m kalten Grau und Orange. Orange, och nee, da sieht man sich nach 15 Jahren satt dran.“ Sie erinnert das ältere Publikum an den damaligen absoluten Quantensprung, als die Post ein 20 Meter Verlängerungskabel zur Miete anbot: „Da haben sie beim Telefonieren erstmals ihre Wohnung entdeckt.“ Besucher Manfred spielt tapfer mit als er von Frieda Braun aus dem Publikum herausgepickt wird: „Ich bin schön“, antwortet er. „Jetzt probier das mal heute Abend vom Spiegel, im Nachthemd“, lautet Friedas Auftrag.

Die Texte, Gedichte und Lieder von Popette Betancor gehen mit ihrem intellektuelleren Anspruch in eine ganz andere Richtung, witzig aber nicht immer sofort zu verstehen. Kritisch beleuchtet sie mit: „Frauen müssen kochen können, Männer sind Köche, Frauen schreiben, Männer sind Schriftsteller“ das immer noch herrschende Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern auch auf Kabarettbühnen.

Nahezu ohne jedes Wort kommt die englische Pantomimin Krissie Illing aus. Mit ihren unbeschreiblich ulkigen Nummern spricht sie jeden im Saal an und erntet mit den größten Beifall. Applaus gab es auch für den auf die Bühne geholten Zuschauer, der einen Doktor spielen musste.

Die aus Münster angereiste Jungmutter Lisa Feller erzählt aus ihrem Familienleben. Ihre komischen Schilderungen begeistern die Zuschauer: „Ich sage, den Topf spüle ich mit der Hand, der passt nicht mehr. Er spielt dann Spülmaschinen-Tetris und räumt eine halbe Stunde um, bis der Topf passt. Und dann: Was bin ich doch ein geiler Chromosomentempel.“

Weihnachtsmarkt in Groß-Reken

Weihnachtsmarkt – klein aber fein

Weihnm-Reken48Vorweihnachtliche Stimmung stellte sich bei den Besuchern des diesjährigen Weihnachtsmarktes in Groß Reken ein, der in dem kleinen Wäldchen hinter der Gaststätte Schneermann aufgebaut war.

Samstag und Sonntag fanden sich zahlreiche Besucher ein, um an den stimmungsvoll dekorierten Buden vorbei zu flanieren und das eine oder andere Geschenk einzukaufen. Die Organisatoren, die Bröker-Jungs und das Team Schneermann hatten sich viel Mühe gegeben, alles gemütlich herzurichten. „Im ganzen Wald haben wir Rindenmulch verteilt, damit es sich besser läuft und schön aussieht. Alle 25 Buden mussten wir mit Strom versorgen und eine Heizung haben die auch bekommen“, erzählt Hans-Jürgen Schlottbohm von den Bröker-Jungs. „Der Besucherstrom ist jetzt am späten Nachmittag schon beachtlich. Gegen Abend strömt wohl ganz Reken hier her.“

Neben privaten Ausstellern waren die katholischen und evangelischen Kindergärten, die St. Heinrich Messdiener, die Westfalia-Jugend und die Kolpingsfamilie vertreten. Bei letzteren drängten sich die Gäste an der Reibekuchen-Schmiede. 1000 Jahreskalender mit Motiven der fünf Rekener Stadtteilen zu verschiedenen Jahreszeiten hatte die Feuerwehr gestaltet und drucken lassen. Für drei Euro pro Exemplar war das ein kleiner Renner. Für den Stand der AWO hatten die Seniorinnen Mützen und Schals für den Verkauf selbst gehäkelt oder Plätzchen gebacken. Sehr viel Stände boten selbstgemachtes an, aber nicht alle. „Unsere Schweizer Pralinen sind gekaufte Ware, darüber lassen wir die Kunden auch nicht im Unklaren“, meinen Wilma Lueb und Heidrum Burkamp aus Marbeck. Anders beim Missionskreis St. Heinrich, der Erlös aus dem Verkauf der selbst hergestellten Liköre, Plätzchen und Marmeladen geht zu 100 % an Projekte von Pater Sojan in Indien.

Nach der Segnung durch Pater Mario gegen 20 Uhr wurde die erste Kerze des wandernden Rekener Adventskranzes entzündet. Anschließend präsentierten Annette Hessel und Verena Itze die schönsten Weihnachtslieder aus Musical, Rock und Pop. Am Sonntag 15 Uhr führte die Theatergruppe der OGS der Ellering-Schule das Weihnachtsstück „Joschi“ auf. Mit einem Nikolausumzug um 17 Uhr und dem Verteilen der Nikolaustüten, organisiert durch den Förderverein der Michaelschule, neigte sich der zweite Tag dem Ende zu. Dann musste die 30 Bröker Jungs wieder ran. Noch am Sonntag wurden die Buden wieder abgebaut und der Wald aufgeräumt.

Kunst im „Alten Garten“ Klein Reken

Vernissage-Inge-Kuhn01Reken mausert sich immer mehr zu einer kleinen Kunstmetropole. Am Samstagnachmittag präsentierte die Essener Künstlerin Ingeborg Kuhn ihre neusten Werke in einer Vernissage im Saal der Gaststätte „Alter Garten“ in Klein Reken.

Zahlreiche Besucher waren gekommen, darunter Freunde und Bewunderer ihrer Kunst. Die Ölgemälde der Künstlerin zeigen faszinierende großformatige Blüten, altes Porzellan, scharrende Hühner oder Stadtansichten von Venedig. An einigen klebt ein roter Punkt, das Zeichen, dieses Bild ist verkauft. Die Preise sind moderat, wer sich kein Original leisten kann, es gibt auch Kunstdrucke ihrer klein- und großformatigen Bilder.

„Ich bin froh, wenn ich von dem Erlös mein Wochenendhaus im Sauerland finanzieren kann. Dort male ich“, verrät die Essenerin.

„Wir gehen mit diesen Bildern über Rekens Grenzen hinaus bis Essen. Viel Gäste sind aus Haltern und dem Ruhrgebiet gekommen, um Inges Blumengärten zu bewundern“, lobt Erika Reichert in ihrer Laudatio. Die Blumengärten sind die Lieblingsmotive der Künstlerin, die Fotografien als Vorlagen für ihre Bilder benutzt. Dabei entstehen Gemälde, die man als Fotorealistischen Impressionismus bezeichnen könnte. Porzellan-Arrangements, die zum Greifen echt wirken; die Köchin am Herd, die wie ein alter Vermeer sein könnte.Vernissage-Inge-Kuhn05

Die ehemalige Kunst- und Werklehrerin ist Autodidaktin. Gemeinsam mit der Laudatorin interessiert sie sich für die Geschichte „der Droste“, deshalb hat sie auch ein lebensgroßes Bild der Dichterin gemalt. Erika Reichert freut sich den Besuchern mitteilen zu können, dass ihr neues Buch über die Droste demnächst erscheint, in dem viele Bilder von Ingeborg Kuhn als Illustrationen dienen.

Sehr bescheiden tritt die 73-jährige Künstlerin in den Hintergrund, diese Vernissage macht sie schon viele Jahr in Klein Reken: „Ich weiß gar nicht, das wievielte Mal das ist. Ein Jahr fiel es wegen Krankheit aus. Ich weiß nicht, ob es vom Terpentin kam, mit dem ich meine Ölfarben verdünne. Jetzt nehme ich sicherheitshalber Salatöl, das braucht leider länger zum trocknen.“ Die Sammler begrüßen diese Entscheidung, denn sie möchten sich noch lange auf die herrlichen Bilder der Künstlerin freuen können.

Weltstar Albert Hammond im Vennehof Borken

Albert-Hammond22Zweieinhalb Stunden Songs zum Mitsingen brachte Weltstar Albert Hammond und Band am Mittwochabend auf die Bühne im Vennehof.

Irgendeinen Song aus der Feder von Albert Hammond kennt jeder, auch wenn ihm das nicht bewusst ist. Als Songwriter und Komponist hat er vielen Größen der Musikszene Lieder „auf den Leib“ geschneidert. Johnny Cash, Julio Iglesias, Art Garfunkel, Diana Ross, Ase of Base, Duffy, das „One Moment In Time“ für Whitney Houston, „I Don’t Wanna Lose You“ für Tina Turner. Und zu jedem Star hat er eine kleine Bemerkung parat, wie: „Tina hat die Power von 1000 Männern.“

„I Don’t Wanna Live Without Your Love“ (Chicago), „Don’t You Love Me Anymore” (Joe Cocker), „When You Tell Me That You Love Me” (Diana Ross), all das präsentiert er dem Publikum in Borken, die fast jeden Song begeistert mitsingen.

„Einige Leute winken ab“, kommentiert er ironisch sein Programm, „Albert Hammond, der singt zwar gut, doch nur Coversongs.“

360 Millionen verkaufte Tonträger, 30 Top-40-Hits in 50 Karriere-Jahren, das ist die Bilanz eines Weltstars, der im kommenden Jahr 70 wird. So agil wie er auf der Bühne ist, merkt man ihm das Alter nicht an, nur wenn er erzählt und die 60er, 70er, 80er und 90er Jahre Revue passieren lässt, begleitet von den entsprechenden Songs, kann man sich das ausrechnen. Da sieht man ein gewisses Flackern in den Augen der Besucherinnen und Besucher, da werden Erinnerungen wach. Nicht nur wenn er im Stile  Julio Iglesias` sein „To all the Girls I loved before“ singt. Dazu scherzt er: „Ich hab nur ein paar abbekommen, Julio Millionen.“

Albert Hammond und seine vierköpfige Band begeistern. Dem „Küken“, dem gerade 36 Jahre gewordenen Keyboarder bringen mit „Happy birthday“ alle Zuschauer ein Geburtstagsständchen.

Welterfolge feiern große Künstler wahrscheinlich nur in großen Städten, in Borken sah es mit den Besuchern eher mau aus. Die für volle Belegung eingestuhlte Stadthalle war gerade knapp halb besetzt. „Sie sitzen so weit dahinten, kommen sie doch nach vorne, da sind noch einige Plätze frei“, forderte Hammond sein Publikum auf. Die mitreißende Stimmung, die großartige Performance, die abwechslungsreichen Songs ließen das völlig vergessen. Und mit Zugaben „When I Need You“, „I`m a Train“ geizte Hammond nicht, ging sogar ins Publikum bedankte sich mit Handschlag bei der gesamten ersten Reihe, nahm Zuschauerinnen in den Arm und schloss mit “ It Never Rains In Southern California“.

 

Dr. Charlotte Knobloch fordert Verbot der NPD

Knobloch67Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Dr. h.c. Charlotte Knobloch beeindruckte nachhaltig die Besucher der Gedenkveranstaltung im Stadtmuseum Borken am Sonntagabend.

Für diesen Besuch hatte die 81-jährige die weite Reise von München nach Borken angetreten, um ihren zirka 20-minütigen Gastvortrag zu halten. Angereist per Flugzeug bis Düsseldorf und von dort mit einer gepanzerten Limousine begleitet von Sicherheitskräften, trug sich die Prominente in das Gästebuch der SPD und das Goldene Buch der Stadt Borken ein. Âuf ein Honorar hatte sie verzichtet, der Eintitt zur Veranstaltung war frei.

Dem Ortsvorsitzendem der SPD Borken Peter Müller-Deckenhoff war es gelungen den prominenten Gast zu einem Vortrag mit dem Titel „Die Erinnerung ist unkündbar – Zukunft braucht Vergangenheit“ einzuladen. Zwar sollte die Veranstaltung „Gegen das Vergessen“ bereits am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht stattfinden, wurde aber aus Termingründen mit dem Gast verschoben.Knobloch57

Musikalisch passend eingerahmt wurde das Programm mit einem hebräischen Wiegenlied und „Remembrance“ aus dem Film Schindlers Liste von Nachiko Ueno (Violine) und Elene Lebedeva (Klavier).

Knobloch63In seiner Begrüßung wies Bürgermeister Rolf Lührmann auf die Wichtigkeit einer Erinnerungskultur hin und lobte ausdrücklich die Veranstalter. „Pogrom ist Russisch und bedeutet so viel wie Verwüstung“, erklärte er den Zuhörern und erinnerte an die Welle antisemitischer Gewalt in Deutschland. „Es waren keine blutrünstigen Kosakenhorden die durch deutsche Städte tobten, sondern Deutsche.

Charlotte Knobloch beleuchtet in ihrem Vortrag verschiedene Aspekte, Rückblick auf die Geschichte der Shoah, die gegenwärtige Situation und die Zukunft gegen das Vergessen anzukämpfen. „Nach der Befreiung der Vernichtungslager waren die Menschen ausdrücklich und nachhaltig überzeugt, dass Krieg, Rassismus, Hass und Antisemitismus für immer aus der Welt verbannt werden müssen. Wir wissen, dass das nicht der Fall ist. Daher ist es so wichtig, dass sich geschichts- und verantwortungsbewusste Menschen zur Aufgabe machen, die lokale Erforschung der NS-Geschichte aufzuarbeiten.“ Sensibilisierung für Wert und Bedeutsamkeit aus der Vergangenheit zu lernen liegt der Rednerin am Herzen: „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit ermahnen.“ Irgendwann sind die Zeitzeugen alle verstorben, dann kann keiner mehr direkt berichten, wie es damals war, das ist ein zentrales Problem. Besonders die Kindern und Jugendlichen müssten über diesen Teil der Geschichte aufgeklärt werden ohne Scham und Schuldzuweisung, damit sie nicht den Falschen nachlaufen: „Lassen sie uns Vorbilder sein.“ Nicht wegschauen, weghören oder abwiegeln, sondern Zivilcourage fordert Knobloch. „Diejenigen, die sich nicht an die Vergangenheit erinnern sind dazu verurteilt, sie zu wiederholen“. Lauten Beifall erhielt sie während ihres Vortrags für ihre Forderung des Verbots der NPD: “ Die darf nicht mit Steuergeldern subventioniert werden.“

Peter Müller-Deckenhoff bat die Zuhörer abschießend: „Geben sie das hier erfahrene weiter.“

Charlotte Knobloch (geborene Neuland; * 29. Oktober 1932 in München) ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Von 2005 bis 2013 war sie Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses (WJC). Von 2003 bis 2010 war sie Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC). Vom 7. Juni 2006 bis zum 28. November 2010 war sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Vorher war sie seit 1997 dessen Vizepräsidentin. Charlotte Knobloch ist Schirmherrin des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks für jüdische Begabtenförderung. (Quelle: Wikipedia)

„Frizzles“ in der Alten Molkerei Ramsdorf

Improvisationstheater mit feinsinnigem Humor

Fizzles-Galerie(49)Das Chamäleon ist das „Wappentier der drei Komiker von „Frizzles“. Freitagabend begeisterten sie die Besucher in der Alten Molkerei in Ramsdorf. Spontan wechseln sie auf Zuruf des Publikums ihre Rollen, das Genre, die Sprache oder die Szenen und lassen die Besucher mitspielen, sogar auf der Bühne.

Betty und Katrin gehen durch den Saal und begrüßen das Publikum mit Handschlag. Auf der Bühne geht das Kennenlernen weiter: „Jetzt wollen wir euch näher kennenlernen. Ihr ruft euren Namen rauf, wir rufen unseren runter, alle gleichzeitig.“

Improvisationstheater kennt man von „Springmaus“ oder bekannten Komikern wie Ralf Schmitz oder Bernhard Hoecker aus dem Fernsehen. Zum Team der Frizzles aus Köln gehören zwei Frauen und zwei Männer. Freitagabend standen drei davon auf der Bühne: Betty LaMinga, Katrin Piplies und Bernd Budden (Musik) und auch mitspielende Zuschauer und Zuschauerinnen in der alten Molkerei. Improvisationstheater steht und fällt mit der Mitarbeit des Publikums. Die Gäste des Abends reagieren perfekt. Spontan und mit viel Freude „arbeiten“ sie mit.

Durch das Spiel mit dem Publikum ergeben sich Situationen bei denen Lachtränen fließen. „Welche Sehenswürdigkeiten gibt es in Ramsdorf?“ – „Das Gerüst um den Kirchturm, der ist grün verhüllt.“ – „Oh, war Christo hier?“ – „Und das Hühnengrab.“ – „Wer liegt da wohl? Man weiß es nicht!“ -„Welche Geschäfte würdet ihr euch in Ramsfeld wünschen?“ – Na, ja, manchmal weiß man als Künstler nicht so genau, wo man sich gerade in der Republik befindet, das kann passieren, Ramsdorf, Ramsfeld oder Ramsburg werden da schon mal im Eifer verwechselt.

Fizzles-Galerie(30)Auch die Gesangsdarbietungen kommen beim Publikum gut an. Gemeinsam einigt man sich auf „Wenn die bunten Fahnen wehen“, dann darf das Publikum die Stilrichtung wählen. So haben sie das Lied der Mundorgel wohl noch nie gehört, im Technostil „Fahnen, Fahnen, wehn, wehn, dzzt, dzzt – drei Stunden später – Fahnen, Fahnen“ oder als Irish Folk mit Tanzeinlage und schließlich ein Jazz-Reggae Gemisch.Fizzles-Galerie(27)

Ein imaginärer Kicker steht auf der Bühne, das Publikum darf bestimmen in welchem Filmgenre die beiden Komikerinnen die Szenen spielen. Im Sience-Fiction erklärt Data: „Männer an Stangen, ähnliches habe ich auf der Erde gesehen, da waren es Frauen an Stangen.“ Im Horrorfilmstil erfährt das Publikum, dass „Er“ alle Männer auf Stangen aufgespießt hat. „Sie“ entsetzt: „Die leben ja noch. Und da, das ist doch der Bürgermeister.“ Die Ramsdorfer trommeln vor Lachen.

Der Humor der „Frizzles“ kann nur als feinsinnig bezeichnet werden. Manchmal vielleicht etwas albern ging das Programm nicht unter die Gürtellinie oder artete in Klamauk aus. Ohne Zugaben kamen die Künstler selbstverständlich nicht von der Bühne. Das Publikum hat sich den Namen Fizzles gut gemerkt und wird nach weiteren Auftritten Ausschau halten.

Vocal Total, total gut

Vocal-Total-(1)Die Sitzplätze der Stadthalle reichten beim Konzert des Erwachsenenchors der Musikschule Borken am späten Samstagnachmittag kaum aus. Obwohl die erste Reihe fast leer war, laßen viele junge Besucher auf dem Boden der seitlichen Gänge.  Vocal Total brachte ein mitreißendes, farbenfrohes Programm auf die Bühne. Sie nannten es „Vocal Total in Farbe“. Jeder der 18 Titel führte das Publikum durch einen Teil des Farbkreises, Volker Senft durch das Programm.

Schlager, Jazz, Musical, Filmmusiktitel, alles beherrscht der gemischte Chor. Dafür proben die rund 90 Mitglieder einmal wöchentlich. Viel Applaus und wenig Murren gab es für die erste Hälfte und Titel wie „Blue Moon“, „On green Dolphin Street“, „Der rote Saraphan“, den Klassiker „Greensleeves“, der Sprachübung aus My fair Lady „Es grünt so grün“ und dem mitreißenden „Mein kleiner grüner Kaktus“ bei dem das Publikum mit klatschte.

Professionell leitete Heike Schollmeyer den Laienchor durch die A-capella Stücke oder gab auch noch der begleitenden Band „Jumping Jive Swing Society“ ihren Einsatz, obwohl die Profimusiker Harald Schollmeyer (Keyboards), Volker Sipplie (Drums) und Ingo Senst (Bass) diesen kaum brauchten.

Vocal-Total-(40)Nach der Pause ging es bunt weiter mit Titeln aus Vocal-Total-(60)der Operette Maske in Blau. Leichte Probleme bei den Sopranstimmen wurden durch die wurden vom Publikum verziehen, besonders weil der Rest reibungslos ablief. Begeisterung riefen die folgenden Titel hervor „A whiter shade of pale“, Edith Piafs „La vie en rose“ und das von Hildegard Knef bekannte „Für mich soll`s rote Rosen regnen“. „Tie a yellow ribbon“ aus dem Film „Das Farbenspiel des Windes“ fanden die Zuhörer besonders schön. Mit „Rote Lippen soll man küssen“ endete der musikalische Nachmittag jedoch nicht ohne Zugaben „Hallelujah“ von Leonard Cohen und „What a wonderful world“ das Louis Armstrong berühmt gemacht hat.

„Das hat nicht alles so gut geklappt“, meinte eine Dame aus dem Chor nach dem Konzert. “ Wir sind jetzt auch geschafft. Heute zum ersten Mal die Generalprobe mit der Band und dann das Konzert. Aber wir sind zufrieden“

Und eine andere verriet: „Das Singen in diesem Chor macht so großen Spaß, das ist einfach toll. Ich kann nur jedem raten hier mitzumachen.“

Der Eintritt zu dem Konzert war kostenfrei. Volker Senft bat das Publikum um eine kleine Spende, falls es gefallen hat: „Übrigens eine unserer zahlreichen Lehrerinnen im Chor hat nach dem letzten Konzert ausgerechnet, dass das Spendenaufkommen pro Zuhörer bei etwa zwei Euro lag. Da traue ich ihnen aber mehr zu.“ Ob es mehr geworden ist, wird der Kassensturz zeigen.

 

„Notizen einer Verlorenen“ von Heike Vullriede

Warnhinweis:

„Das Lesen dieses Buches kann Sie auf dumme Gedanken bringen!“

Notizen einerEines vorweg, dieses Buch ist nichts für Menschen, die unter Depressionen leiden, nichts für Menschen, die suizidgefährdet sind, nichts für den üblichen Krimileser. Oder doch? Wenn auf dagegen „harmlosen“ Zigarettenpackungen Warnhinweise stehen wie “ … kann tödlich sein“ dann gehören die ähnlich auch auf das Cover dieses Buches.

In Krimis sterben immer nur die Anderen. Natürlich nie der Ich-Erzähler, wie sollte das auch gehen. Der Leser schaut bei Mord und Totschlag zu, gruselt sich vielleicht, schreckt ab und an auf. Dann legt er im besten Fall zufrieden mit einer Gänsehaut das gelesene Buch beiseite. Nach Tagen, Wochen, Monaten ist die Geschichte vergessen.

Ganz anders bei diesem Buch: Heike Vullriedes „Notizen einer Verlorenen“ geht unter die Haut, beschäftigt sich nicht mit den üblichen Mordgeschichten sondern mit dem Tabuthema Selbstmord oder eleganter „Freitot“. Dieser ungewöhnliche Krimi ist geeignet als Einstieg in Diskussionen um dieses Tabu. Darf ein Mensch sein Ende selbst bestimmen? Müssen alle, die davon erfahren alles Menschenmögliche tun, um ihn davon abzuhalten? Zwar gehört der Tot zum Leben, aber Leben ist doch eher eine heitere Sache. Und so sind ja auch Krimis im Fernsehen oder als Buch in denen viel Humor und Witz vorkommt besonders beliebt. Hier muss sich der Leser allerdings auf ein sehr, sehr düsteres Buch einlassen. Gut weg komm darin eigentlich niemand, nicht einmal die beiden Hunde, schon allein wegen ihrer Namen: Zeus und Odin.

Die Geschichte anzureißen bedeutet schon fast zu viel zu verraten. Zwei Sätze seinen hier zitiert, die die Tiefgründigkeit des Inhalts beispielhaft wiedergeben: “ Abend für Abend beschäftigte ich mich mit dem Tod“ und “ Musste man fürchten, dass derjenige, der nach seinem eigenen Leben trachtet, in einem Umschwung der Gefühle im nächsten Moment den Rest der Menschheit umbringen will?“

Heike Vullriede gelingt es, die Spannung gegen Ende ins unermessliche zu steigern. Wer sich auf eine übliche Auflösung auf den letzten Seiten des Krimis freut, erlebt hier ein langes und dramatisches Ende, das für viele Situationen entschädigt, in denen die Protagonistin so völlig unnormal handelt und reagiert. Immer wieder fragt frau sich allerdings während der Geschichte: „Wofür haben wir vor Jahrzehnten in lila Latzhosen für Emanzipation gekämpft, wenn eine Frau heute so mit sich umspringen lässt?“ Und immer wieder fragt man sich während des Lesens, wie man nur in so eine „Scheiße“ hineingeraten kann, warum die Protagonistin nicht die Notbremse zieht. Oder zieht sie sie am Ende?

Heike Vullriede „Notizen einer Verlorenen“

Roman, 264 Seiten

Genre: Thriller / Drama

Broschur, Softcover

€ 12,99, ISBN: 978-3-943408-22-5

Luzifer Verlag / Steffen Janssen , Bochum

 

„Beatles“ zu Gast in Borken

CavernBeatles(58) - KopieBeim Konzert der „Cavern Beatles“ am Montagabend in der Stadthalle im Vennehof wurde nicht nur mit geklatscht und getanzt, begeistert gepfiffen und viel applaudiert, sondern die meisten Songs textsicher mitgesungen. Da hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Auch die ältere Generation weiß inzwischen mit dem Smartphon umzugehen und macht Erinnerungsbilder oder schneidet das Konzert mit.

Nicht ganz ausverkauft war die Stadthalle, einige Reihen blieben leer. Vielleicht lag es an dem Montag-Termin.

Schon nach den ersten Songs sind die rund 500 Besucher gerne bereit, der Aufforderung „Come on, stand up, clap your hands and dance“ zu folgen, die im Liverpooler-Dialekt von „Paul McCartney“ aus den Lautsprechern erklingt.

Aber auf der Bühne stehen nicht John, Paul, George und Ringo sondern die beste Beatles-Cover-Band „The Cavern Beatles“. Mit Genehmigung des berühmten Clubs in Liverpool dem „Cavern Club“, in dem die Fab Four 1961 auftraten, dürfen sie sich so nennen. Sie spielen die Beatles-Songs so authentisch, dass es für die Fans, die vor 50 Jahren keine Gelegenheit hatten das Original auf der Bühne zu erleben, ein Genuss ist. „Ich habe die Stücke so oft gehört, so dass es nicht schwer fällt, die Texte mitzusingen“, verrät eine Dame im fortgeschrittenen Alter. Nicht alle Besucher haben bereits graues Haar, da gibt es auch genug jüngere, die die Zeit der Beatles gar nicht miterlebt haben und dennoch Fans der Musik sind. Zu jung fühlt sich ein etwa Dreißigjähriger nicht: „Man wusste ja, auf was man sich einlässt, was einen erwartet. Der Drummer, finde ich, kann nicht so gut singen.“ Also fast so wie im Original, Ringo war auch kein begnadeter Sänger. Natürlich sind die Stimmen anders, das Aussehen der Bandmitglieder, das gleichen die vier aus Liverpool aber mit beatlestypischen Gesten und Kostümen aus. Relativ ähnlich sieht Paul Tudhope seiner Figur, die er verkörpert, John Lennon. Paul Tudhope (John Lennon), Steve White (Paul McCartney), Craig Gamble (George Harrison) und Simon Ramsden (Ringo Starr) präsentieren ihrem Publikum 37 Songs  und führten sie so durch vier Epochen zwischen 1962 bis 1970. Großartig ihre Umsetzung der instrumental aufwendigen Titel aus der Zeit nach 1966. Wo die Fab Four massive Studiotechnik einsetzten, bestreiten die Cavern Beatles alles alleine live auf der Bühne.

Nach der Pause wird es auf der Bühne bunt. Haben die vier vorher die dunklen Einheitsanzüge getragen, treten sie mit den Songs aus „Sgt. Pepper“ auch in der entsprechenden Kostümierung auf.

„Stille Nacht“ stimmt das Publikum zum Klavierspiel von Steve White an bevor der auf „Hey Jude“ endet. Drei Zugaben „Yellow Submarine“, „Revolution“ und „Get Back“ nimmt das Publikum gerne an. Von Standing Ovations kann nicht gesprochen werden, da die Fans sowieso die meiste Zeit stehen und mittanzen. Die Musik der Beatles, gespielt von einer hervorragenden Coverband, erzeugt gute Laune. Da geht manch einer mit einem Lächeln um die Mundwinkel und einem beseelten  Ausdruck auf dem Gesicht nach Hause.