Türkei – Das Kochbuch

Türkei – Das Kochbuch

von Musa Dagdeviren

Phaidon-Verlag, September 2019

512 Seiten, Hardcover

ISBN 978-3-947426-09-6

39,99 Euro

Man kann zur Politik der Türkei stehen wie man will, nichts damit zu tun haben die kulinarischen Genüsse des Landes. Daher ist „Türkei – Das Kochbuch“ eine Offenbarung für jeden, der seinen Horizont über Döner und Co. erweitern will. Aber Vorsicht, die Kochbücher des Phaidon-Verlags sind echte Schwergewichte, nicht vom Verständnis her sondern vom Gewicht. So prangt auf dem Rücken des Indien – Kochbuch groß die Zahl 1,5 KG und auch die Neuerscheinung „Türkei – Das Kochbuch“ gehört in diese Kategorie mit seinen rund 1,8 Kilogramm bei 512 Seiten.

Der Autor und Koch Musa Dagdeviren hat erprobte Rezepte aus allen Teilen des Landes zusammengetragen. Dadurch ergibt sich schon beim Lesen ein Eintauchen in die Welt von Tausend und einer Nacht. Die kleinen einführenden Texte erklären die Besonderheiten der türkischen Küche, sie sind kurz gehalten und informativ. Eigentlich wünscht man sich noch mehr über Land, Leute und Kochkultur zu erfahren, das würde aber sicher den Zweck eines Kochbuchs zuwider laufen. So ist der Untertitel Kulinarische Traditionen und Rezepte eher mit dem Schwerpunkt auf die Rezepte und deren Zubereitung gelegt, die kulinarischen Traditionen beziehen sich im Großen eher auf die verwendeten Zutaten.

Keine Angst, dass sie irgend eine Zutat nicht im türkischen Lebensmittelladen um die Ecke oder im Internet besorgen können, der Autor gibt auch Alternativen an für die verwendeten Spezialzutaten. Im Kapitel Vorräte finden sich viele sehr leichte Rezepte beispielsweise für die Zubereitung von Sauerteig, Käse, Tarhana-Pulver, hausgemachte Nudeln und sogar ein Backtriebmittel, das Hefe ersetzt und bei allen Tipps in der Coronakrise nirgendwo auftauchte, als die Backhefe rar wurde.

Nach der vierseitigen Einführung findet man Rezepte folgender Kategorien: Suppen – Salate und Vorspeisen –  Gemüse, Eier und Hülsenfrüchte – Gefüllte und Gerollte Köstlichkeiten – Fleisch – Geflügel und Wild – Innereien – Fisch und Meeresfrüchte – Pilaw – Brot und Backwaren – Süßspeisen – Getränke. Auch Rezepte von Gastköchen haben Eingang in dieses Werk gefunden, somit gibt Musa Dagdeviren seinen Kollegen Raum ihre Speisen vorzustellen.

Jedem Rezept stellt der Autor die regionale Herkunft voran, dann folgen erst einmal der zeitliche Aufwand für die Zubereitung, die Garzeit sowie die Angabe für wie viele Personen das Gericht reicht. Übersichtlich listet er die Zutaten mit genauen Maßangaben auf. Die Zubereitung ist so einfach erklärt, dass wirklich nichts schief gehen kann. Die zahlreichen Fotos der Speisten lassen einem schon beim Betrachten das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Dieses Kochbuch kann zur Bereicherung jedes Speisplans werden und bereitet schon Freude beim Durchblättern und Studieren.

Dänische Dämmerung

Lynn Andersen

Dänische Dämmerung

Kriminalroman

Broschur

272 Seiten

ISBN 978-3-7408-0758-0

Erschienen im März 2020 im Emons-Verlag

13,00 €

Sie wollten in diesem Jahr ein Ferienhaus in Dänemark buchen, dann sollten sie diesen Krimi mit Gruselfaktor besser nicht lesen. Aber da  die Coronakrise dazwischen gekommen ist, und ihr Urlaub wahrscheinlich ins Wasser fällt, ist dieser Roman vielleicht ein kleiner Ersatz sich in den verlorenen Urlaub am Strand von Nordjütland zu versetzen.

Kommissar Daniel Konermanns Frau Sibylle findet in einer deutschen Tageszeitung den Bericht über ein in einem dänischen Ferienhaus ermordetes Ehepaar. Konermann kann ihr auf ihre Fragen keine Antwort geben, er ist damit nicht befasst. Doch schnell merkt er, dass seine Frau diese Geschichte offensichtlich nicht los lässt, denn sie ist von einem auf den nächsten Tag verschwunden, hat ihn und den gemeinsamen zweijährigen Sohn Oscar einfach alleine gelassen und ist nach Dänemark gefahren. Konermann nimmt sich frei und begibt sich auf die Suche nach seiner Frau und gerät dadurch mehr oder weniger unfreiwillig in die Ermittlungen um den Mord im Ferienhaus.

Das ermordete deutsche Ehepaar wurde von der jugendlichen Jytta entdeckt, die kurz vorher den hilflosen, kleinen Sohn der Ermordeten in der Nähe des Ferienhauses gefunden hatte. Da der ein ausgeprägtes Down-Syndrom hat, fällt er als Zeuge für die Polizei aus. Was ist hier nur passiert? Was hat Konermanns Frau mit diesem Mord zu tun?

Viele kurze Handlungsstränge verwebt die Autorin zu einer spannenden Geschichte, bei der sich immer wieder neue Facetten auftun. Zwar sind diese Episoden anfangs etwas verwirrend, begründen aber durch ihre zeitlichen Sprünge, die Lebensumstände der Opfer und die Motive des Täters. Immer, wenn man als Leser ein kleines Stückchen schlauer geworden ist, bringt Lynn Andersen einen neuen Aspekt ins Spiel, das macht den Krimi bis zur letzten Seite hochspannend.

Ein winziger Makel, den der aufmerksame Leser versuchen kann in detektivischer Arbeit selber heraus zu bekommen: Wo hat das ermordete Ehepaar gelebt? Weder Konermann, noch Autorin oder Lektor können sich hier wohl auf eine Stadt einigen.

Kein Schweigen im Walde

Madlen Ziege

Kein Schweigen im Walde

Wie Tiere und Pflanzen miteinander kommunizieren

Piper – Sachbuch

240 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Erschienen am 03.02.2020

€ 22,00

EAN 978-3-492-05897-1

Biologin Madlen Ziege ist es mit diesem Sachbuch gelungen dem Leser einen Einblick in die Kommunikation von Pflanzen und Tieren zu geben. Wissenschaftlich korrekt und dabei witzig und unterhaltsam vermittelt sie, dass in der Natur zur Kommunikation nicht nur die uns bekannten Wege über Sprache, Mimik und Gestik einsetzt werden. Duftstoffe, Schwingungen, Chemie werden als Sender ebenso genutzt und natürlich bedarf es dann auch eines entsprechend ausgelegten Empfängers für diese Nachrichten.

„Es ist immer wieder erstaunlich, wie gesprächig die Natur ist – sehr erhellend und unterhaltsam,“ wird Förster und Sachbuchautor Peter Wohlleben vom Verlag zitiert. Wer jedoch aufgrund des Titels „Kein Schweigen im Walde“ ein etwas anderes Wohlleben-Buch erwartet hat, wird leicht enttäuscht, denn Ziege ist nicht Försterin mit jahrzehntelanger Erfahrung sondern Wissenschaftlerin, Biologin. So mutet ihr Buch in wenigen Teilen an einen Biologie-Leistungskurs, wenn sie beispielsweise erklärt, wie Hören und Sehen funktionieren. Der Vollständigkeit halber sicher nicht zu überspringen bei der Vielzahl von Sehorganen, für den interessierten Laien, der gerne jede Naturdoku im Fernsehen verfolgt und wohl auch Käufer dieses Werks ist, wahrscheinlich überflüssig.

Größtes Lob verdient die Autorin dagegen für ihre lebhaften und spannenden Beispiele . Wenn es sich unter den Langohren herumspricht, dass sie die Kommunikation der Kaninchen ausgeplaudert hat, ist wohl jeder Hoppler sauer auf sie. Und andererseits muss der kleine Leberegel der Autorin dankbar sein, denn den Lebensweg dieses Parasiten schildert sie so nett, dass man für ihn so etwas wie Sympathie entwickelt.

In drei Abschnitte teilt Madlen Ziege ihr Buch: Im ersten erfährt man alles über den Austausch von Informationen unter den unterschiedlichen Lebewesen, vom Senden bis zum Empfangen der Nachrichten. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Frage wer mit wem und warum kommuniziert und natürlich geht es ums Fressen und gefressen werden und um Fortpflanzung. Hier wird das wohl spannendste Kapitel, die Sprache der Pilze und Pflanzen aufgedeckt, bevor die zur für den Menschen am besten nachzuvollziehenden tierischen Kommunikation behandelt wird. Der dritte Teil erörtert das „Was, wenn sich alles ändert“, in dem Ziege ihrem Lieblingsobjekte, den Kaninchen Raum verschafft. Eingestreute Illustrationen erläutern den Text sinnvoll. Das angehängte 19-seitige Literaturverzeichnis hilft, sich zu den einzelnen Kapitel weiteren Lesestoff zu besorgen. Für Naturfreunde ist dieses Buch ein toller Einblick in die Kommunikation der Lebewesen, die uns überall umgeben.

Wilsberg – Sag niemals Nein

Wilsberg – Sag niemals Nein

Jürgen Kehrer

Wilsberg – Sag niemals Nein
Kriminalroman
kt., ca. 256 Seiten
EUR 12.00, E-Book EUR 9.99
ISBN 978-3-89425-634-0
Erscheinungsdatum: 03/2020 im Emons Verlag

30 Jahre agiert der Münsteraner Kultdetektiv Georg Wilsberg jetzt schon, als Romanfigur, im gleichnamigen Fernsehkrimi und sogar als Comicfigur. Die Fangemeinde kann sich über die Romanneuerscheinung „Sag niemals Nein“ freuen.

Auf 256 Seiten, die man schnell mal an einem oder zwei Nachmittagen weg lesen kann, löst Georg Wilsberg diesmal einen internationalen Fall.

Als die 15-jährige Emma den Detektiven um Hilfe bittet, ihren Vater, Paul Wilkens, zu beschützen, der sich als Journalist nachts im Wienburgpark mit jemandem treffen will. Es geht um knallharte Recherche, um eine ganz große Sache und Paul Wilkens macht auf seine Tochter den Eindruck, als wenn er sich verfolgt fühle.

Doch mit seinem schroffen Charme lehnt Wilsberg den Auftrag der Minderjährigen ab. Mal wieder gibt es da nichts zu verdienen.

Aber es wäre ein Wunder, ließe sich der Schnüffler nicht doch in den Fall hineinziehen, da siegt immer wieder seine Neugier und sein im Grunde großes Herz. Als Emma ihren Vater abends nicht erreicht, macht Wilsberg sich doch auf den Weg zum Park. Und findet ein Smartphone in einer Blutlache. Von Emmas Vater fehlt jedoch jede Spur.

Paul Wilkens soll sich mit der rechten Szene beschäftigt haben. So geraten Emma und etwas später Wilsberg in die Hände gewaltbereiter Männer. Der Fall entwickelt sich in eine völlig neue Richtung, als Emma einen Anruf ihres Vaters aus Beirut erhält.

Sollte Wilsberg etwa seine Ermittlungen im Nahen Osten weiterführen?

Wer Wilsberg nur als Fernsehschnüffler kennt, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen. Zwar haben die Münsteraner Polizeileute hier etwas andere Namen, die Parallelen lassen sich jedoch nicht verbergen. Und gekonnt flicht Autor Jürgen Kehrer kleine, witzige Seitenhiebe zwischen Film- und Romanfiguren in die Story ein. Ganz hervorragend hat er die Ausdrucksweise der pubertierenden Emma getroffen, was die Dialoge besonders glaubhaft und lebhaft macht. Schon allein, weil der Titel humorvoll an einen James Bond Film erinnert, sollte man sich diesen Krimispaß nicht entgehen lassen!

Das Gewicht der Worte

Pascal Mercier

Das Gewicht der Worte

Gebundenes Buch und E-Book: 576 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (27. Januar 2020)

 

Welch erdrückendes Gewicht die Worte haben können, zum Beispiel die Worte einer medizinischen Diagnose, die ihm nur noch eine kurze Lebenszeit lässt, erfährt Simon Leyland am eigenen Leib. Dabei kennt er sich wie kaum ein anderer mit Worten aus. Als junger Mann beschließt er alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden, ein Plan, durch den er Übersetzer von „guter“ Literatur wird. In England lernt er seine Frau kennen, die Journalistin Livia. Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt sie dessen etablierten Buchverlag in Triest. Das Paar lässt sich  mit seinen beiden Kindern in der norditalienischen Stadt nieder. Nach Livias viel zu frühem Tod übernimmt Simon den Verlag. Simon, der nur übersetzte, muss sich plötzlich um das Verlagswesen kümmern und wächst in die Aufgaben hinein. Immer wieder von Migräneanfällen geplagt, verliert er eines Tages kurzfristig seine Sprache und Kontrolle über seinen Körper, die klinische Diagnose: Gehirntumor. Dass das eine Fehldiagnose war, erfährt er erst später. Leylands Leben ändert sich in kurzer Zeit und neben Triest wird London wieder seine Heimat, durch die er interessante, tiefe Freundschaften schließt.

Für den sprachlich ambitionierten Leser ist der Roman ein Schmakerl. Protagonist Leyland führt den Betrachter durch die Höhen und Tiefen der Arbeit des Übersetzers, vermittelt die Schwierigkeiten der genauen Wortwahl und der damit zusammenhängenden Gefühle. Seine Briefe, die er immer wieder an seine verstorbene Frau richtet, sind zwar Wiederholungen des zuvor Erlebten, schildern aber Leylands Gefühlswelt. Redundanz ist ein Mangel dieses Romans. Sprachlich genussvoll breitet Pascal Mercier unaufgeregt das Leben seines Protagonisten aus, Überraschungen und Spannungen darf man nicht erwarten, daher ist das Buch nichts für Leser, die Action erwarten. Besinnlichkeit, Reflektion und Eintauchen in die Gefühlswelt der Romanfiguren ist angesagt, die man gerne als Leser mit der eigenen vergleichen darf, um dadurch ein wenig über das eigene Schicksal nachzudenken.

Das Buch entschleunigt, passend vielleicht zu unserem momentanen Leben in der „Corona-Krise“.

 

 

Was sich liebt, das killt sich

Sandra Lüpkes & Jürgen Kehrer

Was sich liebt, das killt sich: Mörderische Geschichten

Taschenbuch:  250 Seiten

KBV Verlag (17. 9. 2018)

 

Herrlich schräge Kurzkrimis serviert das Schriftstellerpaar Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer in dem abwechslungsreichen Band „Was sich liebt, das killt sich“. Das Autorenteam weiß, was es tut, hat es doch jahrelange Erfahrung mit erfolgreichen Kriminalgeschichten. Die Kenner wissen sofort, dass es sich hier um die Erfinder, Romanautoren und Drehbuchlieferanten von „Wilsberg“ handelt.

Abwechselnd ließen Lüpkes und Kehrer ihren „mordslustigen“ Gedanken in den 20 Kurzkrimis freien Lauf. Da vermutet der Leser vielleicht einen kleinen Wettstreit, der dahintersteckt, nach dem Motto, wer lässt seine Täter perfider morden.

Manche Geschichte ist durchsichtig und man weiß gleich in welche Richtung es geht, dennoch ist sie so hervorragend geschrieben, dass das Lesevergnügen darunter nicht leidet. Auch darf man die Stories nicht so ernst nehmen, dazu sind die vielen Protagonisten einfach zu schrullig und abgedreht. Da gibt es den Germanistikprofessor, der sich nicht weiter wünscht, als von seiner Liebsten mit“ Schatz“ angesprochen zu werden;  die vernachlässigte Ehefrau, die einfach nur mal einen schönen Urlaub mit ihrem Mann verbringen möchte; oder der Tiefkühllieferant, der immer Schwierigkeiten hat, die Tür hinter der die Zanderfilets sind zu öffnen.  Und „Wilsberg“ darf natürlich auch nicht fehlen.

Nicht in jeder Geschichte wird gemordet, manchmal geschehen Unglücke, manchmal geht es auch glücklich aus. Schmunzeln ist beim Lesen garantiert, Lacher nicht selten und gruseln braucht sich niemand. Wer auf abgedrehte Geschichten steht, kommt voll auf seine Kosten.

Diese 20 „Krimis“ sind das reine, heitere Lesevergnügen!

 

Sandra Lüpkes, geboren 1971, hat mit ihren Büchern eine Gesamtauflage von 700 000 Exemplaren erreicht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Jürgen Kehrer verfasst sie Drehbücher, unter anderem für die erfolgreiche ZDF-Reihe Wilsberg . Zuletzt erschien von ihr die vierbändige Roman-Reihe „Das kleine Inselhotel“.

 

Jürgen Kehrer, geboren 1956, ist mit neunzehn Kriminalromanen und mehr als zehn Drehbüchern der geistige Vater des Buch- und Fernsehdetektivs Georg Wilsberg. Neben Kriminalromanen veröffentlicht Jürgen Kehrer historische Romane sowie Sachbücher. Zuletzt erschien von ihm – in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Jörg Hartmann – der Comic-Band „Wilsberg – um Kopf und Kragen“.

 

 

Bernhard Kegel, Ausgestorben, um zu bleiben

Bernhard Kegel, Ausgestorben, um zu bleiben

Dinosaurier und ihre Nachfahren

270 Seiten, 55 s/w Abbildungen, gebunden mit Lesebändchen
DUMONT-Verlag
Erscheinungstag: 16.04.2018
ISBN 978-3-8321-9870-1

Bernhard Kegel weiß, wie man faszinierende Sachbücher schreibt. Mit „Ausgestorben, um zu bleiben“ widmet er sich dem Thema  Dinosaurier und räumt mit zahlreichen Falschdarstellungen und Vorurteilen auf. Dabei geht es in seinem Buch für Erwachsene nicht um eine bunte Darstellung dieser vor millionen Jahren ausgestorbenen Tiergattung, vielmehr zeigt er die Entwicklung der Paläontologie an verschiedenen Beispielen, wie sich das Bild, das Wissenschaftler und Betrachter von Dinosauriern geändert hat und beweist, dass Nachfahren der Tiere immer noch unter uns leben, nämlich die Vögel.

Spannend beschreibt er was mit den ersten Knochenfunden weltweit passierte. Die wichtige Rolle von Ausgräberin Mary Anning Anfang des 19. Jahrhunderts würdigt er und stellt die Dummheit der Kreationisten bloß, für die die Erdgeschichte gerade einmal 6000 Jahre umfasst. Wie passen da die 170 Millionen Jahre hinein, in denen die Dinosaurier auf unserem Planten gelebt haben.

Andere Themen die er aufgreift sind die „Dinomanie“, die Knochenjäger in den USA, die neueren Entwicklungen der Dinoforschung in China, die belegen, dass wir uns T-Rex und Kollegen nicht als Echsenwesen, sondern eher gefiedert vorstellen müssen. Apropos T-Rex, witzig liest sich der Ausflug in die Filmwelt von Jurassic-Park . Wenn man sich klar macht, dass T-Rex ein Raubtier war, dann werden die Darstellungen dieses Jägers zum running Gag, wenn er laut stampfend auf seine Opfer zuläuft.

Absolut logisch erscheint der Vergleich der riesigen Tiere mit unseren leichten Vögeln, wie sollten sie ihr ungeheures Gewicht tragen können, wenn sie nicht ganz spezielle leichte Knochen hatten. Diese und viele weitere Fragen werden hier hervorragend beantwortet ohne in das Reich der Phantasie abzudriften. Spannend und leicht zu lesen ist „Ausgestorben, um zu bleiben“ das Dinobuch für Erwachsene und Fans und weckt als Erstbegegnung mit dem Autor Interesse an seinen anderen Veröffentlichungen.

 

Bernhard Kegel, geboren 1953 in Berlin, studierte Chemie und Biologie an der Freien Universität Berlin. Seit 1993 veröffentlichte er mehrere Romane und Sachbücher, zuletzt er-schienen bei DuMont die Sachbücher ›Epigenetik‹ (2009), ›Tiere in der Stadt‹ (2013) und ›Die Herrscher der Welt‹ (2015). Bernhard Kegels Bücher wurden mit mehreren Publizistikpreisen ausgezeichnet. Der Autor lebt in Berlin.

 

Kerstin Fielstedde – Kamikatze

Kerstin Fielstedde – Kamikatze

Ein Katz und Maus Krimi

Emons-Verlag

Broschur, 256 Seiten

ISBN 978-3-7408-0265-3

soeben erschienen

10,90 €  [D]

Kamikatze ist nicht der niedliche Katzenroman, wie der Titel leicht andeutet. Kerstin Fielstedde setzt die Fellnasen in ihrem Krimi so geschickt in Szene, dass man sich schnell in der Handlung verliert und mit den Vierbeinern zittert, ob sie die zahlreichen Herausforderungen meistern können.

Gleich zu Anfang gerät Indy, die Top-Agentin des KGB (Katzengeheimbundes) in eine ausweglose Situation. Trotz jeglicher Nahkampfausbildung kann sie ihren Häschern nicht entkommen und wird von Ratten verschleppt. Maine-Coon-Kater Ian, Indys Bruder findet eine Geheimnachricht und macht sich auf die Suche nach seiner vermissten Schwester, die offensichtlich einem riesigen Skandal auf der Spur ist.

Durch ganz Berlin, auch unterirdisch in den Kanälen und Tunneln,  geht die Suche nach Indy. Dabei bekommt der Kater Hilfe von einer witzigen Truppe, die sich ihm anschließt. Kann das iCats-Team gemeinsam mit dem BND (Bund Neugieriger Dobermänner)  Indy befreien, lebt sie überhaupt noch? Sie haben einen mächtigen Gegner, der über eine riesige Rattenarmee verfügt.

Rassen- und artenübergreifend ist Kommunikation möglich. Verbale Attacken innerhalb des iCat-Teams lassen den Leser schmunzeln. Im Laufe des Krimis wird immer klarer, dass sich der angedeutete Skandal um Bauvorhaben dreht, die jedem Leser ein Begriff sind, da reichen Schlagworte wie Berlin, Stuttgart, Köln.

Bei aller Witzigkeit und den vielen Sprachspielen mangelt es der Geschichte nicht an Spannung. Locker, leicht geschrieben kann man die rund 260 Seiten in einem Rutsch weg lesen und wird nicht nur als Katzenliebhaber seine wahre Freude haben. Wer aber eine abgeschlossene Story erwartet, wird am Ende enttäuscht. Mit einem Cliffhanger entlässt die Autorin ihre Leser. Im Nachwort kündigt sie den nächsten Band an. Zusätzlich werden die Protagonisten mit herrlichen Grafiken und informativen Texten vorgestellt.

 

„Lauschsalon“ – Literaturlesung mit Musik

„Lauschsalon“ – Literaturlesung mit Musik

Mit ihrem „Lauschsalon“ begeisterten Anja Bilabel und Zoe Knoop am Freitagabend das Publikum in der Bücherei St. Heinrich in Reken

Ein Fluss aus weißem Tüll leitete die Besucher vom Eingang in den hinteren Raum der KÖB, zum Begrüßung gab es einen weißen alkoholfreien Cocktail bevor die knapp zweistündige Lesung der Schauspielerin Anja Bilabel begann. „Von weißer Zeit“ war das Motto des Abends an dem Bilabel ein atmosphärisches Winterhörstück zum besten gab in den liebevoll und passend zum Thema geschmückten Räumlichkeiten.

In Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Gemeinde Reken und der KÖB war die Einladung an die beiden Künstlerin erfolgt, die mit anderen Programmen unter weiteren Farbtitel schon mehrfach im Kreis zu hören waren.

Wenn Bilabel ihre Lesungen „Lauschsalon“ nennt, ist das keine Übertreibung. Hochkonzentriert spitzen die Zuhörer ihre Ohren und verfolgen die wundervoll gelesenen Texte. „Ich brauche jedes Mal rund ein Jahr, um die passenden Texte für die neue Farbe auszuwählen“, verrät Anja Bilabel in der Pause. Aus rund 60 Texten komprimiert sie endlich ihre Lesung auf etwa 20 Gedichte, Aphorismen und Kurzgeschichten querbeet durch die Literatur. Virginia Woolf stand mit drei Texten im Vordergrund des Abends. Ganz in den Bann ihrer gesprochenen Worte zog sie die Besucher aber mit ihren Geschichten von Hermann Hesse „Die Europäer“, „Kurzes Intermezzo“ nach einem Thema von Bertolt Brecht und zum Ende der Lesung mit der Shortstory von Truman Capote „Miriam“. Musikalisch unterstützt wurde Bilabel von der Harfinistin Zoe Knoop. Zwar trug die Musikerin kurze improvisierte Stücke zur Lesung bei, einzelne Töne, Arpeggien bei Sonnenaufgängen und etwas längere Auszügen und Melodien aus der Harfenliteratur. Allerdings war jeder Ton, jedes Musikstück im Detail geplant und in die Lesung eingeplant. Hier überließ die Schauspielerin Bilabel nichts dem Zufall und wurde zur Regisseurin ihres Lauschsalons. Der Beifall in der Pause und am Ende des Abends bestätigte sie. Dem Publikum hatte es ausgesprochen gut gefallen.

 

Plattfilm beweist: Alien lebt in Weseke

Plattfilm beweist: Alien lebt in Weseke

Weseke. Richtig beömmelt hatten sich die Zuschauer im Heimathaus bei der Vorstellung des Kurzfilms „Alwis un sin Alien“, für den es viel Applaus gab.

„Lebendig Platt“ und der Weseker Heimatverein präsentieren die Premiere des kurzen Film von Jan van Hasselt (Bremen) auf Sandplatt. Und damit keiner der Zuschauer mit der aussterbenden Sprache alleine gelassen wird, war alles mit hochdeutschen Untertiteln versehen.

Plattdeutsch ist eine aussterbende Sprache. Um der Vergessenheit entgegenzuwirken hat Initiator Stefan Demming sich hier mit dem Projekt „Plattfilm“ engagiert. Schnell fand er zwei Schauspieler aus dem Vorstand des Heimatvereins und in kurzer Zeit war „Alwis un sin Alien“ im Kasten. Na ja, kurz. „Sechs Stunden haben wir gedreht für die gut zwei Minuten Auftritt“, erzählte Walter Tenbusch, der im Film den Alwis spielt. Seinem Freund Wilm (Stefan Osterholt) erzählt er da, warum der Alien bei ihm zu Hause eine kleine Hand hat. Aber der Gag soll hier nicht verraten werden, denn das hervorragende schauspielerische Ergebnis kann sich jeder unter „www.plattfilm.de“ beliebig oft anschauen, der Spaß ist garantiert.

Der Bremer Regisseur Jan van Hasselt und Kameramann Matthias Kind haben das Projekt von Stefan Demming realisiert. „Der Blick von oben auf das Heimathaus ist mit meiner neuen Drohne gemacht, noch ein bisschen wackelig, damit muss ich noch üben“, beantwortet der Kameramann eine der vielen Fragen der rund 40 Zuschauer nach der Vorführung. Sechs Stunden Dreh für knapp fünf Filmminuten, da staunen viele. „Das war echt anstrengend, selbst nach der 12 Klappe war der Regisseur nicht ganz zufrieden“, erzählte Tenbusch.

Zur Zeit wird noch an zwei weiteren Filmen gearbeitet. Vielleicht kommen die Schauspieler ja noch ganz groß raus. Einige Zuschauer waren an „Buttenwarder“ erinnert, aber da wird ja nicht wirklich Platt gesprochen. Allerdings erhoffen sich alle Beteiligten, dass die „Plattfilme“ möglichst oft gezeigt und geschaut werden, bei Heimatvereinen, Schulen, „oder im Baumarkt“, wie Demming witzelt.

Über weitere Kurzfilme aus der Produktion diskutierten die Zuschauer an dem Abend. Da wurde unter anderem ein Plattkurs mit Flüchtlingen gezeigt, der schön den Unterschied zwischen Sandplatt und Kleiplatt verdeutlicht, alles natürlich hochdeutsch Untertitelt. Einfach mal reinschauen und mehr erfahren: www.plattfilm.de