„Notizen einer Verlorenen“ von Heike Vullriede

Warnhinweis:

„Das Lesen dieses Buches kann Sie auf dumme Gedanken bringen!“

Notizen einerEines vorweg, dieses Buch ist nichts für Menschen, die unter Depressionen leiden, nichts für Menschen, die suizidgefährdet sind, nichts für den üblichen Krimileser. Oder doch? Wenn auf dagegen „harmlosen“ Zigarettenpackungen Warnhinweise stehen wie “ … kann tödlich sein“ dann gehören die ähnlich auch auf das Cover dieses Buches.

In Krimis sterben immer nur die Anderen. Natürlich nie der Ich-Erzähler, wie sollte das auch gehen. Der Leser schaut bei Mord und Totschlag zu, gruselt sich vielleicht, schreckt ab und an auf. Dann legt er im besten Fall zufrieden mit einer Gänsehaut das gelesene Buch beiseite. Nach Tagen, Wochen, Monaten ist die Geschichte vergessen.

Ganz anders bei diesem Buch: Heike Vullriedes „Notizen einer Verlorenen“ geht unter die Haut, beschäftigt sich nicht mit den üblichen Mordgeschichten sondern mit dem Tabuthema Selbstmord oder eleganter „Freitot“. Dieser ungewöhnliche Krimi ist geeignet als Einstieg in Diskussionen um dieses Tabu. Darf ein Mensch sein Ende selbst bestimmen? Müssen alle, die davon erfahren alles Menschenmögliche tun, um ihn davon abzuhalten? Zwar gehört der Tot zum Leben, aber Leben ist doch eher eine heitere Sache. Und so sind ja auch Krimis im Fernsehen oder als Buch in denen viel Humor und Witz vorkommt besonders beliebt. Hier muss sich der Leser allerdings auf ein sehr, sehr düsteres Buch einlassen. Gut weg komm darin eigentlich niemand, nicht einmal die beiden Hunde, schon allein wegen ihrer Namen: Zeus und Odin.

Die Geschichte anzureißen bedeutet schon fast zu viel zu verraten. Zwei Sätze seinen hier zitiert, die die Tiefgründigkeit des Inhalts beispielhaft wiedergeben: “ Abend für Abend beschäftigte ich mich mit dem Tod“ und “ Musste man fürchten, dass derjenige, der nach seinem eigenen Leben trachtet, in einem Umschwung der Gefühle im nächsten Moment den Rest der Menschheit umbringen will?“

Heike Vullriede gelingt es, die Spannung gegen Ende ins unermessliche zu steigern. Wer sich auf eine übliche Auflösung auf den letzten Seiten des Krimis freut, erlebt hier ein langes und dramatisches Ende, das für viele Situationen entschädigt, in denen die Protagonistin so völlig unnormal handelt und reagiert. Immer wieder fragt frau sich allerdings während der Geschichte: „Wofür haben wir vor Jahrzehnten in lila Latzhosen für Emanzipation gekämpft, wenn eine Frau heute so mit sich umspringen lässt?“ Und immer wieder fragt man sich während des Lesens, wie man nur in so eine „Scheiße“ hineingeraten kann, warum die Protagonistin nicht die Notbremse zieht. Oder zieht sie sie am Ende?

Heike Vullriede „Notizen einer Verlorenen“

Roman, 264 Seiten

Genre: Thriller / Drama

Broschur, Softcover

€ 12,99, ISBN: 978-3-943408-22-5

Luzifer Verlag / Steffen Janssen , Bochum

 

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