„Godfather of Klezmer“ Giora Feidman in Velen

Begeisterung pur für Weltmusik

Klezmer im Stadele

Der „Godfather of Klezmer“ Giora Feidman und „Gitanes Blondes“ gastierten auf Gut Ross und zogen mehrere hundert Besucher in ihren Bann.Giora-Feidman(4)

Von Claudia Peppenhorst

Velen. Weltmusik mit dem Titel „Very Klezmer“ konnten mehrere hundert Besucher am Samstagabend auf Gut Ross im Zuge der „5.musik:landschft westfalen“ genießen. Hier spielte der weltberühmte Klarinettist Giora Feidman mit der vierköpfigen Gruppe „Gitanes Blondes“.

„Was uns erwartete, wussten wir nicht, die Musik war uns mehr oder weniger unbekannt, aber wir sind a

bsolut begeistert, das geht unter die Haut“, so äußerten sich Cordula und Hermann aus Rhade, und wie ihnen ging es vielen Besuchern, die Giora Feidman noch nicht gehört oder live erlebt hatten. Viele bedankten sich bereits in der Pause bei Veranstalter Dirk Klapsing für den musikalischen Hochgenuss und dass er diese Musiker nach Velen engagiert hatte.

Mit ganz leisen und zarten Klarinetten-Tönen schleicht sich Giora Feidmann von hinten in die voll besetzte Scheune auf Gut Ross, bleibt hier und da bei einem Gast stehen und begrüßt ihn augenzwinkernd, während er seine Melodie weiterspinnt, bis er schließlich auf der Bühne angekommen ist. Jetzt explodiert sein Lied mit aller Kraft, alle Besucher sind gebannt von der wechselnden Dynamik, der großen Virtuosität und dem Humor mit dem er seine In

strument und seine Musik spielt.

Er  verbindet Jazz mit traditioneller jiddischer Musik, orientalische mit irischer Folklore, osteuropäische Musik mit Tangoelemente. Nicht nur damit versteht er sich auch als Friedensbotschafter. Erstaunt lauscht das Publikum der ausgefallenen Interpretation und Vermischung dreier Nationalhymnen, der deutschen, israelischen und palästinensischen.

Damit ist noch nicht die Frage geklärt, was Klezmer ist. Klezmer, das ist Giora Feidman. Klezmer, das ist wenn die Klarinette weint und lacht, schreit und flüstert, jubelt und singt. Das ist u

rsprünglich die Musik der osteuropäischen Juden, die zu Feiern gespielt wurde, bei Giora Feidman wird diese Musik auf absolut perfekte Weise mit jeglicher Art Folklore, Jazz, Tango oder klassischen Elementen vermischt ohne ihren ursprünglichen Charakter einzubüßen. „Für mich, als Jude, ist Musik Gebet und Religion, ist das Leben“, mit diesen Worten kündigt er den Titel „Viva la vida“ an. Er hält sich nicht unbedingt an das ausgedruckte Programm, das geht bei Feidman nicht, dafür spielt er viel zu gerne mit dem Publikum, fordert sie zum mitsingen bekannter Titel auf, wie „Dona, dona“ oder „Shalom chaverim“, oder improvisiert zu einem einzelnen Ton, den alle Besucher singen oder summen

. Gelegentlich tritt er an Mikrophon und gibt auch hier Kostproben seines verschmitzten Humors: „Nicht im Alten oder Neuen Testament, nicht im Koran steht, dass eine Zugabe sein muss“, meint er, aber Zugaben gibt es trotzdem schon vor der Pause und natürlich am Ende dieses großartigen Konzerts, denn mit Standing Ovations entlässt ihn sein Publikum nicht einfach so von der Bühne. Aber er steht nicht alleine auf dieser Bühne, da sind vier andere großartige junge Musiker: Mario Korunic (Violine), Konstantin Ischenko (Akkordeon), Christoph Peters (Gitarre) und Simon Ackermann (Kontrabass) ihre virtuose Instrume

ntenbeherrschung passt sich auf zauberhafte Art der Soloklarinette an, gelegentlich kann man nicht unterscheiden, wo der Ton der Violine oder des Akkordeons endet und Feidman spielt. Sie musizieren so harmonisch miteinander, als ab sie ihr Leben lang nichts anderes getan hätten. Gerne zieht sich Giora Feidman in den Hintergrund zurück und überlässt „Gitanes Blondes“ die Bühne. Dann zeigen die einzelnen Instrumentalisten, was sie drauf haben. Konstantin Ischenko brilliert solistisch mit Rossinis Figaroarie auf dem Akkordeon, auch diese vier „blonden Zigeuner“ beweisen ihren Humor und begeistern das Publikum mit einem Stück, dass sie  zu dritt auf einem Kontrabass spielen.  Giora Feidman

kommentiert das mit: „Das war nicht abgesprochen.“ Das glauben die Besucher nicht, gerne glauben sie ihm aber, dass sie ein einzigartiges Publikum waren, denn: „Was ist der Unterschied zwischen einem Auftritt in der Caregie Hall oder in Velen? Es gibt keinen Unterschied, außer den Menschen.“ Danke, Giora Feidmann.

 

 

 

 

 

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