Der König besucht Borken – Johann König im Vennehof

„Borken, boaah! Borken … kenn‘ ich … aus der Nase“, Johann König lästert auf seine Art vor der ausverkauften Stadthalle über Borken und bringt hunderte Besucher zum Lachen und Johlen.

Johann König

Johann König

 

Von Claudia Peppenhorst

Borken. „Ich hab einen Mann gefragt, wie ich in die City komme. Ich hab die U-Bahn gesucht. Die ist hier überirdisch. Wenn man Platz hat, kann man ja auch `Bus´ draufschreiben“, will Johann König sein Publikum im zweiten Teil provozieren. Er hat es im Griff, weiß, wie weit er gehen darf, das hat er vor der Pause ausgelotet, und die Leute machen mit. Bestätigende Zwischenrufe, Applaus, Lacher veranlassen den Comedian seine Lästerei fortzuführen: „ Meine Oma hat mir erzählt, dass hier vor über 100 Jahren der Hund begraben wurde. Der war zu hektisch. Von dann an war Ruhe. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, hier auszusteigen.“

Gekonnt bereitet er auf seine scheinbar lethargische Art seine Gags vor, bis er explodiert, dann wieder ruhig nachsetzt, verzögert und noch einen Gag draufsetzt. Er spricht über Vorurteile, den Polen, der in dem Zimmer vor ihm steht, von dem er schlechtes Deutsch erwartet: „Sagt der: `Geb Uhr! ´, ich zu ihm: `Das heißt: Gib die Uhr, bitte! ´ und dann gebe ich ihm die Uhr … wieder … die ich ihm vorher geklaut habe.“ Immer wieder überrascht er mit sprachlichen Kleinigkeiten: „Die Psychoanalyse sagt `Vorurteile sind die Grundlage unseres Handels und Denkens´, ich wusste gar nicht, dass die sprechen kann.“

Der extrovertierte Autist und Meister des Paradoxen spielt dem Publikum kurze Szenen aus seinen TKKG-Kassetten vor und lässt sie raten, wie es weitergeht. Ein Zitat überträgt er auf Karl-Theodor zu Guttenberg: „Der will zurück in die Politik. `Mit frisch gewichsten, pechschwarzen Haaren´.“ Und er bleibt bei seinen Kinderkassetten, die er aus Mitte der 80er Jahre gerettet hat: „Wie war denn damals die Stimmung in der DDR? Hielt sich in Grenzen.“

Politisches kann man von König nicht erwarten, dafür überzeugt er sein Publikum mit seinen kleinen selbstgebastelten Versen. Zwischendurch pikst er satirisch in alle Richtungen, nicht nur auf Frauen: „Ich parke zwischen Behindertenparkplatz und Frauenparkplatz, wobei ich den Unterschied noch nicht verstanden habe.“ Oder er testet einen Gag: „Wenn der hier funktioniert, funktioniert der auf der ganzen Welt. `Bist du nicht der Sohn vom Ziegenficker?´ `Näähäh – näähäh´“. Aber am Häufigsten nimmt er schließlich sich selber immer wieder aufs Korn: „Kommt der auf mich zu, größer, stärker und im Recht, für mich eine klassische loose, loose, loose – Situation.“

Er erzählt, dass er im Supermarkt keine kleinen Plastiktüten mehr nimmt, weil er ein schlechtes Gewissen hat wegen des Plastikmülls in den Weltmeeren, sich aber beim Fischhändler genussvoll durch die bedrohten Arten frisst. Scheinbar Persönliches erfährt das Publikum von seiner Katze, seinem Sohn `Hein Mück´ und der Tochter. Über die künstlerischen Fähigkeiten seines Sprösslings urteilt er: „Für massentaugliche Billigkunst wird es immer reichen.“ Worauf seine Frau geantwortet habe: „Wie bei seinem Vater.“

Johann König

Johann König

Am Schluss zieht Johann König mit seinem „Burn-out-Song“ noch einmal alle Register. Hatte er kurz vorher erfolglos versucht auf einem riesigen Sitzkissen eine bequeme Position zu finden, hüpft, springt und tanzt er jetzt über die Bühne. Ohne einige Zugaben lässt ihn das begeisterte Publikum jedoch nicht gehen.

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