Das Gewicht der Worte

Pascal Mercier

Das Gewicht der Worte

Gebundenes Buch und E-Book: 576 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (27. Januar 2020)

 

Welch erdrückendes Gewicht die Worte haben können, zum Beispiel die Worte einer medizinischen Diagnose, die ihm nur noch eine kurze Lebenszeit lässt, erfährt Simon Leyland am eigenen Leib. Dabei kennt er sich wie kaum ein anderer mit Worten aus. Als junger Mann beschließt er alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden, ein Plan, durch den er Übersetzer von „guter“ Literatur wird. In England lernt er seine Frau kennen, die Journalistin Livia. Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt sie dessen etablierten Buchverlag in Triest. Das Paar lässt sich  mit seinen beiden Kindern in der norditalienischen Stadt nieder. Nach Livias viel zu frühem Tod übernimmt Simon den Verlag. Simon, der nur übersetzte, muss sich plötzlich um das Verlagswesen kümmern und wächst in die Aufgaben hinein. Immer wieder von Migräneanfällen geplagt, verliert er eines Tages kurzfristig seine Sprache und Kontrolle über seinen Körper, die klinische Diagnose: Gehirntumor. Dass das eine Fehldiagnose war, erfährt er erst später. Leylands Leben ändert sich in kurzer Zeit und neben Triest wird London wieder seine Heimat, durch die er interessante, tiefe Freundschaften schließt.

Für den sprachlich ambitionierten Leser ist der Roman ein Schmakerl. Protagonist Leyland führt den Betrachter durch die Höhen und Tiefen der Arbeit des Übersetzers, vermittelt die Schwierigkeiten der genauen Wortwahl und der damit zusammenhängenden Gefühle. Seine Briefe, die er immer wieder an seine verstorbene Frau richtet, sind zwar Wiederholungen des zuvor Erlebten, schildern aber Leylands Gefühlswelt. Redundanz ist ein Mangel dieses Romans. Sprachlich genussvoll breitet Pascal Mercier unaufgeregt das Leben seines Protagonisten aus, Überraschungen und Spannungen darf man nicht erwarten, daher ist das Buch nichts für Leser, die Action erwarten. Besinnlichkeit, Reflektion und Eintauchen in die Gefühlswelt der Romanfiguren ist angesagt, die man gerne als Leser mit der eigenen vergleichen darf, um dadurch ein wenig über das eigene Schicksal nachzudenken.

Das Buch entschleunigt, passend vielleicht zu unserem momentanen Leben in der „Corona-Krise“.

 

 

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