Westmünsterland-Beginen informieren

Vorstandfrauen v.l.: Elke Inhestern, Dörte Schlüter- de Jonge, Petra Ibl, Elke Wehling, Gertrud Goos

Westmünsterland-Beginen informieren

Gescher (csp). „Wat eene allene nich schafft  – föllt twee nich schwor“ (Was eine alleine nicht schafft – aällt zweien nicht schwer)  fasste Vorstandsfrau Gertrud Goos die Vereinsgründung und die Arbeit der Westmünsterland-Beginen zusammen.

Zum ersten öffentlichen Treffen der WestmünsterLand Beginen in Mia´s Backhaus kamen im Mai 30 Mitfrauen des neu gegründeten Konvents, Vertreterinnen der Landfrauen, die Gleichstellungsbeauftragte und Gästinnen zu Vortrag und Feier in das Bauernhofcafé „Mia’s Backhaus“. Nicht nur hier wollen die Beginen ihren Verein bekannt machen. „Es ist ein Verein von Frauen für Frauen“, so Goos, dabei schießen sie Männer jedoch nicht kategorisch aus und machen das Angebot der Fördermitgliedschaft für diese. „Dabei leisten wir nebenbei ein wenig Genderarbeit, denn die gesellschaftliche Rollenzuschreibung, die häufig noch so aussehen, dass Frauen in der zweiten Reihe stehen und Männer die Macher sein müssen, werden bei uns bewusst vertauscht“, weiß sie augenzwinkernd.

Im Sommer 2014 entstand die Idee, einen Beginen Verein zu gründen. Ein Zeitungsartikel sorgte für einige Aufregung in der Region und viel Aufklärungsarbeit war nötig. Seit Ende 2015 fand eine Kontaktaufnahme mit den Bocholter Beginen statt, die seit 2009 aktiv sind und inzwischen ein Frauenwohnprojekt haben. Seit Mitte 2016 sind die WestmünsterLand Beginen ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

Geschichte der Beginen

Die 700-jährige Geschichte der Beginen stellte Elke Wehling den Besucherinnen vor. „1233 sind die ersten deutschen Beginen nachgewiesen. 1299 existierten in Köln 88 Beginenkonvente, einige Jahrzehnte 169.“, erklärt die Kassenwartin. Die Beginen waren unabhängige Frauen, die weder heiraten noch in ein Kloster eintreten wollten. Sie lebten hauptsächlich in Städten, waren aber auch auf dem Land zu finden, auf den sogenannten Beginenhöfen. Jede Frau konnte Begine werden. sie organisierten ihr Gemeinschaft selbst, arbeiteten und legten ihr Geld zusammen. Viele waren hochgebildet. Durch wirtschaftliche Unabhängigkeit waren sie in der Lage, Sozialfürsorge zu leisten, Hospitäler zu unterhalten und ein Bildungswesen aufzubauen. Im 14. Jahrhundert durch die Inquisition als Ketzerinnen-Bewegung verfolgt, waren sie letztendlich gezwungen, sich unter den Schutz der Kirche zu stellen, obwohl sie religiös und politisch unabhängig sein wollten.

Die Beginen heute

Die Beginen heute verbindet der Wunsch nach einem eigenständigen Leben mit dem eines gemeinschaftlichen Miteinanders im Wohnen, teilweise auch im Arbeiten. Verwitwet, geschieden, ledig oder getrennt lebend, lesbisch oder heterosexuell, mit oder ohne Kinder, Alter, Herkunft, Ausbildung und Lebensläufe sind vielfältig bei den Beginen. Spiritualität und soziales wie politisches Engagement spielen eine mehr oder minder große Rolle. Heute stehen die Verbundenheit mit anderen Frauen und gegenseitige Unterstützung in diesem spannenden gesellschaftlichen Experiment die Hauptrolle. Vernetzung ist ein wichtiges Schlagwort. Die Satzung des Vereins propagiert die Wiederbelebung der Beginenkultur, die Entwicklung von Wohnformen für Frauen und Kinder und die nachhaltige Lebensführung durch Mini-Farming und artgerechte Tierhaltung.

Wie erfolgreich die Beginenarbeit sein kann, zeigte Liselotte Moeckel von den Bocholter Beginen, die mit ihren Mitschwestern inzwischen in einem gesponserten Neubauprojekt wohnt. Ihr Motto sagt sie scherzhaft ist: „Feiern, feiern, feiern.“

Kontaktaufnahme zu dem Gescheraner Verein über:

WestmünsterLand Beginen e.V.

 

 

 

 

 

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