„Lauschsalon“ – Literaturlesung mit Musik

„Lauschsalon“ – Literaturlesung mit Musik

Mit ihrem „Lauschsalon“ begeisterten Anja Bilabel und Zoe Knoop am Freitagabend das Publikum in der Bücherei St. Heinrich in Reken

Ein Fluss aus weißem Tüll leitete die Besucher vom Eingang in den hinteren Raum der KÖB, zum Begrüßung gab es einen weißen alkoholfreien Cocktail bevor die knapp zweistündige Lesung der Schauspielerin Anja Bilabel begann. „Von weißer Zeit“ war das Motto des Abends an dem Bilabel ein atmosphärisches Winterhörstück zum besten gab in den liebevoll und passend zum Thema geschmückten Räumlichkeiten.

In Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Gemeinde Reken und der KÖB war die Einladung an die beiden Künstlerin erfolgt, die mit anderen Programmen unter weiteren Farbtitel schon mehrfach im Kreis zu hören waren.

Wenn Bilabel ihre Lesungen „Lauschsalon“ nennt, ist das keine Übertreibung. Hochkonzentriert spitzen die Zuhörer ihre Ohren und verfolgen die wundervoll gelesenen Texte. „Ich brauche jedes Mal rund ein Jahr, um die passenden Texte für die neue Farbe auszuwählen“, verrät Anja Bilabel in der Pause. Aus rund 60 Texten komprimiert sie endlich ihre Lesung auf etwa 20 Gedichte, Aphorismen und Kurzgeschichten querbeet durch die Literatur. Virginia Woolf stand mit drei Texten im Vordergrund des Abends. Ganz in den Bann ihrer gesprochenen Worte zog sie die Besucher aber mit ihren Geschichten von Hermann Hesse „Die Europäer“, „Kurzes Intermezzo“ nach einem Thema von Bertolt Brecht und zum Ende der Lesung mit der Shortstory von Truman Capote „Miriam“. Musikalisch unterstützt wurde Bilabel von der Harfinistin Zoe Knoop. Zwar trug die Musikerin kurze improvisierte Stücke zur Lesung bei, einzelne Töne, Arpeggien bei Sonnenaufgängen und etwas längere Auszügen und Melodien aus der Harfenliteratur. Allerdings war jeder Ton, jedes Musikstück im Detail geplant und in die Lesung eingeplant. Hier überließ die Schauspielerin Bilabel nichts dem Zufall und wurde zur Regisseurin ihres Lauschsalons. Der Beifall in der Pause und am Ende des Abends bestätigte sie. Dem Publikum hatte es ausgesprochen gut gefallen.

 

Grusellesung mit Christoph Tiemann

„Bis das Blut gefriert“ – Grusellesung mit Christoph Tiemann im Spargelhaus

„Tiemann testete“ am Donnerstagabend die Nerven der Zuhörer in der Almhütte von Adelheids Spargelhaus. Die zweistündige Lesung aus acht Gruselgeschichten aus drei Jahrhunderten wurde mit Unterstützung durch den Pianisten Till Backhaus zu einem Hörerlebnis für die Gäste.

„Haben sie es schön kommod und gemütlich?“ fragte Tiemann seine Zuhörer als erstes. „Damit ist es gleich vorbei“, wusste er, bevor er in die Lesung von Geister- und Gruselgeschichten eintrat. Zuvor erklärte er noch, wie es zu der Einladung in Adelheids Spargelhaus gekommen war. „Bei einem Dreh auf Arnos Spargelfeldern haben wir das verabredet.“ Das kam ihm sehr gelegen, denn der Schauspieler und Kabarettist will sich nicht nur durch Restaurants essen. Damit spielte er auf seine bekannte Fernsehsendung „Tiemann testet“ an.

Die Zuhörer hatten es bequemer als die Menschen vor Jahrhunderten in Irland. „Da wurden gruselige Geschichten in Hütten erzählt. Aber die Leute stiegen danach nicht in ihre Autos und fuhren nach Hausen. Durch absolute Dunkelheit mussten sie ihren Weg Über Felder, Wiesen und durch Wälder zu ihrem Haus finden, was den Gruselfaktor des vorher gehörten sicher verstärkte“, berichtete der Vorleser.

Den Gruselfaktor während der Lesung  verstärkte Till Backhaus mit Keyboard und elektronischen Klängen. Bei Charles Dickens Erzählung „Der Bahnwärter“ klingelten die Schrankenglocken, der Zug pfiff durch die Nacht und bei seinem Herannahen bebte der Boden der Almhütte. Christoph Tiemann schlüpfte gekonnt in die verschiedenen Personen der Handlung und erweckte durch ausgezeichnete Stimmmodulation diese zum Leben.

Weitere Geschichten von Autoren wie Robert Rankin, Edgar Allan Poe, „der so britisch schrieb, dass man vergisst, dass er Amerikaner war“, wie Tiemann erklärt, folgten. So hörte das Publikum nicht nur die Geschichten, sondern erfuhr immer noch ein wenig über die Hintergründe und die Autoren.

Christoph Tiemanns Lieblingsstory ist „Das verräterische Herz“, bei der er völlig in die Rolle des verrückten Icherzählers eintauchte. Selbst im Sitzen brachte er die gruselige Geschichte mit Mimik und Gestik so lebendig herüber, dass die Zuschauer absolut begeistert waren. Beifall gab es natürlich nach jeder Story und am Ende des Abends besonders ausführlich.

Eine zweite Auflage der Grusellesung haben die beiden Künstler in Arbeit. Und mit einer Lesung von Weihnachtsgeschichten wollen sie Ende nächsten Jahres wieder ins Spargelhaus kommen.

Stephen Dobyns – Ist Fat Bob schon tot?

Stephen Dobyns – Ist Fat Bob schon tot?

Roman

Gebundene Ausgabe 464 Seiten

Verlag: C. Bertelsmann

Erschienen: 17.04.2017 , 19,99 €

Deutsch von Rainer Schmidt

Ein Motorradfahrer prallt mit voller Wucht gegen eine Laster, der quer zur Straße aus einer Einfahrt kommt. Von dem Harleyfahrer bleibt nicht viel übrig und die Identifizierung gestaltet sich schwierig. Ist der Tote der Besitzer der Maschine Robert Rossi, genannt „Fat Bob“? Connor Raposo wollte doch nur seine Schuhe beim Schuhmacher abholen, den Unfall vor der Schuhmacherwerkstatt hat er nicht gesehen, jetzt kommt er aber mit seinem am Geschäft geparkten Wagen nicht weg, die Polizei hat alles abgeriegelt. Da bleibt nur ein Smalltalk mit einem anderen Wartenden. Kennt er den nicht von irgendwoher? Scheinbar völlig unzusammenhängende Personen und Ereignisse verknüpfen sich im Laufe der Geschichte immer mehr. Und Protagonist Connor Raposo stolper immer tiefer in die Geschehnisse, bis ihm klar wird, dass man auch hinter ihm her ist. Mit umwerfender Situationskomik und lakonischen Dialogen jagt Stephen Dobyns seine Helden durch eine höchst raffinierte Krimigeschichte, die in einem furiosen wie unerwarteten Showdown mündet. Ein Lesevergnügen für alle Freunde des schrägen Humors.

Ja, schräg ist der Humor in diesem ungewöhnlichen Krimi tatsächlich. Connor Raposo ist jung und naiv. Er arbeitet in einem „Familienunternehmen“ „Bounty Inc.“, das Geld von gutgläubigen Bürgern erschwindelt, unter anderem für Aktionen wie „Rettet Beagle vor der Nikotinsucht“. (Da hätte ein Beagle besser aufs Buchcover gepasst als eine Katze.) Solche Machenschaften scheinen wohl nur in den USA möglich. Connors Aufgabe in diesem Unternehmen ist es, die Spendenschecks aus dem Postfach abzuholen, so bleibt ihm viel Zeit sich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dadurch gerät er immer tiefer in eine Geschichte, die ihn nichts angeht, hat aber ohne es zu bemerken, mehr Einblick in die Geschehnisse als die beiden schrägen Polizeiermittler Manny und Vikstöm. Überall prallen die Interessen von Möchtegern-Gangsterbossen, Kleinganoven, Obdachlosen, Poizisten und  Ehefrauen aufeinander, das löst zweifellos viele Konflikte aus, die der Story immer neue Wendungen geben.

Wer sind denn in diesem Krimi die Guten, wer die Bösen? Eigentlich werden einem beinahe alle Personen nicht zuletzt aufgrund der äußerst detailreichen Skizzierung der Charaktere irgendwie sympathisch. Wo anderer Autoren ein grobes Bild ihrer Protagonisten zeichnen, erfahren Dobyns Lesen scheinbar alles über die Romanfiguren, vom Aussehen her über Gewohnheiten und Marotten bis hin zu ihren Gedankengängen. Einen wesentlichen Teil trägt der allwissende Erzähler bei, der sich direkt an den Leser wendet. Mal gibt er humorvolle Charaktereigenschaften preis, mal bestimmt er, wo die Geschichte weiter geht.

Lassen sie sich nicht verwirren, denn bis zum fulminanten Ende bleibt die Frage offen: „Ist Fat Bob schon tot?“

Albert Hammond präsentiert „Songbook“

Ein Feuerwerk aus Musik und Lichteffekten brachte Weltstar Albert Hammond mit Band im Mai auf die Bühne der Stadthalle im Vennehof. Rund 500 Fans aus Nah und Fern ließen sich die Gelegenheit ein Urgestein des Popmusik live zu erleben nicht entgehen.

Eine Aufwärmphase benötigt das Publikum nicht, von der ersten Noten an sind die Zuhörer von null auf 100 und es scheint, als lässt sich das nicht mehr steigern. Doch Albert Hammond zieht geschickt immer wieder andere Songs aus seinem Repertoire, die die Fans zu noch mehr Applaus und Begeisterung bringen.

Über 50 Songs stehen auf der Playlist, einige sind fest eingeplant. Mit „Everything I want to do“ geht es los und gleich stimmten viele im Saal mit ein, erheben sich von den Stühlen und tanzten zwischen den Reihen. „Albert singt nicht alle“, sagt der Tontechniker, der auch nicht genau weiß, welcher Song als nächster kommt. „Da müssen wir blitzschnell reagieren“, wissen die beiden Männer an Ton und Licht. Weiter geht es mit „Down by the river“, zwischendurch erzählt Hammond ein wenig von seinen Erlebnissen aus den vielen Jahren seiner erfolgreichen Karriere.

„These are the good old days“ soll das Publikum mitsingen, natürlich nur den Teil mit „Taratatatada“, das klappt, bei anderen Liedern sind die Zuhörer textsicherer. Ja, die guten alten Tage; „Wer erinnert sich an die 70er, 60er, 50er“, fragt der 73-jährige Star, die Hände schnellen in die Höhe. Alle sind sich einig, wenn Hammond fragt, ob er „beautiful songs“ geschrieben hat. „Sagt mir die Wahrheit“, fordert er, die zustimmenden Pfiffe und der tosende Applaus bestätigen das.

Laut ist es, wenn es seine sehr rockigen Stücke mit Irvin Duguid (Keyboard), David Stewart (Drums), Calais Brown (E-Gitarre) und David Paton (Bass) performt. Schmusiger geht es bei „Anyone with eyes“ zu. Auch Stücke von Freunden hat er mitgebracht, Tina Turners „I don’t want to lose you“, etwas von Chris de Burgh oder Joe Cocker, die er auf seine wundervolle Art interpretiert.

Er zieht seine Jacke aus und begibt sich zwischen die Zuschauerreihen, begrüßt seine Zuhörer mit Handschlag und bedankt sich für deren Anwesenheit. Auch nach der Show steht er als Künstler zum Anfassen bereit und verteilt Autogramme. Rund zwei Stunden Konzert begeistern alle im Saal. Das Publikum hält es die letzte halbe Stunde nicht auf den Stühlen, stehend feiern sie ihren Lieblingsstar.

 

 

Feidman plays Beatles

giora-feidman185Die ganze Welt umarmen – Feidman plays Beatles

Wesel (csp). Im März wird der weltberühmte Klarinettist Giora Feidman 81, doch das hindert ihn nicht immer wieder neue Projekte in Angriff zu nehmen. Am 3. Februar erscheint die CD „Feidman plays Beatles“. Zur Zeit ist er mit dem Rastrelli Cello Quartett und den Beatlessongs im Gepäck auf Tournee. Alleine 32 Termine absolviert er zwischen 6. Januar und 6. April in ganz Deutschland.

Am 4. Januar spielte er die beliebten Songs der Fab Four im St. Willibrordi Dom Wesel natürlich vor ausverkauftem „Haus“. Hunderte lauschten den Klängen von „Yesterday“, „Michelle“, „A Hard Days Night“ oder „Let It Be“ die Feidman auf seine unvergleichliche Art spielte. Das Arrangement stellt die Musik der Beatles in den Vordergrund, aber Feidman wäre nicht Feidman wenn er nicht einen Hauch Kletzmer mit in seine Interpretation brächte. So lässt er Klarinette und Bassklarinette schreien, weinen oder sprechen. Die grandiose Akustik des Doms erhöht die Darbietungen zu sphärischer Musik.

Unter den Besuchern ist niemand auszumachen, dem das Dargebotene nicht ausgesprochen gut gefällt. Und zudem haben die Konzertbesucher noch die Gelegenheit vor dem offiziellen Termin die CD mitzunehmen und sich von einem ziemlich erkälteten Giora Feidman signieren zu lassen.

Nur wenige Male tritt der Ausnahmeklarinettist ans Mikrofon, man merkt ihm deutlich an, dass er nicht mehr so gut auf den Beinen ist wie früher. Dafür hat er aber nichts von seinem Humor eingebüßt. „Nicht im Neuen Testament, nicht im Alten Testament steht, wann eine Zugabe gespielt werden soll. Deshalb spielen wir die jetzt“, scherzt er noch vor der Pause und stimmt „When I’m 64“ an.

Die vier Herren des Rastrelli Cello Quartetts, die durch harmonisches Zusammenspiel mit dem großen Meister und mit ihrer rockigen Behandlung ihrer Instrumente glänzen, haben mit „Dizzy Miss Lizzy“ ihre verdiente Solonummer. Im zweiten Konzertteil wird das Ensemble durch das Jerusalem Duo Hila Ofek (Harfe) und André Tsirlin ( Sopransaxophon) erweitert. Beide widmen sich den zarten Songs „While My Guitar Gently Weeps“ und „Something“. Feidman hat besondere Freude, das Duo vorzustellen, ist Hila Ofek doch seine Enkelin und André Tsirlin der frisch Angetraute.

Nicht nur die Musiker scheinen eine große Familie zu sein. „Nein“, sagt Giora und zeigt auf den musikalischen Leiter des Rastrelli Cello Quartetts Kira Kraftzoff, „das ist nicht mein Bruder. Wir haben nur beide den selben Friseur.“ Dann streicht er sich mit einer Hand erklärend über den kahlen Schädel. Familie, Freunde, Freundschaft, Frieden und Harmonie unter den Menschen sind immer Feidmans Themen gewesen, so verzichtet er auch nicht mit einem bescheidenen Appell an die Anwesenden. „Egal wo auf der Welt, egal ob Deutsche oder Juden, wir sind alle Menschen, eine große Familie, ich bin ein Teil deiner Familie.“

Mit „Maxwell’s Silverhammer“ als Zugabe endet das großartige Konzert. Und bei stehenden Ovationen singen alle zum angehängten „Hey Jude“ das „naa, naa, naa, naa, na, na, na, na“ mit.

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Marc Elsberg – Helix. Sie werden uns ersetzen

HELIXSie werden uns ersetzen von Marc ElsbergMarc Elsberg – Helix. Sie werden uns ersetzen

Roman

Hardcover, 648 Seiten

Verlag: Blanvalet

22,99 Euro

Erschienen: 31.10.2016

Gerade frisch aus der Druckerei liest man sich in die neue Story von Marc Elsberg genauso schnell ein wie in seine Zukunftsvisionen „Blackout“ oder „Zero“. Der neue Roman ist „der Hammer“ und trifft den halbwegs informierten Leser entsprechend. Von Gentechnik und -manipulation haben wir alle schon gehört, ein Thema, das immer wieder in den Medien kursiert. Elsberg ist in der Lage damit eine Geschichte zu konstruieren, die absolut glaubwürdig ist und wenn es auch noch nicht heute passieren kann, was er uns da serviert, so doch in naher oder ferner Zukunft.

Mit vielen losen Anfangsfäden spinnt der Autor eine Story, die sich immer mehr verdichtet, spannend bis zur letzten Zeile. Und aus der Hand legen mag man das Buch auch nicht, bevor man es nicht zu Ende gelesen hat.

Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und –tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonderbegabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder? Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt …

Neil Gaiman – American Gods – Director´s Cut

american-godsNeil Gaiman – American Gods – Director´s Cut

Eichborn

Paperback, 672 Seiten

Fantasy Bücher

Übersetzung ins Deutsche von Hannes Riffel

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel „American Gods“, deutsche Ausgabe erstmals 2015, 672 Seiten

Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. So lautet ein beliebtes angeblich von B. Brecht stammendes Zitat. Die Frage, ob das auch für Götter gilt beantwortet Neil Gaiman in seinem Roman „American Gods“ (Amerikanische Götter).

Faszinierend in einer Mischung aus Krimi und Fantasy-Roman wirft der Autor philosophische und religiöse Fragen auf, mit denen sich auch sein Protagonist Shadow auseinandersetzen muss.

Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder bietet ihm einen Job an. Dieser nennt sich Mr. Wednesday und weiß ungewöhnlich viel über Shadow. Er behauptet, ein Sturm ziehe auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas. Eine Schlacht, in der Shadow eine wichtige Rolle spielen wird. Wie der Titel schon verrät geht es um Götter, alte, uralte und ganz moderne, die man erst einmal gar nicht als „Götter“ auf dem Schirm hat.

Eines der meistbeachteten Bücher des letzten Jahrzehnts: eine kaleidoskopische Reise durch die Mythologie und durch ein Amerika, das zugleich unheimlich vertraut und völlig fremd wirkt. Erstmals ungekürzt auf Deutsch und komplett neu übersetzt als „Director’s Cut“, etwas, das man aus der Filmbranche kennt und hier auf die Literatur übertragen wurde.

Zugegeben, das Buch ist nicht neu, der Roman stammt aus 2001 und erschien bisher in verschiedenen Versionen wie der Autor in einer Fernsehsendung verriet. Der „Director’s Cut“ enthält rund 100 Seiten mehr als die Erstveröffentlichung und bringt in das religiöse und mythologische Thema noch einmal ganz neue Aspekte mit hinein. Denn wo sich der Autor in US-Amerika gescheut hat, in der deutschen Ausgabe ist es mit drin, er lässt sogar Jesus zu Wort kommen.

Heiko Fängers Kinderlieder begeistern Klein und Groß

heikofaenger002Ein großartiges Spektakel mit Kinderliedersänger Heiko Fänger zog  am Sonntagnachmittag rund 200 Zuhörer ins Foyer der Volksbank.

Für den Essener Liedermacher und Sänger ist der Auftritt in Heiden fast ein Heimspiel. Man kennt ihn, denn seine Frau kommt aus Heiden und Heiko wiederum kennt viele der Zuhörer. Und die meisten Steppkes kennen seine Lieder und können kräftig mitsingen.

Für einen guten Zweck tritt der Barde hier auf, auf Gage verzichtet er zugunsten der Eine-Welt-Gruppe Heiden. Damit soll das Baumprojekt in Uganda unterstützt werden. Das Projekt hat sich nachhaltigen Schutz der Natur zu einer wichtigen Aufgabe gemacht. Dafür ist Fänger genau der richtige Mann, denn seine Kinderlieder-CD „Ingas Garten“ ist auch absolut ökologisch hergestellt: „Ich hab darauf geachtet, dass nur FSC-Papier verwendet wird, keine Giftstoffe für die Druckfarben und auf Kunststoff als Schutzhülle wurde auch verzichtet. Die CD ist sozusagen Fair-Trade. Das war mir wichtig weil ich sie für meine Tochter Inga gemacht habe“, erklärt Heiko Fänger im Gespräch.

Nicht nur den Kindern ist wichtig, wie die Lieder sind. Mitreißend von Melodie und Rhythmus und die Texte einfach großartig. Dazu kommt, dass Heiko alle Zuhörer mit seiner Interpretation anspricht und mitzieht. Für Töchterchen Inga und alle Kinder will er die Tiere des Gartens auf lustige Art verständlich machten und ihnen die Augen für die nahe Natur öffnen. „Leander, der Feuersalamander ist kein Streicheltier“, die Gründe erfahren die Steppkes im Lied. Und wenn es um „Hummelchen, das Pummelchen“ geht, schaut Tochter Inga im Hummelkostüm zum singenden Papa hoch, tanzt mit der Musik und scheint ihn ungeheuer zu bewundern.

„Wie viele Beine hat eine Ameise“, fragt Heiko und die Meinungen gehen auseinander, daraus wird dann schnell ein Bewegungsspiel. „Zeigt mit eure Hände, zeigt mir eure Füße“, fordert der Sänger. Für die Steppkes auf Turnmatten kein Problem Hände und Füße gleichzeitig in die Luft zu strecken. Da tut sich der stehende VB-Vorsitzende Ludger Jacobs zur Erheiterung alle schon schwerer.

Mitarbeiter der VB unterstützenden das zweistündige Konzert und haben sich als Blumenwiese, Ameise und Sonnenblume verkleidet. Sie mischen sich unter das kleine Volk, oder führen eine Polonaise durchs Foyer an.

Staunend, verzückt grinsend sind auch die Erwachsenen absolut begeistert von dem Konzert. Weil Heiko vor einem halben Jahr erneut Papa geworden ist, ist demnächst mit einer weiteren CD mit Kinderliedern zu rechnen.

Andreas Gruber – Apocalypse Marseille

gruber-apocalypseAndreas Gruber – Apocalypse Marseille

Utopische Geschichten, Paperback, 344 Seiten

Luzifer-Verlag 2016

Andreas Gruber zeigt in dreizehn utopischen Geschichten, dass er nicht nur von den Großen der Science-Fiction-Literatur beeinflusst wurde sondern auch welch erzählerisches Talent in ihm selber steckt. Jede seiner Stories führt er mit teils witzigen, teils recht informativen Vorreden ein. Dabei erfährt der Leser/ die Leserin etwas über Grubers schriftstellerischen Werdegang, seine Vorlieben und Abneigungen. Verleugnen kann er nicht seine Affinität und Liebe zum Science-Fiction- und Fantasy-Genre.

Die erste Kurzgeschichte „Sieben Ampullen“ kommt beinahe wie ein normaler Kurzkrimi beim Lesen an. „Ramada Inn“ wartet dann schon mit „Alien“ auf und in „Biohybriden“ erinnert man sich an zahlreiche Filme, in denen Mensch und Maschine eins werden. Viele der Kurzgeschichten entwickeln sich phantastisch und enden teils abrupt mit einem auflösenden Satz. Da wünscht sich der Eine oder Andere eventuell ein herausgezogenes Ende oder eine Weiterentwicklung der Geschichten.

„Weiter oder Raus“ ist in dieser Erzählsammlung ein längeres Werk. Eine perverse Fortführung der dem Leser bekannten Unterhaltungsshows und Reality-Live-Shows im abendlichen Fernsehen. Wer an „Wetten, dass…“ denkt, liegt nicht ganz falsch. Allerdings sollten Menschen mit gutem Vorstellungsvermögen diese Geschichte meiden. Sie ist an Brutalität kaum zu überbieten; nichts für schwache Nerven.

Es gibt auch sanfteres, beinahe Schönes, wenn uns der Autor mit einer Zeitreise ins Wien um 1900 entführt oder auf eine vergangene Forschungsreise ins Innere eines Maya-Tempels. Und dem Untergang der Titanic gibt er in einer seiner Stories einen völlig neuen Aspekt.

Doch die Welt der Zukunft ist nicht rosig, zumindest nicht bei Gruber. Das ist keine heile Welt mehr, die er uns aufzeigt, eher düster und kaputt wie in „Apocalypse Marseille“, die dem Erzählband ihren Namen gegeben hat. Wie geht das Leben nach dem „Fall out“ weiter, wie sieht unsere Welt nach Atomkatastrophen aus? Eines erreicht Gruber mit seinen Geschichten, er regt dazu an sich die künftige Welt einmal anders vorzustellen, vielleicht erreicht er ja damit, dass sich einige Wenige im Jetzt anders verhalten. Ein Lesevergnügen für eingefleischte Science-Fiction-Fans ist sicher.

„Female affairs“ A-cappella-Ensemble

Reken-Female-affairs0193„Female affairs“ A- cappella nicht nur für Frauen

Wegen Krankheit musste das Sextett seinen Auftritt im Rekenforum verschieben. Am Freitagabend konnten die Zuhörer dann endlich die großartige musikalische Leistung der fünf Sängerinnen plus einem Sänger genießen.

„Female affairs“ nennt sich das A-cappella-Ensemble, das Schlager, Popmusik und Jazz präsentiert. Einige Besucher äußern sich vor dem Konzert etwas skeptisch: „Nur Gesang!? Keine Instrumente.“ Das erscheint dem Einen oder Anderen etwas dürftig. Mit dem ersten Stück jedoch setzte schnell bei den rund 100 Zuhörern die Begeisterung ein. Stimmgewaltig zeigen sich die Musikerinnen, ausgefeilt ihre Darbietung und an vielen Stellen sogar sechsstimmig.

Von bekannten Schlagern haben sie die Melodielinie übernommen und dazu ihre witzigen Texte selbst gedichtet. So wird aus Trude Herrs „Ich will keine Schokolade“ ein Song, der sich nicht mit Männern, sondern mit dem Abnehmen beschäftigt, und in ihrem „italienieschen Block“ wird aus dem Song „Rum and Coca-Cola“ von den Andrew Sisters „Pasta und Ruccola“. Aber auch die Beatles, Sting oder Michael Jackson haben sie im Gepäck, musikalische Highlights bei deren Präsentation niemand die Instrumente vermisst. Gekonnt imitieren sie mit ihren Stimmen Lead-, Rhythmus- und Bassgitarre und der Mann im Ensemble ersetzt ein komplettes Schlagzeug.  „Pete the Beat“ (Peter Wehrmann) ist Vorreiter der deutschen Beatboxszene und Vocalpercussionist außerdem Soundimitator allererste Klasse.

Das Publikum wird in einem Quiz mit einbezogen, alle müssen Melodien weitersingen, die die Damen auf der Bühne vorgeben, ein riesen Spaß. Bei Mozart hapert es etwas am Tempo, dafür ist DJ Ötzis „Hey Baby“ leicht zu ergängen, das „Uhh, ahh“ bekommen alle hin, genauso wie die Ergänzung nach „Mahna mahna“. Begeisterten Applaus bekommt das A-Cappella-Sextett reichlich, dafür bedanken sie sich mit „Es regnet Männer „und dem wundervollen Gute-Nacht-Lied „Evening Rise“, einem Gänsehauttitel. „Female affairs“ sind ein Geheimtipp, den man sich merken sollte.