DRAj – jazzige jiddische Lieder

Galerie-DRAj-Stadtmuseum-BOR-0002 (40) DRAj mit jazzig jiddischen Lieder im Stadtmuseum Borken. „Das ist die hundertste Veranstaltung im Stadtmuseum, aber auch die letzte in diesen Räumlichkeiten“, begrüßte Anne Büning am Freitagabend die Besucher zum Konzert der Gruppe DRAj. „Nach dem Umbau geht es dann weiter. Bis dahin werden wir versuchen Ersatz zu finden. Halten sie Augen und Ohren offen.“

Mit offenen Ohren und bei manchem melancholischen Lied auch geschlossenen Augen verfolgten die Gäste begeistert die ungewöhnliche Mischung aus jiddischen Liedern gepaart mit jazzigen und teils rockigen Klängen von Cello und Akkordeon.

DRAj, das sind Sängerin Manuela Weichenrieder, Cellist Ludger Schmidt und Ralf Kaupenjohann am Akkordeon. Ihr Programm „Ale Shvestern“ eröffnete das Ensemble mit dem Stück „Ale Brider“, eine bewusste Umbenennung des Programmtitels wie Kaupenjohann erklärt: „Das ist unser Statement zum Krieg im Gazastreifen.“

Ihr musikalisches Ausgangsmaterial sind jiddische Lieder aus dem 19. und 20 Jh., deren Geschichten das Trio leidenschaftlich und genreüberschreitend in Musik übersetzt. Den Musikern geht es dabei weniger darum, die Lieder historisch nachzuspielen, sondern den Zuhörern durch die sensible Interpretation einen musikalischen Zugang im hier und jetzt zu ermöglichen. Erklärende Worte gibt es zu jedem Titel von der Sängerin, die nebenbei nicht nur die Texte der Lieder mit ihrer ungewöhnlich umfangreichen Stimme und großer Modulation mit viel Emotion vorträgt, so benutzt sie sie als zusätzliches Instrument beim jazzigen Scatgesang.

Cello und Akkordeon zaubern selten Gehörte Klänge aus ihren Instrumenten von sphärisch bis hin zu rockig, und scheinen die Klang- und Spielmöglichkeiten weit zu überschreiten.

Die Titel der Lieder, wie „Margaritkes“, „Zugesorgt“, Di gildene pawe“ oder „Diregeld“ sind als Ansage weniger wichtig, als die lustigen oder melancholischen Geschichten die dahinter stecken. Trotz der ungeheuren Power der Interpretation genossen die Zuhörer ein zartes und intimes Konzert. Für die großartige Instrumentalarbeit gab es Zwischenapplaus, für das gesamte Programm Bravorufe zum Ende.

 

 

 

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