„Female affairs“ A-cappella-Ensemble

Reken-Female-affairs0193„Female affairs“ A- cappella nicht nur für Frauen

Wegen Krankheit musste das Sextett seinen Auftritt im Rekenforum verschieben. Am Freitagabend konnten die Zuhörer dann endlich die großartige musikalische Leistung der fünf Sängerinnen plus einem Sänger genießen.

„Female affairs“ nennt sich das A-cappella-Ensemble, das Schlager, Popmusik und Jazz präsentiert. Einige Besucher äußern sich vor dem Konzert etwas skeptisch: „Nur Gesang!? Keine Instrumente.“ Das erscheint dem Einen oder Anderen etwas dürftig. Mit dem ersten Stück jedoch setzte schnell bei den rund 100 Zuhörern die Begeisterung ein. Stimmgewaltig zeigen sich die Musikerinnen, ausgefeilt ihre Darbietung und an vielen Stellen sogar sechsstimmig.

Von bekannten Schlagern haben sie die Melodielinie übernommen und dazu ihre witzigen Texte selbst gedichtet. So wird aus Trude Herrs „Ich will keine Schokolade“ ein Song, der sich nicht mit Männern, sondern mit dem Abnehmen beschäftigt, und in ihrem „italienieschen Block“ wird aus dem Song „Rum and Coca-Cola“ von den Andrew Sisters „Pasta und Ruccola“. Aber auch die Beatles, Sting oder Michael Jackson haben sie im Gepäck, musikalische Highlights bei deren Präsentation niemand die Instrumente vermisst. Gekonnt imitieren sie mit ihren Stimmen Lead-, Rhythmus- und Bassgitarre und der Mann im Ensemble ersetzt ein komplettes Schlagzeug.  „Pete the Beat“ (Peter Wehrmann) ist Vorreiter der deutschen Beatboxszene und Vocalpercussionist außerdem Soundimitator allererste Klasse.

Das Publikum wird in einem Quiz mit einbezogen, alle müssen Melodien weitersingen, die die Damen auf der Bühne vorgeben, ein riesen Spaß. Bei Mozart hapert es etwas am Tempo, dafür ist DJ Ötzis „Hey Baby“ leicht zu ergängen, das „Uhh, ahh“ bekommen alle hin, genauso wie die Ergänzung nach „Mahna mahna“. Begeisterten Applaus bekommt das A-Cappella-Sextett reichlich, dafür bedanken sie sich mit „Es regnet Männer „und dem wundervollen Gute-Nacht-Lied „Evening Rise“, einem Gänsehauttitel. „Female affairs“ sind ein Geheimtipp, den man sich merken sollte.

Tibor Rode – Das Mona-Lisa-Virus

mona-lisa-virusTibor Rode – Das Mona-Lisa-Virus

Thriller, Bastei Lübbe

462 Seiten, 14,99 €, Paperback

15.04.2016

Schöne Menschen haben größeren Erfolg im Leben, schöne Dinge werden bevorzugt. Warum das so ist, erklärt in der Kunst der sogenannte „Goldene Schnitt“ ein Zahlenverhältnis, das bereits seit der Antike bekannt ist. Die Wissenschaftlerin Helen Morgan – Protagonistin des Thrillers – untersucht dieses Phänomen, die Wirkkraft der Schönheit. Sie hat unter anderem eine Methode entwickelt, mit der sie Kunstwerke vermisst. Ihre Arbeit soll sie auch an dem berühmtesten Gemälde der Welt Leonardo da Vinci Mona Lisa durchführen. Dazu kommt Helen jedoch nicht, denn die Ereignisse überschlagen sich und sie wird in eine Geschichte hineingezogen, deren Ausmaße niemand zu durchschauen scheint.

In Amerika verschwindet eine Gruppe von Schönheitsköniginnen und taucht durch Operationen entstellt wieder auf. In Leipzig sprengen Unbekannte das Alte Rathaus, und in Mailand wird ein Da-Vinci-Wandgemälde zerstört.  Gleichzeitig verbreitet sich auf der ganzen Welt ein Computervirus, das Fotodateien systematisch verändert und außerdem gibt es ein mysteriöses Bienensterben.

Irgendjemand hat offensichtlich der Schönheit den Kampf angesagt. Aber was haben Bienen damit zu tun? Mit der Frage, wie diese Ereignisse zusammenhängen beschäftigte sich nicht nur Helen Morgen, die erfährt, dass ihre Tochter entführt wurde,  sondern auch FBI-Agent Millner. Der Anfang des Komplotts scheint in der Schaffung des berühmten Mona-Lisa-Gemäldes vor 500 Jahren zu liegen.

Tibor Rodes Roman bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen, ein echter Thriller. Er erinnert ein wenig an Dan Browns Verschwörungskrimis. Auch Rhodes Geschichte setzt in einigen Passagen auf den „deus ex macina“, das Geld und den Einfluss eines der reichsten Männer der Romanwelt. Dennoch ist die Geschichte logisch aufgebaut und lässt keine Frage offen. Schwierig ist der etwas holprige Einstieg. Verschiedene Orte und Handlungen werden zusammenhanglos hintereinander gesetzt. Wer aber die Geduld aufbringt, den einzelnen losen Fäden zu folgen, wird mit einem spannenden Stoff beschert.

Peter Alexander lebt in den Herzen

Galerie-Peter-Alexander-BOR-0183Die heile Welt erleben – Großartige Komödie begeistert im Vennehof Borken

Peter Alexander lebt in den Herzen der Zuschauer. Für zwei Stunden dem Alltag entfliehen hinein in die heile Welt der Schlager der 50er und 60er Jahre, das versprach Peter Grimberg als Peter Alexander in der Musikkomödie „Servus Peter“ am Samstagabend in der Stadthalle.

Nicht ganz ausverkauft war der Saal, das tat der großartigen Stimmung jedoch keinen Abbruch und der begeisterte Applaus ersetzte die Fehlenden.  Die „best ager“ tauchten tief in erinnerungswürdige Melodien und Musik um Peter Alexander, Caterina Valente und Heinz Erhard ein, die von den Sängern und Schauspielern auf der Bühne vor bezaubernden Kulisse des „Weissen Rössl“ inklusive Bergpanorama dargebracht wurden.

Orientiert an der Handlung der Musikkomödie „Im weißen Rößl“ brachten die Schauspieler Peter Grimberg als Oberkellner Peter und Rebecca Williams als Rösslwirtin, sowie Horst Fleckmann als Kellner, Dieter Grimberg als Dr. Schiefer, Kai Kramosta als Sigismund, Katrin Claßen als Marina und Alex Rosenrot als lispelndes Zimmermädchen Vera das Publikum zum Lachen, Klatschen und Mitsingen. Alte Schlager präsentierte das Ensemble mit Perfektion „Der Dumme im Leben ist immer der Mann“, „Ham se nich‘ n‘ Mann für mich“, „Mariandl aus dem Vachauer Landl“ oder „Ganz Paris träumt von der Liebe“.

Die Hommage an Peter Alexander gelang von der ersten Sekunde an und verzückte die Besucher. Gestik, Mimik und Stimme von Peter Grimberg erinnerten sehr an den Altmeister der Fernsehunterhaltung ohne ihn zu kopieren. Und dann war da noch Heinz Erhardt mit seinen lustigen Sprüchen und dem Originalgedicht von der „Made“, nein, das war Horst Fleckmann, der Erhardt so hervorragend imitierte, dass sogar das Publikum absolut so regierte wie die Menschen vor 50 Jahren. Der direkte Kontakt zur ersten Reihe steigerte noch einmal die Publikumsnähe, als Fleckmann die vielen „Prominenten“ wiedererkannte und begrüßte von Heidi Kabel, Norbert Blüm über den Bundespräsidenten oder Helene Fischer.

Das happy end war bei dieser Bühnenshow garantiert. Mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen bedankten sich die glücklichen Zuschauer für diese herrliche und gelungene Erinnerung an längst vergangene Jahre.

 

 

DRAj – jazzige jiddische Lieder

Galerie-DRAj-Stadtmuseum-BOR-0002 (40) DRAj mit jazzig jiddischen Lieder im Stadtmuseum Borken. „Das ist die hundertste Veranstaltung im Stadtmuseum, aber auch die letzte in diesen Räumlichkeiten“, begrüßte Anne Büning am Freitagabend die Besucher zum Konzert der Gruppe DRAj. „Nach dem Umbau geht es dann weiter. Bis dahin werden wir versuchen Ersatz zu finden. Halten sie Augen und Ohren offen.“

Mit offenen Ohren und bei manchem melancholischen Lied auch geschlossenen Augen verfolgten die Gäste begeistert die ungewöhnliche Mischung aus jiddischen Liedern gepaart mit jazzigen und teils rockigen Klängen von Cello und Akkordeon.

DRAj, das sind Sängerin Manuela Weichenrieder, Cellist Ludger Schmidt und Ralf Kaupenjohann am Akkordeon. Ihr Programm „Ale Shvestern“ eröffnete das Ensemble mit dem Stück „Ale Brider“, eine bewusste Umbenennung des Programmtitels wie Kaupenjohann erklärt: „Das ist unser Statement zum Krieg im Gazastreifen.“

Ihr musikalisches Ausgangsmaterial sind jiddische Lieder aus dem 19. und 20 Jh., deren Geschichten das Trio leidenschaftlich und genreüberschreitend in Musik übersetzt. Den Musikern geht es dabei weniger darum, die Lieder historisch nachzuspielen, sondern den Zuhörern durch die sensible Interpretation einen musikalischen Zugang im hier und jetzt zu ermöglichen. Erklärende Worte gibt es zu jedem Titel von der Sängerin, die nebenbei nicht nur die Texte der Lieder mit ihrer ungewöhnlich umfangreichen Stimme und großer Modulation mit viel Emotion vorträgt, so benutzt sie sie als zusätzliches Instrument beim jazzigen Scatgesang.

Cello und Akkordeon zaubern selten Gehörte Klänge aus ihren Instrumenten von sphärisch bis hin zu rockig, und scheinen die Klang- und Spielmöglichkeiten weit zu überschreiten.

Die Titel der Lieder, wie „Margaritkes“, „Zugesorgt“, Di gildene pawe“ oder „Diregeld“ sind als Ansage weniger wichtig, als die lustigen oder melancholischen Geschichten die dahinter stecken. Trotz der ungeheuren Power der Interpretation genossen die Zuhörer ein zartes und intimes Konzert. Für die großartige Instrumentalarbeit gab es Zwischenapplaus, für das gesamte Programm Bravorufe zum Ende.

 

 

 

Patrick Brosi – Der Blogger

PatricderBloggerk Brosi – Der Blogger

Kriminalroman

456 Seiten, Paperback

Emons Verlag, Köln, 2015

14,95 €

Aus vielen losen Fäden spinnt Patrick Brosi seinen Krimi, in dem es um die undurchsichtigen Machenschaften der Pharmaindustrie geht. „Die Umsätze der Pharmaindustrie liegen zurzeit bei über einer Billion Dollar im Jahr. Das sind tausend Milliarden. Eine Million Millionen.“ Da wird vielleicht der eine oder andere brutale Mord in Kauf genommen.

Nach dem Vorbild von Enthüllungsblogger Julian Assange versucht auch „Der Blogger“ René Berger ungeheure Hintergründe aufzudecken. Lange ist es um ihn ruhig geworden, er scheint untergetaucht.

Der Chefredakteur der Berliner-Post einer online-Zeitung setzt Marie Sommer auf Berger an, sie soll ihn aufspüren und dem Blogger Informationen und Quellen entlocken. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Simon haben sie Wochen Zeit im Schwarzwald Berger zu kontaktieren und geraten in einen Strudel aus Manipulationen und Abhöraffäre.

Ein Mann wird vermisst. Er hat am Titisee ein Ruderboot gemietet, fährt auf die Mitte des Sees und verschwindet spurlos. Selbstmord? Der stark übergewichtige Kommissar Andreas Nagel soll den Fall klären.

Und so gibt es noch einige andere lose Fäden, die Autor Patrick Brosi geschickt zu einer spannenden Geschichte verwebt, einer Mischung aus Krimi, Spionagethriller und sozialen Dramen. Sprachlich hapert die Geschichte gelegentlich am süddeutschen Idiom, das den Lektoren wohl durchgegangen ist und einigen etwas übertrieben schwülstigen Satzpassagen. Davon abgesehen wird man allmählich in eine sich immer verdichtendere Story hineingezogen, bei der auch das ständige Hin und Her hüpfen im Zeitstrang nicht mehr allzu störend wirkt.

Nebenbei erfährt der Leser einiges über das „Wirken“ der Pharmaindustrie und wie könnte es da anders sein, einiges über Medikamente, Tests, Zulassungen, Nebenwirkungen und Konkurrenzkampf.  Selbstverständlich schlucken auch die Protagonisten die eine oder andere Pille, mit Nebenwirkungen.

Rita Falk – Leberkäsjunkie

LeberkäsjunkieRita Falk – Leberkäsjunkie

dtv premium, 2016
Originalausgabe
320 Seiten, 15,90 € broschiert
Ach ja, der Eberhofer Franz hat’s schwer, er ist Papa geworden, aber so recht etwas von seinem Sprößling hat er nicht, denn die Susi macht ihm Stress, die Besuchszeiten organisiert die Mutter knallhart durch, da kennt sie kein Pardon. Schließlich sind Franz und Susi ja nicht verheiratet, eben nur Vater und Mutter. Und außerdem lässt die Susi den Franz irgendwie nicht mehr näher an sich rankommen.

Nach seiner Versetzung nach München sieht die Welt für den Dorfpolizisten ja etwas anders aus, ausgerechnet da passiert wieder etwas in Niederkaltenkirchen, die Pension von der Mooshammer Liesl brennt ab und mit der Pension ein Fremder, der mit Brandpaste beschmiert und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Wer ist das Brandopfer, was wollte es im Dorf? Schnell gerät der angolanische Fußballspieler Buengo vom FC Rot-Weiß Niederkaltenkirchen unter Mordverdacht. Franz nimmt die Ermittlungen auf natürlich mit der aufgedrängten Hilfe seines Ex-Kollegen und Freundes dem Birkenberger Rudi.

Aber dem Franz wird immer so schwummrig. Auch dem Doktor Brunnermeier gefällt der Eberhofer gar nicht und so führen die Schwindelanfälle dazu, dass der Franz von der Oma auf Cholesterindiät gesetzt wird, Schluss mit Fleischpflanzerln oder mit den „Warmen“ vom Simmerl. Das erschwert die Ermittlungen ungemein und  der „Leberkäsjunkie“ Franz leidet unter Entzugserscheinungen, seine Laune ist damit auch völlig im Keller.

Nicht aber die Laune der Leser. Mit dem siebten Eberhofer-Krimi geht die Provinzkrimireihe um Franz und seinen treuen Hund Ludwig, die schwerhörige Oma, den kiffenden Papa, den ungeliebten Bruder Leopold, Ex-Kollegen Rudi und den anderen wohlbekannten und geliebten Figuren weiter. Logisch und liebevoll gestaltet Rita Falk ihre Geschichte und die Figuren. Wieder kann der Leser in die nicht immer heile Dorfwelt eintauchen. Zu lachen gibt es selbstverständlich bei den Falk-Krimis sehr viel. Sie ist eine der wenigen, die es gekonnt versteht Witz und Krimigeschichte zu verbinden, so wird das Lesen zu einem Leckerbissen. Zum Schluss gibt es außerdem alle erwähnten Gerichte der Oma noch einmal zum Nachkochen vom Franz aufgeschrieben, und auch die Koch- und Backrezepte sind mit reichlich Humor gewürzt.

 

 

Sarah Smith rockt Erle

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Freundin aus Kanada gibt ihr drittes Konzert

„Wir sind bei diesem Konzert ausverkauft“, freut sich Veranstalter Michael Oestreich am Samstagabend auf der Erler-Kleinkunst-Bühne. „Viele Worte brauche ich nicht zu machen und ihnen die Künstlerin auch nicht vorstellen, es ist eine alte Freundin aus Kanada.“

Damit überließ Oestreich der Rock-Röhre Sarah Smith und ihrer Band (Gitarre: Pat Anthony, Bass: Ian Stewart, Drumms: Ralf Neuhaus) die Bühne, die mit frenetischem Applaus von den Zuhörern empfangen wurde. Zum dritten Mal in Erle vor ihrem Publikum zu spielen kommentierte Smith vor dem Konzert mit den Worten: „It`s like commin´ home.“ (Es ist, als ob man nach Hause kommt).  Und genauso warm und herzlich war die Atmosphäre am ganzen Abend für ihre alten Fans und die wenigen neuen Besucher, die Sarah Smith noch nicht kennen aber alle vom ersten Moment an begeistert waren. Kein Wunder also, dass viele Textpassagen mitgesungen wurden.

Ein neues Album hatte die Kanadierin dieses Mal nicht im Gepäck, dafür überraschte sie mit hervorragend interpretierten Titeln ihrer vorausgegangenen Scheiben wie das allseits beliebte „Runaway“ mit dem sie das Konzert eröffnete. Als Dank an die Erler folgte „Your Love“. Auch Fremdtitel streut Sarah in ihr Repertoire ein, das in Kanada und den USA sehr beliebte „I`ll be waiting“. Ihr wie auf den Leib oder die Stimme zugeschnitten ist der Song „Valerie“ von der viel zu früh verstorbenen Amy Winehouse.

Gut dass die Mehrzahl des Publikums in Brömmel-Wilms Saal steht, so können sie ungehindert ihrem durch die fetzigen Rock-Rhythmen angeregten Bewegungsdrang nachkommen, Tanzen erlaubt. Sarah Smith präsentiert natürlich auch die Stücke, die ihre Fans von ihr hören wollen, zum Beispiel „Angels“, „Empty void“, „Into the Light“ oder „Stand up“. Aber mit „Black velvet“, „Bobby McGee“ und als letztes Stück „Proud Mary“, beweist sie ihre Vielseitigkeit. Standing Ovations zeigen der Kanadierin, wie sehr sich die Zuhörer auf ihren nächsten Auftritt freuen.

 

Götz Alsmann bringt den „Broadway“ nach Borken

Galerie-Götz-Alsmann0082Götz Alsmann und Band haben „den mörderisch langen Weg von Münster nach Borken auf sich genommen“, um ihr Programm „Broadway“ am Samstagabend vor ausverkaufter Stadthalle ihrem Publikum zu präsentieren.

Altfrid M. Sicking (Vibraphon, Xylophon, Trompete),
Michael Ottomar Müller (Bass), Rudi Marhold (Schlagzeug) und
Markus Paßlick (Percussion), begleiteten Sänger und Pianisten Götz Alsmann bei den Klassikern aus dem American Songbook, unsterbliche Melodien von Cole Porter, George Gershwin, Jerome Kern, Rodgers & Hammerstein und vielen anderen.

Seit dem Beginn des Jazz-Zeitalters begeisterten sich die Menschen schon für diese Musik, so ist es nicht verwunderlich, dass die Broadway-Klassiker schon in den frühesten Tagen dieser Epoche in deutschsprachiger Fassungen erschienen.

Götz Alsmann greift diese Melodien und Texte auf, verpasst ihnen den typischen Alsmann-Sound und begeistert als der König der deutschen Jazzschlagers die Besucher von jung bis alt.

Meine kleinen Schwächen Orig. My Favourite Things, Traumvision Orig. My Funny Valentine, Tag für Tag Orig. Day By Day oder Mondnacht am Meer Orig. Blue Moon sind ein paar der Titel, die die Musiker in New York aufgenommen haben und an diesem Abend spielen. Das herrliche Musikprogramm wird immer wieder von Schnellsprecher Alsmann auf seine sehr witzige Art kommentiert. Er erzählt über die Entstehung des Albums und auch, wie sich die fünf Herren ihre rosa Sackos in Big Appel haben schneidern lassen: “ Bonbonfarbenen mit schwarzem Samtkragen, dazu eine schwarze Schleife, so gingen wir zum Hotel zurück und die Bauarbeiter haben uns nachgepfiffen und gefragt `ist denn schon Christopher Street Day?“ Dann paradiert die Band über die Bühne wie in einer Modenschau. Das bringt Götz dazu über seine musikalischen Wurzel zu plaudern. 1965, Modenschau des Otto-Versands in Münster, dort spielte Big Bobby Bingo Klavier. „Ich fragte ihn ob er wirklich Amerikaner ist“, erzählt Alsmann. Und der Mann antwortet im breitesten kölner Dialekt: „Ja, sischer dat!“ Bingo gibt dem jungen Alsmann den Rat: „Du willst also zum Broadway? Kann so 50 Jahre dauern. Lern Cole Porters Werke auswendig, dann wird dir eines Tages die große Ehre zuteil, ein Konzert im Vennehof in Borken zu spielen.“

Das Publikum ist begeistert, nicht nur wegen der kleinen Anspielungen auf Borken, dem Sprachwitz, sondern hauptsächlich wegen der großartigen Musik. Zugaben mit Band und als Solist mit Banjo runden das herrliche Programm ab.

 

Für Mirja Boes und das Velener Publikum ist das Leben „kein Ponnyschlecken“

Galerie-Mirja-Boes-Velen0063Sie war noch nicht ganz auf die Bühne in Velen gehüpft und schon konnten sich viele der rund 700 Zuschauer vor Lachen und Begeisterung kaum halten. Mirja Boes und ihre Band „Honkey Donkey“ bescherte dem Publikum in der Thesingbachhalle am Freitagabend ein dreistündiges Comedyprogramm, das die Lachmuskeln aufs äußerste strapazierte.

Nach einem kleinen Smaltalk mit den Besuchern, in dem sich die Vollblutkomikerin über die kleinen Amositäten zwischen Velen und Ramsdorf aufklären ließ, stellte sie kurz ihre „Jungs“ von der Band vor. Die sechs Musiker liefen einmal über die Bühne und waren dann erst einmal entlassen. Wer braucht schon Männer? Mirja braucht sie, um über sie zu lästern, oder damit sie mit ihr musizieren, denn die Comedian kann auch singen, wie sie am Abend mehrfach unter Beweis stellte. Und sie braucht die Männer auch um mit ihnen zu spielen. Schnell sind zwei Opfer gefunden, Matthias und Sebastian, beides Handwerker, sollen auf der Bühne ein Regal zusammenschrauben, dafür haben sie einen Song lang Zeit. Natürlich scheitern beide, bekommen aber ihr verdientes Sieger- und Gewinnerbier.

Männer sind Jäger und Sucher erklärt Boes, das erklärt sie an der typischen Männerfrage: „Wo ist denn?“ Als Mutter, Ehefrau, Freundin bezieht sie ihre Themen aus dem alltäglichen Leben. Den angeberischen Eltern, die über ihre Babys erzählen „Unserer hat schon 32 Zähne“ wünscht sie nur „Viel Spaß beim Stillen!“.

Zur Mitsingen für einige Frauen stimmt sie ihr Lied „Wenn du weg bist“ an „dann ist es wieder Schokolade, dann ess` ich wieder Schokolade“. Ihre kleinen bissigen Songs entwickelt sie locker aus ihrer Moderation und lässt sich kurz von den sechs Musiker begleiten, danach dürfen die dann in ihre Spielecke zurück.

„Wenn ich alleine mit denen unterwegs bin … ooh“, darf sie nicht über Krankheiten reden, denn von Männerseite kommt da immer eine Steigerung. So bekommt sie kräftiges Bedauern aus dem Publikum, als sie von ihrem Bandscheibenvorfall erzählt und der Liegeposition bei der OP. Sie schmeißt sich auf den Bühnenboden und meint: „In dieser Position sollten sich Männer uns annähern, wenn sie Scheiße gebaut haben.“ Da bleibt im Saal kein Auge trocken vor Lachen.

Mirja Boes ist ein Wirbelwind und ein Ausbund an Fröhlichkeit. „Als Kind war ich ruhig und angepasst“, meint die Lehrerstochter. Gut dass sie das abgelegt hat. Standig Ovations des begeisterten Publikums belohnten für einen gelungenen Abend.

 

J.B.Morrison Wie Frank Derrick mit 81 Jahren

Morrison-DerrickJ.B.Morrison: Wie Frank Derrick mit 81 Jahren das Glück kennenlernte. Roman aus dem Englischen von Karin Meddekis. Lübbe, Köln. 286 Seiten, 14,99 Euro Paperback

Beim Namen J. B. Morrison klingelt es bei dem einen oder anderen vielleicht im Musikgedächtnis, denn der vielseitige britische Autor war Mitglied der berühmten Indie-Rock-Band Carter USM und hat außerdem schon mehrere Soloalben veröffentlich, Drehbücher geschrieben und trat sogar in einem Musical auf. Mit „Wie Frank Derrick mit 81 Jahren das Glück kennenlernte“ fühlt er sich mit seinen 55 Jahren problemlos in die Welt alter Leute ein.

Im Grunde bestimmt die Langeweile das Leben des Protagonisten Frank Derrick, der alleine mit seinem Kater Bill in einem Haus wohnt. Frank macht sich so seine Gedanken, wie es weitergeht, wenn er durch einen Unfall ans Haus gefesselt ist. Schafft er es dann noch die Kredithaie, Dachdecker, Versicherungsvertreter abzuwimmeln und erst recht die Hersteller von Treppenlifts. Und dann kommt Franks 81. Geburtstag und das abstruse Unglück passiert, er wird von einem Milchwagen überfahren. Der Milchmann hatte bei acht Kilometern pro Stunde die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Für Frank nicht so witzig wie für den Leser.

Nach der Krankenhausentlassung mit eingegipstem Arm kommt jedoch das Glück in Franks Leben in Form von „Weihnachten“. Kelly Christmas, die Haushaltshilfe betreut den Alten wöchentlich für einige Stunden. Das bringt den im Kopf eigentlich ganz jung gebliebenen Greis auf immer wieder neue Ideen. Frank Derrick entdeckt, dass es außerhalb seiner vier Wände noch eine Welt gibt mit vielen teils seltsamen Menschen. Er beginnt diese Welt zu erkunden, erlebt viele kleine Abenteuer und wird immer mutiger. In Franks humorvoll Ausdrucksweise mit Sioux-Namen, die er einigen Leuten gibt: „Die-die-das-Buch-lesen“ werden ihren Spaß an dem feinsinnigem Humor haben.

Sehr empfehlenswert für jeden, der alt werden möchte, sich einmal auf diese sehr witzige Weise mit den großen und kleinen Problemen des Altwerdens zu beschäftigen. Wie dieses Buch sehr schön verdeutlicht ist Altern nicht nur ein körperlicher Prozess, sondern auch ein geistiger und emotionaler, dem jeder nach seinen Möglichkeiten etwas entgegensetzen kann.