Neil Gaiman – American Gods – Director´s Cut

american-godsNeil Gaiman – American Gods – Director´s Cut

Eichborn

Paperback, 672 Seiten

Fantasy Bücher

Übersetzung ins Deutsche von Hannes Riffel

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel „American Gods“, deutsche Ausgabe erstmals 2015, 672 Seiten

Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. So lautet ein beliebtes angeblich von B. Brecht stammendes Zitat. Die Frage, ob das auch für Götter gilt beantwortet Neil Gaiman in seinem Roman „American Gods“ (Amerikanische Götter).

Faszinierend in einer Mischung aus Krimi und Fantasy-Roman wirft der Autor philosophische und religiöse Fragen auf, mit denen sich auch sein Protagonist Shadow auseinandersetzen muss.

Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder bietet ihm einen Job an. Dieser nennt sich Mr. Wednesday und weiß ungewöhnlich viel über Shadow. Er behauptet, ein Sturm ziehe auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas. Eine Schlacht, in der Shadow eine wichtige Rolle spielen wird. Wie der Titel schon verrät geht es um Götter, alte, uralte und ganz moderne, die man erst einmal gar nicht als „Götter“ auf dem Schirm hat.

Eines der meistbeachteten Bücher des letzten Jahrzehnts: eine kaleidoskopische Reise durch die Mythologie und durch ein Amerika, das zugleich unheimlich vertraut und völlig fremd wirkt. Erstmals ungekürzt auf Deutsch und komplett neu übersetzt als „Director’s Cut“, etwas, das man aus der Filmbranche kennt und hier auf die Literatur übertragen wurde.

Zugegeben, das Buch ist nicht neu, der Roman stammt aus 2001 und erschien bisher in verschiedenen Versionen wie der Autor in einer Fernsehsendung verriet. Der „Director’s Cut“ enthält rund 100 Seiten mehr als die Erstveröffentlichung und bringt in das religiöse und mythologische Thema noch einmal ganz neue Aspekte mit hinein. Denn wo sich der Autor in US-Amerika gescheut hat, in der deutschen Ausgabe ist es mit drin, er lässt sogar Jesus zu Wort kommen.

Heiko Fängers Kinderlieder begeistern Klein und Groß

heikofaenger002Ein großartiges Spektakel mit Kinderliedersänger Heiko Fänger zog  am Sonntagnachmittag rund 200 Zuhörer ins Foyer der Volksbank.

Für den Essener Liedermacher und Sänger ist der Auftritt in Heiden fast ein Heimspiel. Man kennt ihn, denn seine Frau kommt aus Heiden und Heiko wiederum kennt viele der Zuhörer. Und die meisten Steppkes kennen seine Lieder und können kräftig mitsingen.

Für einen guten Zweck tritt der Barde hier auf, auf Gage verzichtet er zugunsten der Eine-Welt-Gruppe Heiden. Damit soll das Baumprojekt in Uganda unterstützt werden. Das Projekt hat sich nachhaltigen Schutz der Natur zu einer wichtigen Aufgabe gemacht. Dafür ist Fänger genau der richtige Mann, denn seine Kinderlieder-CD „Ingas Garten“ ist auch absolut ökologisch hergestellt: „Ich hab darauf geachtet, dass nur FSC-Papier verwendet wird, keine Giftstoffe für die Druckfarben und auf Kunststoff als Schutzhülle wurde auch verzichtet. Die CD ist sozusagen Fair-Trade. Das war mir wichtig weil ich sie für meine Tochter Inga gemacht habe“, erklärt Heiko Fänger im Gespräch.

Nicht nur den Kindern ist wichtig, wie die Lieder sind. Mitreißend von Melodie und Rhythmus und die Texte einfach großartig. Dazu kommt, dass Heiko alle Zuhörer mit seiner Interpretation anspricht und mitzieht. Für Töchterchen Inga und alle Kinder will er die Tiere des Gartens auf lustige Art verständlich machten und ihnen die Augen für die nahe Natur öffnen. „Leander, der Feuersalamander ist kein Streicheltier“, die Gründe erfahren die Steppkes im Lied. Und wenn es um „Hummelchen, das Pummelchen“ geht, schaut Tochter Inga im Hummelkostüm zum singenden Papa hoch, tanzt mit der Musik und scheint ihn ungeheuer zu bewundern.

„Wie viele Beine hat eine Ameise“, fragt Heiko und die Meinungen gehen auseinander, daraus wird dann schnell ein Bewegungsspiel. „Zeigt mit eure Hände, zeigt mir eure Füße“, fordert der Sänger. Für die Steppkes auf Turnmatten kein Problem Hände und Füße gleichzeitig in die Luft zu strecken. Da tut sich der stehende VB-Vorsitzende Ludger Jacobs zur Erheiterung alle schon schwerer.

Mitarbeiter der VB unterstützenden das zweistündige Konzert und haben sich als Blumenwiese, Ameise und Sonnenblume verkleidet. Sie mischen sich unter das kleine Volk, oder führen eine Polonaise durchs Foyer an.

Staunend, verzückt grinsend sind auch die Erwachsenen absolut begeistert von dem Konzert. Weil Heiko vor einem halben Jahr erneut Papa geworden ist, ist demnächst mit einer weiteren CD mit Kinderliedern zu rechnen.

Leon Sachs – Falsche Haut

Leonleon-sachs-falsche-haut Sachs  – Falsche Haut

Thriller, Paperback, 336 Seiten

Emons Verlag Köln 2015

Euro 14,95

Das Erstlingswerk von Leon Sachs ist ein spannender Thriller, der mit einer interessanten Verschwörungstheorie aufwartet, die durchaus an Dan Brown heranreicht. Mit „Falsche Haut“ liegt ein Roman auf dem Tisch, der nicht nur vor Spannung knistert, sondern auch viel über Frankreich, wo die Geschichte in der Jetztzeit spielt, erzählt. „Das Buch ist ein Thriller, kein Liebesroman“, erklärt Sachs in einer Lesung. „Von Liebe verstehe ich nichts aber von Krimis. Nicht falsch verstehen, nicht dass sie denken, ich verstehe was vom Morden. Ich bin Jude, und wir Juden verstehen uns auf Verschwörung“, sagt er Augenzwinkernd.

Alex Kauffmann, Professor für Geschichte an der Universität Fribourg, muss tief in die Vergangenheit Frankreichs zurückgehen, um herauszufinden, weshalb seine Freundin Natalie mit dem Tod bedroht wird. Dabei ist der Gegner keine Einzelperson sondern ein Geheimbund, der sich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Frankreich gegründet hat. Bis heute existiert dieses äußerst mächtige Bündnis, das bereit ist über Leichen zu gehen. Was kann ein kleiner Geschichtsprofessor da machen? Während der Hetzjagd durch Frankreich geraten Alex und Natalie zudem in das Visier der Polizei. Und wem können sie vertrauen?

Durch die akribische Feinarbeit, mit der Sachs gut fünf Jahre die historischen Hintergründe seines Plots recherchiert hat, gelingt ihm eine durch und durch glaubwürdige Erzählung. Die düsteren Hintergründe steigern sich zur Beklemmung. Der Leser fragt sich, ob die Geschehnisse tatsächlich nur der Phantasie des Autors entsprungen sind oder ob eine derartige Unterwanderung eines modernen Staates tatsächlich möglich wären. Großartig erzählt, absolut lesenswert und sicher ein Stoff der verfilmt werden sollte.

 

 

 

Andreas Gruber – Apocalypse Marseille

gruber-apocalypseAndreas Gruber – Apocalypse Marseille

Utopische Geschichten, Paperback, 344 Seiten

Luzifer-Verlag 2016

Andreas Gruber zeigt in dreizehn utopischen Geschichten, dass er nicht nur von den Großen der Science-Fiction-Literatur beeinflusst wurde sondern auch welch erzählerisches Talent in ihm selber steckt. Jede seiner Stories führt er mit teils witzigen, teils recht informativen Vorreden ein. Dabei erfährt der Leser/ die Leserin etwas über Grubers schriftstellerischen Werdegang, seine Vorlieben und Abneigungen. Verleugnen kann er nicht seine Affinität und Liebe zum Science-Fiction- und Fantasy-Genre.

Die erste Kurzgeschichte „Sieben Ampullen“ kommt beinahe wie ein normaler Kurzkrimi beim Lesen an. „Ramada Inn“ wartet dann schon mit „Alien“ auf und in „Biohybriden“ erinnert man sich an zahlreiche Filme, in denen Mensch und Maschine eins werden. Viele der Kurzgeschichten entwickeln sich phantastisch und enden teils abrupt mit einem auflösenden Satz. Da wünscht sich der Eine oder Andere eventuell ein herausgezogenes Ende oder eine Weiterentwicklung der Geschichten.

„Weiter oder Raus“ ist in dieser Erzählsammlung ein längeres Werk. Eine perverse Fortführung der dem Leser bekannten Unterhaltungsshows und Reality-Live-Shows im abendlichen Fernsehen. Wer an „Wetten, dass…“ denkt, liegt nicht ganz falsch. Allerdings sollten Menschen mit gutem Vorstellungsvermögen diese Geschichte meiden. Sie ist an Brutalität kaum zu überbieten; nichts für schwache Nerven.

Es gibt auch sanfteres, beinahe Schönes, wenn uns der Autor mit einer Zeitreise ins Wien um 1900 entführt oder auf eine vergangene Forschungsreise ins Innere eines Maya-Tempels. Und dem Untergang der Titanic gibt er in einer seiner Stories einen völlig neuen Aspekt.

Doch die Welt der Zukunft ist nicht rosig, zumindest nicht bei Gruber. Das ist keine heile Welt mehr, die er uns aufzeigt, eher düster und kaputt wie in „Apocalypse Marseille“, die dem Erzählband ihren Namen gegeben hat. Wie geht das Leben nach dem „Fall out“ weiter, wie sieht unsere Welt nach Atomkatastrophen aus? Eines erreicht Gruber mit seinen Geschichten, er regt dazu an sich die künftige Welt einmal anders vorzustellen, vielleicht erreicht er ja damit, dass sich einige Wenige im Jetzt anders verhalten. Ein Lesevergnügen für eingefleischte Science-Fiction-Fans ist sicher.

Patchwork-Ausstellung

Patchwork005Patchwork-Ausstellung in der Bücherei soll zum Mitmachen anregen

Mit der Ausstellung ihrer außergewöhnlichen Arbeiten wollen die Frauen des Patchworkkurses des Bildungswerk Raesfeld neue Mitstreiter gewinnen. Bis zum 11. September sind die Nähkleinode während der Öffnungszeiten in der Bücherei zu bewundern. „Am Sonntag ist von 9.30 bis 12.30 Ausstellungseröffnung mit einem kleinen Cidre-Empfang“, kündigt Jutta Weber das Ereignis an, die selbst eine der fünf Kursteilnehmerinnen neben Margrit Mittmann, Lety Osterkamp, Eva Weiz und Kursleiterin Susanne Rosensträter ist.

Was ursprünglich einmal eine Stoffe-Resteverwertung war, hat sich zu einer ausgefeilten Handarbeitstechnik mit Nähmaschine und Bügeleisen entwickelt. „Heute kaufen wir eine Vielzahl hochwertiger Baumwollstoffe, weil man ja viele Farben für ein Muster braucht“, erklärt die Kursleiterin. Daraus werden Decken, Taschen, Vorhänge und Dekoartikel genäht. „Bei der Arbeit kommt es besonders auf millimetergenaues Zuschneiden, exaktes Bügeln der umgeschlagenen Kanten an und nicht zuletzt auf das hundertprozentige Zusammennähen“, so Rosensträter. Alle 14 Tage treffen sich die Frauen im Kurs, so bleibt Gelegenheit stressfrei auch zu Hause zu arbeiten. Anfänger und Fortgeschrittene können sich zum neuen Kurs beim Bildungswerk anmelden, der am 8. September beginnt.

Bild 1: „Der muss hinter Glas in eine Vitrine“, möchte Eva Weiz ihr Schmuckstück schützen

Bild 6. v.l. Margrit Mittmann, Jutta Weber, Susanne Rosensträter, Lety Osterkamp und Eva Weiz

 

Beaglespielplatz in Reken

Gal-REK-Beaglespielplatz040Beaglespielplatz in Reken

Wer kennt nicht Snoopy, den Beagle von Charlie Brown? Der einzige philosophierende Hund der rücklings auf dem First seiner Hundehütte liegen kann. Da der Name Snoopy irgendwie untrennbar mit dem Beagle an sich verbunden ist, darf die Frage nach einem Namensvetter bei einem Beagletreffen nicht fehlen. „Ist hier irgendeiner, der Snoopy heißt?“ ruft Peter Glathe in die Runde der Hundebesitzer, aber keiner meldet sich. Die Beagle haben andere Namen.

Rund 30 Beaglefreunde waren mit ihren Vierbeinern am Sonntagnachmittag zur Eröffnung des Beaglespielplatzes nach Reken gekommen. Alle 14 Tage haben die Beagle dort die Möglichkeit Sonntags zwischen 14 und 15.30 Uhr ohne Leine zu toben und herumzulaufen.

Christian Bohn mit seinem Miles ist froh, einen Platz zu haben, wo der Hund einmal frei laufen kann: „Miles kann man wie alle Beagle nicht von der Leine lassen, außer natürlich im eigenen Garten. Hier kann er sich mit anderen zusammen richtig austoben.“

„Wenn der Beagle eine Spur aufgenommen hat, schaltet er total ab, dann kann man ihn nicht zurückrufen“, erklärt Peter Glathe, der „Spielplatzbetreiber“. Der 77-jährige Beaglebesitzer erzählt, wie die Idee zu dem Spielplatz in Reken entstanden ist. „Vor einem Jahr ist ein junger Mann an mich ‚rangetreten mit der Idee, dass so eine eingezäunte Freifläche für den Meutehund in Reken fehlt. Anfang des Jahres haben wir dann den Verein gegründet. Schließlich hat uns die Hundeschule Lupus ihren Platz dafür zur Verfügung gestellt“, so Glathe. Es ist inzwischen der 34. Beaglespielplatz in Deutschland, einen gibt es auch in der Schweiz. Bisher sind die rekener Beaglebesitzer nach Schembeck, zum nächstgelegenen Spielplatz gefahren. „Das bleibt auch so“, sagt Glathe, „da haben sich viele Freundschaften und Bekanntschaften entwickelt, die gibt man nicht auf.“ Besonders lobt er die Hilfsbereitschaft unter den Beaglehaltern, da gibt es immer jemanden, der mal den Hund bei einer Fahrt in den Urlaub übernimmt.

Im Gegensatz zu anderen Hunderassen, verhalten sich die Beagle untereinander absolut friedlich. Auch gibt es keine Rangkämpfe, der Beagle fühlt sich in der Meute absolut wohl. Und gibt es keine Artgenossen, dann ist der Mensch eben Teil der Meute, daher eignet sich der Beagle besonders als sehr pflegleichter Familienhund. Nun frei laufen lassen darf man ihn eben nicht.

André Braun, erster Vorsitzender der Beaglespielplatz e.V. ist auch zur Eröffnung gekommen und freut sich, dass der Platz gleich beim ersten Mal von so vielen gut angenommen wird. Direkt vor Ort wird unter den Anwesenden der Zeitpunkt der Treffen festgelegt. Man hat die Wahl zwischen Vormittags und Nachmittag und schnelle einigt man sich auf die Zeit zwischen 14 und 15.30 Uhr. Das nächste Treffen findet am 11. September in Groß Reken, Spiepe 15 statt. Kleine Einschränkung gibt es für die Beaglebesitzer, keine läufigen Hündinnen, ohne Geschirr, keine kranken Hunde und ähnliches. Nähere Informationen finden Interessierte auf facebook oder bei www.beaglespielplatz.de, hier müssen die Zeiten noch geändert werden.

„Chöre der Region“

Galerie-RAE-Chöre077Zwölf „Chöre der Region“ runden dreitägiges Musikfestival ab

Raesfeld. Der Auftritt von 12 „Chören der Region“ rundete das großartige Musikevent auf dem Schlosshof des Wasserschlosses am Sonntag ab. Hunderte Besucher lauschten den Klängen der insgesamt 473 auftretenden Sängerinnen und Sängern und spendeten begeisterten Applaus.

„Mein größter Wunsch, dass nicht alle Sänger gleichzeitig auf die Bühne passen, ist in Erfüllung gegangen“, freute sich Friedhelm Ebertz, Leiter des Chorverbands Westmünsterland, der mit flotten Worten die verschiedenen Chöre anmoderierte. Viel mehr Chöre nahmen in diesem Jahr an der Veranstaltung teil und stellten ihr Können und Repertoire unten Beweis. So zahlreich wie die Sängergemeinschaften sind, wo abwechslungsreich waren ihre Darbietungen, von bekannten Volksliedern über Internationale Folklore, Gospel, Spiritual bis hin zu Schlager- und Popmelodien. Concordia Ramsdorf, Frauenchor Raesfeld, Collegium Canticum Borken, MGV Bocholt Familienchor, Chorgemeinschaft Bocholt/Anholt – zwei Chöre, die sich zusammengeschlossen haben -, Frauenchor Spellen, OHRwürmer Stadtlohn, Sängervereinigung 1925 Borken, MLW-Festival-Chor, Flenderschor Bocholt, Vocal Total Borken und MGV Nottuln in Chorgemeinschaft mit MGV „Eintracht“ Appelhülsen hatten ihre Auftritte zwischen 11 und offizielle 15 Uhr. Da aber zwischendurch auch noch die niederländische Dixilandband „Piece of Cake“ die Bühnenstimmung auflockerte, schob sich das Ende der Veranstaltung um eine Stunde nach hinten.

Viele Gäste waren nur für die Chorauftritte angereist, so auch Marika Meershoek und Jan Joziasse aus Breedenbroek: „Wir haben per Zufall von diesem Event erfahren und sind zum ersten Mal hier. Total begeistert, das ist wie ein herrlicher Urlaubstag.“

Vielleicht haben sie auch beim gemeinsamen Schlusslied „Amazing Grace“ mitgesungen.

 

Stefan Holtkötter – Dreikönigssingen

Dreikönigssingen-CoverStefan Holtkötter – Dreikönigssingen

Provinz-Krimi, Paperback, 237 Seiten

Verlag Topp + Möller,  November 2015

Holtkötters neues selbsternanntes Ermittlerduo hat gerade seinen ersten Fall bravourös gemeistert, da geschieht schon wieder ein Mord im beschaulichen münsterländischen Dorf Buddenbeck. Miss Marple und Mister Stringer, ach nein, Tönne Oldenkott, landwirt im Ruhestand und Dorfpolizistin Lisbeth, die richtig Gül Yilmaz heißt kümmern sich auch um diesen neuen Fall. Sie kennen ihre Buddenbecker besser als die ganzen „Kriminalen“ in Münster und die beiden ahnen, dass die Kripo gewaltig auf dem Holzweg ist.

In einer stürmischen Nacht in Buddenbeck zündet mancher alte Münsterländer noch eine geweihte Kerze an, um Unheil von Mensch,  Vieh und Haus abzuwenden. Ein christlicher Brauch, der immer mehr in Vergessenheit gerät, findet auch Tönne Oldenkott und beobachtet schlaflos, was bei seinem Nachbarn auf dem Hof passiert. Fahrzeuglichter kann er ausmachen, mehr nicht. Am nächsten Tag wird sein Nachbar Bauer Alfons Kerkering tot auf dem Hof gefunden. Brutal erschlagen. War es ein Einbrecher, wie die Kriminalbeamten aus Münster vermuten? Der selbsternannte Ermittler traut der Kripo nicht zu, den Fall zu lösen, so ermittelt er mit Hilfe von „Lisbeth“ auf eigene Faust. Das Dreikönigssingen seiner beiden Enkeltöchter bietet Tönne die Möglichkeit sich auf den Höfen im Dorf umzuschauen ohne Argwohn zu erregen.

Holtkötters neue Romanfiguren sorgen für einen unbeschwerten Ausflug aus dem Alltag und sind eine nette Lektüre für zwischendurch mit einem Hauch von Lokalkolorit. Der Lesespaß wird einzig durch eine äußerst mangelhafte Lektorierung getrübt, es wimmelt nur so von Fehlern, und so hat sogar das Mordopfer zwei verschiedene Vornamen.

 

Stefan Holtkötter – Schützenbrüder

Schützenbrüder-CoverStefan Holtkötter – Schützenbrüder

Provinz-Krimi, Paperback, 223 Seiten

Verlag Topp + Möller,  November 2014

Mit seinem Wechsel zum Verlag Topp + Möller präsentiert Stefan Holtkötter zwei neue Provinzkrimis, die der Verlag mit einem Button „Münster kriminell“ bewirbt. „Schützenbrüder“ und „Dreikönigssingen“ sind in der Heimat des gebürtigen Münsterländers angesiedelt, und sicher kann der Autor zahlreiche Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend mit einbringen, die die Geschichten recht authentisch wirken lassen.

Wer kennt nicht Miss Marple und Mister Stringer, die Protagonisten der Agatha Christie Krimis? Holtkötter nimmt sie sich als Vorbild, tauscht aber Miss Marple gegen den im Unruhestand befindlichen Landwirt Tönne Oldenkott und Mister Stringer gegen die junge türkischstämmige Dorf-Polizistin Gül Yilmaz. Lisbeth nennt er sie immer, weil ihn ihr Vorname doch zu sehr am Gülle erinnert.

Beim Schützenfest wird hinter dem Festzelt die Leiche des Kassenwarts aufgefunden. Der eigenbrötlerische Mann wurde mit Kirsch-Aufgesetztem vergiftet. Für die Kriminalpolizei in Münster steht die Mörderin schnell fest, die Tochter des Ermordeten, denn zum einen hat sie ihrem geizigen Vater Werner Osthues den Aufgesetzten selber mitgegeben, weil der nichts anderes trinkt, und zum Anderen hat niemand sonst aus dessen gut bewachter Flasche getrunken. Wer sollte ihn also umgebracht haben und aus welchem Grund?

Tönne kennt alle Buddenbecker, so ist er sich sicher, dass Mechthild Osthues ihren Vater nicht auf dem Gewissen hat. Der Mörder ist wo anders zu suchen. Um Mechthild aus der Untersuchungshaft zu holen, ihre Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu finden, sind Tönne auch nicht ganz legale Tricks recht. Dorfpolizistin Gül hilft widerstrebend mit.

Den Auftakt zu seinem neuen Krimi gestaltet Stefan Holtkötter sehr witzig, leider verliert sich dieser Humor in der weiteren Geschichte schnell und funkt nur gelegentlich hier und dort wieder auf. Die Story selber ist schlüssig und bedient sich der üblichen Umwege, bis der Täter überführt ist. Kleine Nebenhandlungen vermitteln Atmosphäre und verraten dem Leser mit Hilfe seiner Phantasie mehr über die Personen, als es der Autor mit Worten bewerkstelligt. Insgesamt eine leichte Wochenendlektüre, die auch gerne mit ins Bett genommen werden darf, da sie mit Sicherheit keine bösen Träume provoziert.

Schlossgespräche

IMG_2791Schlossgespräch mit humorigem Ausblick in Vergangenheit und Zukunft

Die „Schlossgespräche“ beschäftigten am 11. Mai in der Orangerie des Sportschlosses Velen eine 30-köpfige Zuhörerschaft. Referent, Zukunftsforscher, Wirtschaftswissenschaftler und Buchautor Erik Händeler beleuchtete das Thema „Die Geschichte der Zukunft“. Offensichtlich weiß der Mann, wovon er spricht, das bezeugen auch 50000 verkaufte Exemplare seines Buches in der bereits zehnten Auflage.

Anhand von Innovationsschüben in der Geschichte erläutert er wirtschaftliche und gesellschaftliche Zyklen, die sich stets wiederholen. Erfindungen und Weiterentwicklungen einer Technologie bestimmen Wohlstand und Verhalten der Gesellschaft. Dazu führt Händler die Beispiele der Dampfmaschine, der Eisenbahn, der Elektrizität und chemischen Massenproduktion an, das Auto und die individuelle Mobilität sowie die Informationstechnik. Jede dieser Erfindungen hat zu ihrer Zeit zum Wohlstand der Gesellschaft beigetragen aber auch nach ihrem jeweiligen Höhepunkt zu einer Verarmung und Rezession. „Auch 1929 lag der Zinssatz nur bei 0,02 Prozent“, so Händeler. „Wenn Banken die Schleusen öffnen hat der Einzelne wenig davon. Es gilt, die nächste Knappheit zu überwinden. Davon hängt es ab, ob die nächste Krise überwunden wird.“

Die gesamtgesellschaftlichen Strukturmuster mit ihren „langen Wellen“ sind immer wieder zu finden, auch in der Kunst. So erinnert der Referent beim Aufschwung an die Wedekind Epoche mit Frühlingserwachen oder in der 60er Jahren an die Beatles. Dagegen gibt es eine Verunsicherung in der Gesellschaft beim Abschwung, bei dem ein allgemeines Festhalten in allen Bereichen zu beobachten ist. Beim Aufschwung fordern die Arbeiter ihre Rechte ein, beim Abschwung traut sich keiner den Mund aufzumachen, weil er um seinen Job bangt.

„Wahrscheinlich lacht man in 30 Jahren über unsere Zukunftsvisionen“, gesteht Erik Händeler ein. Dennoch wagt er einen vorsichtigen Ausblick. Für ihn zählt der Informationsaustausch, das vernünftige Streiten und das Durchbrechen hierarchischer Strukturen zur Zukunft. Am Beispiel einer defekten Maschine macht er das klar. Der Ingenieur, der die komplizierte Reparatur vornehmen soll kann kein Kompendium dazu mehr vorher lesen. Die Zeit drängt, also fragt er jemanden, der die Sache schon mal hatte. Dabei spielt es keine Rolle welchen Status jemand hat. Wissensarbeit ist das Schlagwort, die eine breite Allgemeinbildung erfordert. Kritik vernünftig austeilen und annehmen gehört dazu. Dazu sind stabile Verhaltensregeln nötig, also müssen weltweit neue Spielregen eingeführt werden und es muss in Bildung investiert werden. Die Gesundheit ist der Wachstumsmotor nach Händeler, dazu gehört ein präventives Gesundheitssystem, damit „weniger gearbeitet wird, um länger arbeiten zu können.“

In der anschließenden Diskussion stellte sich heraus, dass auch der Referent selbstverständlich nicht in die Zukunft blicken kann. Den anwesenden Unternehmern gab er aber die Hierarchiefrage zu bedenken: “ Ist der Chef der Chef oder ist die Wirklichkeit der Chef?“