Das schwarze Schaf

Das schwarze Schaf

Thomas Hesse/Renate Wirth

emons: Kriminalroman; 2017

Broschur, 288 Seiten

 

„Die Blütezeit des Regionalkrimis ist vorbei“, so formulierte es ein erfolgreicher Berliner Schriftsteller, der selbst viel Regionalkrimis verfasst hat. Lesenswert ist die Story, die in Wesel und am Niederrhein spielt dennoch.

Mit „Das schwarze Schaf“ gibt das Autorenduo Hesse/Wirth einen herrlichen Einblick in die liebenswerten Menschen am Niederrhein und in ein Problem, von dem die meisten bisher kaum gehört haben, die Betuwe-Linie. Dabei handelt es sich um eine Bahnverbindung zwischen den niederländischen Nordseehäfen und dem westlichen Ruhrgebiet, auf der hauptsächlich Güter transportiert werden. Der Ausbau steht unter vehementer Kritik der Anwohner. Dass es da Gruppen gibt, die sich radikalisieren bleibt nicht aus.

Hängt das Verschwinden von Hauptkommissarin Karin Krafft damit zusammen? Jedenfalls ist die Chefin der Weseler Polizei spurlos verschwunden. Auf dem Rastplatz Hünxe-Ost an der A3 finden die Kollegen das Fahrzeug von Karin, daneben ihren Hund, der sich nicht von der Stelle rührt, eben ein ausgebildeter Polizeihund, der streng auf seinen Befehl gehorcht. Und da ist noch ein Blutfleck. Karins Blut? Einige Zeit später wird die geköpfte Leiche einer Frau gefunden, mit Karins Kleeblatt-Tätowierung auf dem Oberarm, der Kopf fehlt. Unter Hochdruck versuchen die Kollegen der Weseler Kommissarin den Fall aufzuklären, der immer verwirrenden wird.

Der spannend erzählter Krimi bietet kurzweilige Lektüre und ist nicht nur für die Leser ein Genuss, die in der Gegend leben. Regionalkrimi bedeutet ja nicht, dass es heimeln muss. Hier jedenfalls werden Probleme angesprochen, die überall in Deutschland auftreten können. Und „schwarze Schafe“ gibt es auch überall. Finden sie heraus, wer das hier ist.

 

 

 

Hörbuch „Oryx und Crake“

Oryx und Crake

von Margarte Atwood

als Hörbuch

Spieldauer: 11 Stunden 15 Minuten
Verlag: Ronin Hörverlag, 2017

 

 

 

„Sprechergott 2016“ Uve Teschner bringt Sie mit dem gerade im Ronin Hörverlag eingelesenen Werk „Oryx und Crake“ von Margaret Atwood in eine dystopische Endzeitstimmung.

„Oryx und Crake“ ist der erste Teil der Maddaddam Trilogie der kanadischen Schriftstellerin und Friedenspreisträgerin 2017.

Mit einem Fuß stehen wir heute bereits vom Denk- und Machbaren in der Realität der Geschichte von „Oryx und Crake“. Dadurch ist sie leicht nachzuvollziehen und man kann sich voll der hervorragenden Erzähleise von Uve Teschner hingeben.

„Schneemensch“ lebt ohne jede Zivilisation in der Wildnis des späten 21. Jahrhundert. Kleidung benötigt er nicht, ein altes Bettlaken schützt ihn vor Insekten und der veränderten Sonnenstrahlung. Ungewöhnliche Tiere fürchtet er, die „Organschweine“ oder die „Hunölfe“, scheinbar freundliche Hunde, die aber gefährlich wie Wölfe sind. Ein seltsames Volk lebt in seiner Nähe, die „Craker“, genmanipulierte Menschen, um  die Schneemensch sich zu kümmern verpflichtet hat.

Viel Zeit hat er in seinen einsamen Stunden, darüber nachzudenken, wie er in diese Situation geraten ist. So erfährt der Zuhörer im Laufe des ersten Teils der Trilogie, wie sich Crake und Jimmy, wie Schneemensch richtig heißt, bereits als Kinder und Jugendliche die Zeit vertrieben haben. Ein Spiel, das sie am Computer gespielt haben, wird im Erwachsenenalter schließlich zur Realität, ein Spiel um Genmanipulation. Auch Oryx taucht bereits als Kind auf einer Pornowebsite auf, die Crake und Jimmy als Jugendliche besuchen. Später wird sie Jimmy wieder begegnen, als junge, schöne Frau.

Abenteuerlich und spannend wird Jimmys Proviantsuche, zu deren Zweck er die Wildnis und seine Craker verlassen muss. Die Gefahren, in die er sich begibt, könnten ihn das Leben kosten.

Margaret Atwoods Roman scheint uns an manchen Stellen vertraut. So denkt man unwillkürlich an „I am legend“ von Richard Matheson, in der nur noch der Protagonist als einziger Mensch auf der Welt ist. Auch Szenen aus „12 Monkeys“ oder „The time machine“ kommen in den Sinn, verhalten sich die Craker doch ein bisschen wie die Elois bei H.G. Wells. Trotz dieser Reminiszenzen ist die Endzeitgeschichte Atwoods ein eigenständiges, kraftvolles Werk mit einer hervorragend sprachlichen und stilistischen Umsetzung. Glücklicherweise liegt die Maddaddam Trilogie jetzt als Hörbuch vor, großartig gelesen und umgesetzt von Uve Teschner, der so lebendig liest, dass alle Personen ihre eigene Stimme bekommen. Und herrlich witzig  setzt er selbst Comicsprechblasen in Klänge um.

Wenn Sie nach längerem Hören plötzlich Musik vernehmen, sind sie am offenen Ende des ersten Teils der Trilogie angelangt. Besser sie besorgen sich rechtzeitigt Teil zwei und drei, denn mit Sicherheit wollen sie wissen, wie es weitergeht.

 

 

Stephen Dobyns – Ist Fat Bob schon tot?

Stephen Dobyns – Ist Fat Bob schon tot?

Roman

Gebundene Ausgabe 464 Seiten

Verlag: C. Bertelsmann

Erschienen: 17.04.2017 , 19,99 €

Deutsch von Rainer Schmidt

Ein Motorradfahrer prallt mit voller Wucht gegen eine Laster, der quer zur Straße aus einer Einfahrt kommt. Von dem Harleyfahrer bleibt nicht viel übrig und die Identifizierung gestaltet sich schwierig. Ist der Tote der Besitzer der Maschine Robert Rossi, genannt „Fat Bob“? Connor Raposo wollte doch nur seine Schuhe beim Schuhmacher abholen, den Unfall vor der Schuhmacherwerkstatt hat er nicht gesehen, jetzt kommt er aber mit seinem am Geschäft geparkten Wagen nicht weg, die Polizei hat alles abgeriegelt. Da bleibt nur ein Smalltalk mit einem anderen Wartenden. Kennt er den nicht von irgendwoher? Scheinbar völlig unzusammenhängende Personen und Ereignisse verknüpfen sich im Laufe der Geschichte immer mehr. Und Protagonist Connor Raposo stolper immer tiefer in die Geschehnisse, bis ihm klar wird, dass man auch hinter ihm her ist. Mit umwerfender Situationskomik und lakonischen Dialogen jagt Stephen Dobyns seine Helden durch eine höchst raffinierte Krimigeschichte, die in einem furiosen wie unerwarteten Showdown mündet. Ein Lesevergnügen für alle Freunde des schrägen Humors.

Ja, schräg ist der Humor in diesem ungewöhnlichen Krimi tatsächlich. Connor Raposo ist jung und naiv. Er arbeitet in einem „Familienunternehmen“ „Bounty Inc.“, das Geld von gutgläubigen Bürgern erschwindelt, unter anderem für Aktionen wie „Rettet Beagle vor der Nikotinsucht“. (Da hätte ein Beagle besser aufs Buchcover gepasst als eine Katze.) Solche Machenschaften scheinen wohl nur in den USA möglich. Connors Aufgabe in diesem Unternehmen ist es, die Spendenschecks aus dem Postfach abzuholen, so bleibt ihm viel Zeit sich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dadurch gerät er immer tiefer in eine Geschichte, die ihn nichts angeht, hat aber ohne es zu bemerken, mehr Einblick in die Geschehnisse als die beiden schrägen Polizeiermittler Manny und Vikstöm. Überall prallen die Interessen von Möchtegern-Gangsterbossen, Kleinganoven, Obdachlosen, Poizisten und  Ehefrauen aufeinander, das löst zweifellos viele Konflikte aus, die der Story immer neue Wendungen geben.

Wer sind denn in diesem Krimi die Guten, wer die Bösen? Eigentlich werden einem beinahe alle Personen nicht zuletzt aufgrund der äußerst detailreichen Skizzierung der Charaktere irgendwie sympathisch. Wo anderer Autoren ein grobes Bild ihrer Protagonisten zeichnen, erfahren Dobyns Lesen scheinbar alles über die Romanfiguren, vom Aussehen her über Gewohnheiten und Marotten bis hin zu ihren Gedankengängen. Einen wesentlichen Teil trägt der allwissende Erzähler bei, der sich direkt an den Leser wendet. Mal gibt er humorvolle Charaktereigenschaften preis, mal bestimmt er, wo die Geschichte weiter geht.

Lassen sie sich nicht verwirren, denn bis zum fulminanten Ende bleibt die Frage offen: „Ist Fat Bob schon tot?“

Westmünsterland-Beginen informieren

Vorstandfrauen v.l.: Elke Inhestern, Dörte Schlüter- de Jonge, Petra Ibl, Elke Wehling, Gertrud Goos

Westmünsterland-Beginen informieren

Gescher (csp). „Wat eene allene nich schafft  – föllt twee nich schwor“ (Was eine alleine nicht schafft – aällt zweien nicht schwer)  fasste Vorstandsfrau Gertrud Goos die Vereinsgründung und die Arbeit der Westmünsterland-Beginen zusammen.

Zum ersten öffentlichen Treffen der WestmünsterLand Beginen in Mia´s Backhaus kamen im Mai 30 Mitfrauen des neu gegründeten Konvents, Vertreterinnen der Landfrauen, die Gleichstellungsbeauftragte und Gästinnen zu Vortrag und Feier in das Bauernhofcafé „Mia’s Backhaus“. Nicht nur hier wollen die Beginen ihren Verein bekannt machen. „Es ist ein Verein von Frauen für Frauen“, so Goos, dabei schießen sie Männer jedoch nicht kategorisch aus und machen das Angebot der Fördermitgliedschaft für diese. „Dabei leisten wir nebenbei ein wenig Genderarbeit, denn die gesellschaftliche Rollenzuschreibung, die häufig noch so aussehen, dass Frauen in der zweiten Reihe stehen und Männer die Macher sein müssen, werden bei uns bewusst vertauscht“, weiß sie augenzwinkernd.

Im Sommer 2014 entstand die Idee, einen Beginen Verein zu gründen. Ein Zeitungsartikel sorgte für einige Aufregung in der Region und viel Aufklärungsarbeit war nötig. Seit Ende 2015 fand eine Kontaktaufnahme mit den Bocholter Beginen statt, die seit 2009 aktiv sind und inzwischen ein Frauenwohnprojekt haben. Seit Mitte 2016 sind die WestmünsterLand Beginen ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

Geschichte der Beginen

Die 700-jährige Geschichte der Beginen stellte Elke Wehling den Besucherinnen vor. „1233 sind die ersten deutschen Beginen nachgewiesen. 1299 existierten in Köln 88 Beginenkonvente, einige Jahrzehnte 169.“, erklärt die Kassenwartin. Die Beginen waren unabhängige Frauen, die weder heiraten noch in ein Kloster eintreten wollten. Sie lebten hauptsächlich in Städten, waren aber auch auf dem Land zu finden, auf den sogenannten Beginenhöfen. Jede Frau konnte Begine werden. sie organisierten ihr Gemeinschaft selbst, arbeiteten und legten ihr Geld zusammen. Viele waren hochgebildet. Durch wirtschaftliche Unabhängigkeit waren sie in der Lage, Sozialfürsorge zu leisten, Hospitäler zu unterhalten und ein Bildungswesen aufzubauen. Im 14. Jahrhundert durch die Inquisition als Ketzerinnen-Bewegung verfolgt, waren sie letztendlich gezwungen, sich unter den Schutz der Kirche zu stellen, obwohl sie religiös und politisch unabhängig sein wollten.

Die Beginen heute

Die Beginen heute verbindet der Wunsch nach einem eigenständigen Leben mit dem eines gemeinschaftlichen Miteinanders im Wohnen, teilweise auch im Arbeiten. Verwitwet, geschieden, ledig oder getrennt lebend, lesbisch oder heterosexuell, mit oder ohne Kinder, Alter, Herkunft, Ausbildung und Lebensläufe sind vielfältig bei den Beginen. Spiritualität und soziales wie politisches Engagement spielen eine mehr oder minder große Rolle. Heute stehen die Verbundenheit mit anderen Frauen und gegenseitige Unterstützung in diesem spannenden gesellschaftlichen Experiment die Hauptrolle. Vernetzung ist ein wichtiges Schlagwort. Die Satzung des Vereins propagiert die Wiederbelebung der Beginenkultur, die Entwicklung von Wohnformen für Frauen und Kinder und die nachhaltige Lebensführung durch Mini-Farming und artgerechte Tierhaltung.

Wie erfolgreich die Beginenarbeit sein kann, zeigte Liselotte Moeckel von den Bocholter Beginen, die mit ihren Mitschwestern inzwischen in einem gesponserten Neubauprojekt wohnt. Ihr Motto sagt sie scherzhaft ist: „Feiern, feiern, feiern.“

Kontaktaufnahme zu dem Gescheraner Verein über:

WestmünsterLand Beginen e.V.

 

 

 

 

 

Albert Hammond präsentiert „Songbook“

Ein Feuerwerk aus Musik und Lichteffekten brachte Weltstar Albert Hammond mit Band im Mai auf die Bühne der Stadthalle im Vennehof. Rund 500 Fans aus Nah und Fern ließen sich die Gelegenheit ein Urgestein des Popmusik live zu erleben nicht entgehen.

Eine Aufwärmphase benötigt das Publikum nicht, von der ersten Noten an sind die Zuhörer von null auf 100 und es scheint, als lässt sich das nicht mehr steigern. Doch Albert Hammond zieht geschickt immer wieder andere Songs aus seinem Repertoire, die die Fans zu noch mehr Applaus und Begeisterung bringen.

Über 50 Songs stehen auf der Playlist, einige sind fest eingeplant. Mit „Everything I want to do“ geht es los und gleich stimmten viele im Saal mit ein, erheben sich von den Stühlen und tanzten zwischen den Reihen. „Albert singt nicht alle“, sagt der Tontechniker, der auch nicht genau weiß, welcher Song als nächster kommt. „Da müssen wir blitzschnell reagieren“, wissen die beiden Männer an Ton und Licht. Weiter geht es mit „Down by the river“, zwischendurch erzählt Hammond ein wenig von seinen Erlebnissen aus den vielen Jahren seiner erfolgreichen Karriere.

„These are the good old days“ soll das Publikum mitsingen, natürlich nur den Teil mit „Taratatatada“, das klappt, bei anderen Liedern sind die Zuhörer textsicherer. Ja, die guten alten Tage; „Wer erinnert sich an die 70er, 60er, 50er“, fragt der 73-jährige Star, die Hände schnellen in die Höhe. Alle sind sich einig, wenn Hammond fragt, ob er „beautiful songs“ geschrieben hat. „Sagt mir die Wahrheit“, fordert er, die zustimmenden Pfiffe und der tosende Applaus bestätigen das.

Laut ist es, wenn es seine sehr rockigen Stücke mit Irvin Duguid (Keyboard), David Stewart (Drums), Calais Brown (E-Gitarre) und David Paton (Bass) performt. Schmusiger geht es bei „Anyone with eyes“ zu. Auch Stücke von Freunden hat er mitgebracht, Tina Turners „I don’t want to lose you“, etwas von Chris de Burgh oder Joe Cocker, die er auf seine wundervolle Art interpretiert.

Er zieht seine Jacke aus und begibt sich zwischen die Zuschauerreihen, begrüßt seine Zuhörer mit Handschlag und bedankt sich für deren Anwesenheit. Auch nach der Show steht er als Künstler zum Anfassen bereit und verteilt Autogramme. Rund zwei Stunden Konzert begeistern alle im Saal. Das Publikum hält es die letzte halbe Stunde nicht auf den Stühlen, stehend feiern sie ihren Lieblingsstar.

 

 

Feidman plays Beatles

giora-feidman185Die ganze Welt umarmen – Feidman plays Beatles

Wesel (csp). Im März wird der weltberühmte Klarinettist Giora Feidman 81, doch das hindert ihn nicht immer wieder neue Projekte in Angriff zu nehmen. Am 3. Februar erscheint die CD „Feidman plays Beatles“. Zur Zeit ist er mit dem Rastrelli Cello Quartett und den Beatlessongs im Gepäck auf Tournee. Alleine 32 Termine absolviert er zwischen 6. Januar und 6. April in ganz Deutschland.

Am 4. Januar spielte er die beliebten Songs der Fab Four im St. Willibrordi Dom Wesel natürlich vor ausverkauftem „Haus“. Hunderte lauschten den Klängen von „Yesterday“, „Michelle“, „A Hard Days Night“ oder „Let It Be“ die Feidman auf seine unvergleichliche Art spielte. Das Arrangement stellt die Musik der Beatles in den Vordergrund, aber Feidman wäre nicht Feidman wenn er nicht einen Hauch Kletzmer mit in seine Interpretation brächte. So lässt er Klarinette und Bassklarinette schreien, weinen oder sprechen. Die grandiose Akustik des Doms erhöht die Darbietungen zu sphärischer Musik.

Unter den Besuchern ist niemand auszumachen, dem das Dargebotene nicht ausgesprochen gut gefällt. Und zudem haben die Konzertbesucher noch die Gelegenheit vor dem offiziellen Termin die CD mitzunehmen und sich von einem ziemlich erkälteten Giora Feidman signieren zu lassen.

Nur wenige Male tritt der Ausnahmeklarinettist ans Mikrofon, man merkt ihm deutlich an, dass er nicht mehr so gut auf den Beinen ist wie früher. Dafür hat er aber nichts von seinem Humor eingebüßt. „Nicht im Neuen Testament, nicht im Alten Testament steht, wann eine Zugabe gespielt werden soll. Deshalb spielen wir die jetzt“, scherzt er noch vor der Pause und stimmt „When I’m 64“ an.

Die vier Herren des Rastrelli Cello Quartetts, die durch harmonisches Zusammenspiel mit dem großen Meister und mit ihrer rockigen Behandlung ihrer Instrumente glänzen, haben mit „Dizzy Miss Lizzy“ ihre verdiente Solonummer. Im zweiten Konzertteil wird das Ensemble durch das Jerusalem Duo Hila Ofek (Harfe) und André Tsirlin ( Sopransaxophon) erweitert. Beide widmen sich den zarten Songs „While My Guitar Gently Weeps“ und „Something“. Feidman hat besondere Freude, das Duo vorzustellen, ist Hila Ofek doch seine Enkelin und André Tsirlin der frisch Angetraute.

Nicht nur die Musiker scheinen eine große Familie zu sein. „Nein“, sagt Giora und zeigt auf den musikalischen Leiter des Rastrelli Cello Quartetts Kira Kraftzoff, „das ist nicht mein Bruder. Wir haben nur beide den selben Friseur.“ Dann streicht er sich mit einer Hand erklärend über den kahlen Schädel. Familie, Freunde, Freundschaft, Frieden und Harmonie unter den Menschen sind immer Feidmans Themen gewesen, so verzichtet er auch nicht mit einem bescheidenen Appell an die Anwesenden. „Egal wo auf der Welt, egal ob Deutsche oder Juden, wir sind alle Menschen, eine große Familie, ich bin ein Teil deiner Familie.“

Mit „Maxwell’s Silverhammer“ als Zugabe endet das großartige Konzert. Und bei stehenden Ovationen singen alle zum angehängten „Hey Jude“ das „naa, naa, naa, naa, na, na, na, na“ mit.

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Marc Elsberg – Helix. Sie werden uns ersetzen

HELIXSie werden uns ersetzen von Marc ElsbergMarc Elsberg – Helix. Sie werden uns ersetzen

Roman

Hardcover, 648 Seiten

Verlag: Blanvalet

22,99 Euro

Erschienen: 31.10.2016

Gerade frisch aus der Druckerei liest man sich in die neue Story von Marc Elsberg genauso schnell ein wie in seine Zukunftsvisionen „Blackout“ oder „Zero“. Der neue Roman ist „der Hammer“ und trifft den halbwegs informierten Leser entsprechend. Von Gentechnik und -manipulation haben wir alle schon gehört, ein Thema, das immer wieder in den Medien kursiert. Elsberg ist in der Lage damit eine Geschichte zu konstruieren, die absolut glaubwürdig ist und wenn es auch noch nicht heute passieren kann, was er uns da serviert, so doch in naher oder ferner Zukunft.

Mit vielen losen Anfangsfäden spinnt der Autor eine Story, die sich immer mehr verdichtet, spannend bis zur letzten Zeile. Und aus der Hand legen mag man das Buch auch nicht, bevor man es nicht zu Ende gelesen hat.

Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und –tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonderbegabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder? Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt …

Neil Gaiman – American Gods – Director´s Cut

american-godsNeil Gaiman – American Gods – Director´s Cut

Eichborn

Paperback, 672 Seiten

Fantasy Bücher

Übersetzung ins Deutsche von Hannes Riffel

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel „American Gods“, deutsche Ausgabe erstmals 2015, 672 Seiten

Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. So lautet ein beliebtes angeblich von B. Brecht stammendes Zitat. Die Frage, ob das auch für Götter gilt beantwortet Neil Gaiman in seinem Roman „American Gods“ (Amerikanische Götter).

Faszinierend in einer Mischung aus Krimi und Fantasy-Roman wirft der Autor philosophische und religiöse Fragen auf, mit denen sich auch sein Protagonist Shadow auseinandersetzen muss.

Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder bietet ihm einen Job an. Dieser nennt sich Mr. Wednesday und weiß ungewöhnlich viel über Shadow. Er behauptet, ein Sturm ziehe auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas. Eine Schlacht, in der Shadow eine wichtige Rolle spielen wird. Wie der Titel schon verrät geht es um Götter, alte, uralte und ganz moderne, die man erst einmal gar nicht als „Götter“ auf dem Schirm hat.

Eines der meistbeachteten Bücher des letzten Jahrzehnts: eine kaleidoskopische Reise durch die Mythologie und durch ein Amerika, das zugleich unheimlich vertraut und völlig fremd wirkt. Erstmals ungekürzt auf Deutsch und komplett neu übersetzt als „Director’s Cut“, etwas, das man aus der Filmbranche kennt und hier auf die Literatur übertragen wurde.

Zugegeben, das Buch ist nicht neu, der Roman stammt aus 2001 und erschien bisher in verschiedenen Versionen wie der Autor in einer Fernsehsendung verriet. Der „Director’s Cut“ enthält rund 100 Seiten mehr als die Erstveröffentlichung und bringt in das religiöse und mythologische Thema noch einmal ganz neue Aspekte mit hinein. Denn wo sich der Autor in US-Amerika gescheut hat, in der deutschen Ausgabe ist es mit drin, er lässt sogar Jesus zu Wort kommen.

Heiko Fängers Kinderlieder begeistern Klein und Groß

heikofaenger002Ein großartiges Spektakel mit Kinderliedersänger Heiko Fänger zog  am Sonntagnachmittag rund 200 Zuhörer ins Foyer der Volksbank.

Für den Essener Liedermacher und Sänger ist der Auftritt in Heiden fast ein Heimspiel. Man kennt ihn, denn seine Frau kommt aus Heiden und Heiko wiederum kennt viele der Zuhörer. Und die meisten Steppkes kennen seine Lieder und können kräftig mitsingen.

Für einen guten Zweck tritt der Barde hier auf, auf Gage verzichtet er zugunsten der Eine-Welt-Gruppe Heiden. Damit soll das Baumprojekt in Uganda unterstützt werden. Das Projekt hat sich nachhaltigen Schutz der Natur zu einer wichtigen Aufgabe gemacht. Dafür ist Fänger genau der richtige Mann, denn seine Kinderlieder-CD „Ingas Garten“ ist auch absolut ökologisch hergestellt: „Ich hab darauf geachtet, dass nur FSC-Papier verwendet wird, keine Giftstoffe für die Druckfarben und auf Kunststoff als Schutzhülle wurde auch verzichtet. Die CD ist sozusagen Fair-Trade. Das war mir wichtig weil ich sie für meine Tochter Inga gemacht habe“, erklärt Heiko Fänger im Gespräch.

Nicht nur den Kindern ist wichtig, wie die Lieder sind. Mitreißend von Melodie und Rhythmus und die Texte einfach großartig. Dazu kommt, dass Heiko alle Zuhörer mit seiner Interpretation anspricht und mitzieht. Für Töchterchen Inga und alle Kinder will er die Tiere des Gartens auf lustige Art verständlich machten und ihnen die Augen für die nahe Natur öffnen. „Leander, der Feuersalamander ist kein Streicheltier“, die Gründe erfahren die Steppkes im Lied. Und wenn es um „Hummelchen, das Pummelchen“ geht, schaut Tochter Inga im Hummelkostüm zum singenden Papa hoch, tanzt mit der Musik und scheint ihn ungeheuer zu bewundern.

„Wie viele Beine hat eine Ameise“, fragt Heiko und die Meinungen gehen auseinander, daraus wird dann schnell ein Bewegungsspiel. „Zeigt mit eure Hände, zeigt mir eure Füße“, fordert der Sänger. Für die Steppkes auf Turnmatten kein Problem Hände und Füße gleichzeitig in die Luft zu strecken. Da tut sich der stehende VB-Vorsitzende Ludger Jacobs zur Erheiterung alle schon schwerer.

Mitarbeiter der VB unterstützenden das zweistündige Konzert und haben sich als Blumenwiese, Ameise und Sonnenblume verkleidet. Sie mischen sich unter das kleine Volk, oder führen eine Polonaise durchs Foyer an.

Staunend, verzückt grinsend sind auch die Erwachsenen absolut begeistert von dem Konzert. Weil Heiko vor einem halben Jahr erneut Papa geworden ist, ist demnächst mit einer weiteren CD mit Kinderliedern zu rechnen.

Leon Sachs – Falsche Haut

Leonleon-sachs-falsche-haut Sachs  – Falsche Haut

Thriller, Paperback, 336 Seiten

Emons Verlag Köln 2015

Euro 14,95

Das Erstlingswerk von Leon Sachs ist ein spannender Thriller, der mit einer interessanten Verschwörungstheorie aufwartet, die durchaus an Dan Brown heranreicht. Mit „Falsche Haut“ liegt ein Roman auf dem Tisch, der nicht nur vor Spannung knistert, sondern auch viel über Frankreich, wo die Geschichte in der Jetztzeit spielt, erzählt. „Das Buch ist ein Thriller, kein Liebesroman“, erklärt Sachs in einer Lesung. „Von Liebe verstehe ich nichts aber von Krimis. Nicht falsch verstehen, nicht dass sie denken, ich verstehe was vom Morden. Ich bin Jude, und wir Juden verstehen uns auf Verschwörung“, sagt er Augenzwinkernd.

Alex Kauffmann, Professor für Geschichte an der Universität Fribourg, muss tief in die Vergangenheit Frankreichs zurückgehen, um herauszufinden, weshalb seine Freundin Natalie mit dem Tod bedroht wird. Dabei ist der Gegner keine Einzelperson sondern ein Geheimbund, der sich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Frankreich gegründet hat. Bis heute existiert dieses äußerst mächtige Bündnis, das bereit ist über Leichen zu gehen. Was kann ein kleiner Geschichtsprofessor da machen? Während der Hetzjagd durch Frankreich geraten Alex und Natalie zudem in das Visier der Polizei. Und wem können sie vertrauen?

Durch die akribische Feinarbeit, mit der Sachs gut fünf Jahre die historischen Hintergründe seines Plots recherchiert hat, gelingt ihm eine durch und durch glaubwürdige Erzählung. Die düsteren Hintergründe steigern sich zur Beklemmung. Der Leser fragt sich, ob die Geschehnisse tatsächlich nur der Phantasie des Autors entsprungen sind oder ob eine derartige Unterwanderung eines modernen Staates tatsächlich möglich wären. Großartig erzählt, absolut lesenswert und sicher ein Stoff der verfilmt werden sollte.