Kerstin Fielstedde – Kamikatze

Kerstin Fielstedde – Kamikatze

Ein Katz und Maus Krimi

Emons-Verlag

Broschur, 256 Seiten

ISBN 978-3-7408-0265-3

soeben erschienen

10,90 €  [D]

Kamikatze ist nicht der niedliche Katzenroman, wie der Titel leicht andeutet. Kerstin Fielstedde setzt die Fellnasen in ihrem Krimi so geschickt in Szene, dass man sich schnell in der Handlung verliert und mit den Vierbeinern zittert, ob sie die zahlreichen Herausforderungen meistern können.

Gleich zu Anfang gerät Indy, die Top-Agentin des KGB (Katzengeheimbundes) in eine ausweglose Situation. Trotz jeglicher Nahkampfausbildung kann sie ihren Häschern nicht entkommen und wird von Ratten verschleppt. Maine-Coon-Kater Ian, Indys Bruder findet eine Geheimnachricht und macht sich auf die Suche nach seiner vermissten Schwester, die offensichtlich einem riesigen Skandal auf der Spur ist.

Durch ganz Berlin, auch unterirdisch in den Kanälen und Tunneln,  geht die Suche nach Indy. Dabei bekommt der Kater Hilfe von einer witzigen Truppe, die sich ihm anschließt. Kann das iCats-Team gemeinsam mit dem BND (Bund Neugieriger Dobermänner)  Indy befreien, lebt sie überhaupt noch? Sie haben einen mächtigen Gegner, der über eine riesige Rattenarmee verfügt.

Rassen- und artenübergreifend ist Kommunikation möglich. Verbale Attacken innerhalb des iCat-Teams lassen den Leser schmunzeln. Im Laufe des Krimis wird immer klarer, dass sich der angedeutete Skandal um Bauvorhaben dreht, die jedem Leser ein Begriff sind, da reichen Schlagworte wie Berlin, Stuttgart, Köln.

Bei aller Witzigkeit und den vielen Sprachspielen mangelt es der Geschichte nicht an Spannung. Locker, leicht geschrieben kann man die rund 260 Seiten in einem Rutsch weg lesen und wird nicht nur als Katzenliebhaber seine wahre Freude haben. Wer aber eine abgeschlossene Story erwartet, wird am Ende enttäuscht. Mit einem Cliffhanger entlässt die Autorin ihre Leser. Im Nachwort kündigt sie den nächsten Band an. Zusätzlich werden die Protagonisten mit herrlichen Grafiken und informativen Texten vorgestellt.

 

„Lauschsalon“ – Literaturlesung mit Musik

„Lauschsalon“ – Literaturlesung mit Musik

Mit ihrem „Lauschsalon“ begeisterten Anja Bilabel und Zoe Knoop am Freitagabend das Publikum in der Bücherei St. Heinrich in Reken

Ein Fluss aus weißem Tüll leitete die Besucher vom Eingang in den hinteren Raum der KÖB, zum Begrüßung gab es einen weißen alkoholfreien Cocktail bevor die knapp zweistündige Lesung der Schauspielerin Anja Bilabel begann. „Von weißer Zeit“ war das Motto des Abends an dem Bilabel ein atmosphärisches Winterhörstück zum besten gab in den liebevoll und passend zum Thema geschmückten Räumlichkeiten.

In Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Gemeinde Reken und der KÖB war die Einladung an die beiden Künstlerin erfolgt, die mit anderen Programmen unter weiteren Farbtitel schon mehrfach im Kreis zu hören waren.

Wenn Bilabel ihre Lesungen „Lauschsalon“ nennt, ist das keine Übertreibung. Hochkonzentriert spitzen die Zuhörer ihre Ohren und verfolgen die wundervoll gelesenen Texte. „Ich brauche jedes Mal rund ein Jahr, um die passenden Texte für die neue Farbe auszuwählen“, verrät Anja Bilabel in der Pause. Aus rund 60 Texten komprimiert sie endlich ihre Lesung auf etwa 20 Gedichte, Aphorismen und Kurzgeschichten querbeet durch die Literatur. Virginia Woolf stand mit drei Texten im Vordergrund des Abends. Ganz in den Bann ihrer gesprochenen Worte zog sie die Besucher aber mit ihren Geschichten von Hermann Hesse „Die Europäer“, „Kurzes Intermezzo“ nach einem Thema von Bertolt Brecht und zum Ende der Lesung mit der Shortstory von Truman Capote „Miriam“. Musikalisch unterstützt wurde Bilabel von der Harfinistin Zoe Knoop. Zwar trug die Musikerin kurze improvisierte Stücke zur Lesung bei, einzelne Töne, Arpeggien bei Sonnenaufgängen und etwas längere Auszügen und Melodien aus der Harfenliteratur. Allerdings war jeder Ton, jedes Musikstück im Detail geplant und in die Lesung eingeplant. Hier überließ die Schauspielerin Bilabel nichts dem Zufall und wurde zur Regisseurin ihres Lauschsalons. Der Beifall in der Pause und am Ende des Abends bestätigte sie. Dem Publikum hatte es ausgesprochen gut gefallen.

 

Plattfilm beweist: Alien lebt in Weseke

Plattfilm beweist: Alien lebt in Weseke

Weseke. Richtig beömmelt hatten sich die Zuschauer im Heimathaus bei der Vorstellung des Kurzfilms „Alwis un sin Alien“, für den es viel Applaus gab.

„Lebendig Platt“ und der Weseker Heimatverein präsentieren die Premiere des kurzen Film von Jan van Hasselt (Bremen) auf Sandplatt. Und damit keiner der Zuschauer mit der aussterbenden Sprache alleine gelassen wird, war alles mit hochdeutschen Untertiteln versehen.

Plattdeutsch ist eine aussterbende Sprache. Um der Vergessenheit entgegenzuwirken hat Initiator Stefan Demming sich hier mit dem Projekt „Plattfilm“ engagiert. Schnell fand er zwei Schauspieler aus dem Vorstand des Heimatvereins und in kurzer Zeit war „Alwis un sin Alien“ im Kasten. Na ja, kurz. „Sechs Stunden haben wir gedreht für die gut zwei Minuten Auftritt“, erzählte Walter Tenbusch, der im Film den Alwis spielt. Seinem Freund Wilm (Stefan Osterholt) erzählt er da, warum der Alien bei ihm zu Hause eine kleine Hand hat. Aber der Gag soll hier nicht verraten werden, denn das hervorragende schauspielerische Ergebnis kann sich jeder unter „www.plattfilm.de“ beliebig oft anschauen, der Spaß ist garantiert.

Der Bremer Regisseur Jan van Hasselt und Kameramann Matthias Kind haben das Projekt von Stefan Demming realisiert. „Der Blick von oben auf das Heimathaus ist mit meiner neuen Drohne gemacht, noch ein bisschen wackelig, damit muss ich noch üben“, beantwortet der Kameramann eine der vielen Fragen der rund 40 Zuschauer nach der Vorführung. Sechs Stunden Dreh für knapp fünf Filmminuten, da staunen viele. „Das war echt anstrengend, selbst nach der 12 Klappe war der Regisseur nicht ganz zufrieden“, erzählte Tenbusch.

Zur Zeit wird noch an zwei weiteren Filmen gearbeitet. Vielleicht kommen die Schauspieler ja noch ganz groß raus. Einige Zuschauer waren an „Buttenwarder“ erinnert, aber da wird ja nicht wirklich Platt gesprochen. Allerdings erhoffen sich alle Beteiligten, dass die „Plattfilme“ möglichst oft gezeigt und geschaut werden, bei Heimatvereinen, Schulen, „oder im Baumarkt“, wie Demming witzelt.

Über weitere Kurzfilme aus der Produktion diskutierten die Zuschauer an dem Abend. Da wurde unter anderem ein Plattkurs mit Flüchtlingen gezeigt, der schön den Unterschied zwischen Sandplatt und Kleiplatt verdeutlicht, alles natürlich hochdeutsch Untertitelt. Einfach mal reinschauen und mehr erfahren: www.plattfilm.de

Heico Nickelmann „Immer weiter“

Heico Nickelmann „Immer weiter“

Konzert des Barden ist ein Geburtstagsgeschenk für die Fangemeinde.

Als Geburtstagsgeschenk für sich selber und sein großes Publikum kann man Heico Nickelmanns äußerst gelungenes Konzert „Immer weiter“ am Freitagabend in der ausverkauften Stadthalle bezeichnen.

Zwar betrat der Musiker mit seinen vielen „Freunden“ erst um 20 Uhr die Bühne, das Publikum suchte sich aber schon kurz nach 18 Uhr die besten Plätze im Saal, denn der Andrang war wie jedes Jahr gewaltig. Zu recht, denn Nickelmanns Lieder begeistern nicht nur von der Textaussage, die Musik von zart melancholisch bis rockig spricht alle an, egal ob Siebenjährige oder 70-jährige. Und so gemischt ist sein Publikum am Tag vor seinem Geburtstag.

Wolfgang Frenk und Marita Wüpping aus Rhede gestehen: „Jedes Mal wenn Nickelmann ein Konzert gibt, reisen wir ihm nach. Schon seit vielen Jahren verpassen wir keinen Auftritt.“ Dagegen hat ein Paar aus Ramsdorf zufällig zwei Restkarten ergattert, sie sehen Heico zum ersten Mal. „Tolle Musik und eine super Stimmung“, sind sich beide einig.

Was Heico Nickelmann solo oder mit seinen Musikern auf der Bühne performt ist Extraklasse. „Ich lade gern mir Freunde ein“, kündigt er immer wieder mal einen Mitspieler an. Marc Pawlowski (Schlagzeug), Chris Paus (Bass), Matthias Fleige (Gitarre), Niclas Floer (Keyboard), Markus Wellermann (Flügelhorn) und Evelyn Fürst (Violine) sowie Frank Schut (Mundharmonika) und als „Special Guest“ Susan Albers (Klavier, Gesang) -die am Konzerttag Geburtstag hatte – begleiteten den Liedermacher. Alle sorgten für einen einmaligen und unvergessliches Klangerlebnis, der bekannten Songs. Nicht zu vergessen die Nickelmann-Kids, die ganz besonderen Applaus für ihren Auftritt bekamen.

„Mit dem Reden will ich mich heute zurückhalten“, sagt Heico in der Pause, „ich will Musik machen.“ So fallen seine kleinen Anekdoten am Mikrofon etwas knapper aus als sonst. Doch zu seinem neuen Song „Immer weiter“ berichtet er doch, dass der erst am Abend zuvor fertig geworden war.

Ein herrlicher Genuss ist und war aber jedes seiner Lieder, was die meisten Besucher wohl im Schlaf mitsingen könnten. Nach den außergewöhnlichen Gitarrensoli in „Tanz“ waren die Besucher so euphorisiert, dass es sie bei den folgenden Titel nicht mehr auf den Sitzen hielt. So gab es nicht erst am Ende des Konzerts stehende Ovationen und begeisterten Jubel und Pfiffe sondern bei zahlreichen stücken schon vorher. Das Konzert war ein Geburtstagsgeschenk von Heico an seine Fans und sich selber. Herzlichen Glückwunsch , großartig, so kann es noch viele Jahre weitergehen.

 

 

Springmaus präsentiert „Merry Christmaus“

Springmaus präsentiert „Merry Christmaus“

Impro-Theatergruppe ließ Publikum nicht zur Ruhe kommen

Reken (csp). Die deutschlandweit bekannteste Impro-Theatergruppe Springmaus gastierte am Freitagabend  mit ihrem Programm „Merry Christmaus“ im Rekenforum. Für das Publikum bedeutete das nicht nur ein höchst spaßigen Genuss sondern auch viel Mitarbeit, denn die vier Improvisationskünstler gönnten den Besuchern keine Lachpausen.

Die Schauspieler Paul Hornbach (auch Klavier), Marvin Meinold, Norbert Frieling und Sandra Sprünken begeisterten mit ihren Sketchen, die sich um das Thema Weihnachten drehten die Gäste im Forum, die sich alle namentlich bei Frieling vorstellen durften: „Ihr ruft mir jetzt alle gleichzeitig euren Vornamen zu und ich nenne euch meinen. – Kann ich mir merken, jetzt kennen wir uns.“

Das Eis zu brechen brauchten die Vier nicht, denn von Anfang an gab es keinen Hemmungen zwischen Publikum und Akteuren. So fiel es den Schauspielern nicht schwer, immer wieder neue Mitstreiter aus dem Saal auf die Bühne zu bitten. Als Weise aus dem Morgenland verkleidet fanden Marvin, Norbert und Sandra schnell ihr erstes „Opfer“. „Wir nennen dich jetzt Guido aus Lembeck“, hofierten sie ihren ersten Statisten, den sie als „Heiland“ in einen bequemen Sessel setzen und ihm kein Gold oder Weihrauch aber „Plörre“ (ein Bierchen) anboten.

Auf Zuruf des Publikums reagierten die vier Schauspieler blitzschnell und improvisierten kleine Sketche, tanzten über die Bühne oder überzeugten mit musikalischen Darbietungen. Ein Weihnachtslied sollten alle aussuchen und sangen Paul Hornbach am Klavier zur Erinnerung noch einmal „Dicke rote Kerze“ vor, der das Lied daraufhin im Stil Beethovens, Mozarts und Bach improvisierte und zum Schuss setzte er noch eine Hard Rock Version drauf.

Anna aus dem Publikum durfte die „Wechseltaste“ drücken wann immer sie wollte und so geriet das Gespräch über einen Geschenkekauf in ein wildes Durcheinander zwischen Deutsch und Pseudoniederländisch, zum wegbrüllen für die Zuschauer. Genauso wie die „Talkrunde zum Christbaumweitwurf“ in der Marvin Meinold als „Gebärden-Dolmetscher“ fungierte.

Margit und Peter mussten auf der Bühne als Puppenspieler zwei Akteure bewegen, und Sandra und Andy wurden von Sandra Sprünken zu ihrem Leben in Reken interviewt. Daraus machte das Team ein witziges kleines Schauspiel. Langeweile kam für niemanden auf und am Ende des Abends bedankte sich ein sehr zufriedenes Publikum für den vielen Spaß mit donnerndem Applaus.

 

Grusellesung mit Christoph Tiemann

„Bis das Blut gefriert“ – Grusellesung mit Christoph Tiemann im Spargelhaus

„Tiemann testete“ am Donnerstagabend die Nerven der Zuhörer in der Almhütte von Adelheids Spargelhaus. Die zweistündige Lesung aus acht Gruselgeschichten aus drei Jahrhunderten wurde mit Unterstützung durch den Pianisten Till Backhaus zu einem Hörerlebnis für die Gäste.

„Haben sie es schön kommod und gemütlich?“ fragte Tiemann seine Zuhörer als erstes. „Damit ist es gleich vorbei“, wusste er, bevor er in die Lesung von Geister- und Gruselgeschichten eintrat. Zuvor erklärte er noch, wie es zu der Einladung in Adelheids Spargelhaus gekommen war. „Bei einem Dreh auf Arnos Spargelfeldern haben wir das verabredet.“ Das kam ihm sehr gelegen, denn der Schauspieler und Kabarettist will sich nicht nur durch Restaurants essen. Damit spielte er auf seine bekannte Fernsehsendung „Tiemann testet“ an.

Die Zuhörer hatten es bequemer als die Menschen vor Jahrhunderten in Irland. „Da wurden gruselige Geschichten in Hütten erzählt. Aber die Leute stiegen danach nicht in ihre Autos und fuhren nach Hausen. Durch absolute Dunkelheit mussten sie ihren Weg Über Felder, Wiesen und durch Wälder zu ihrem Haus finden, was den Gruselfaktor des vorher gehörten sicher verstärkte“, berichtete der Vorleser.

Den Gruselfaktor während der Lesung  verstärkte Till Backhaus mit Keyboard und elektronischen Klängen. Bei Charles Dickens Erzählung „Der Bahnwärter“ klingelten die Schrankenglocken, der Zug pfiff durch die Nacht und bei seinem Herannahen bebte der Boden der Almhütte. Christoph Tiemann schlüpfte gekonnt in die verschiedenen Personen der Handlung und erweckte durch ausgezeichnete Stimmmodulation diese zum Leben.

Weitere Geschichten von Autoren wie Robert Rankin, Edgar Allan Poe, „der so britisch schrieb, dass man vergisst, dass er Amerikaner war“, wie Tiemann erklärt, folgten. So hörte das Publikum nicht nur die Geschichten, sondern erfuhr immer noch ein wenig über die Hintergründe und die Autoren.

Christoph Tiemanns Lieblingsstory ist „Das verräterische Herz“, bei der er völlig in die Rolle des verrückten Icherzählers eintauchte. Selbst im Sitzen brachte er die gruselige Geschichte mit Mimik und Gestik so lebendig herüber, dass die Zuschauer absolut begeistert waren. Beifall gab es natürlich nach jeder Story und am Ende des Abends besonders ausführlich.

Eine zweite Auflage der Grusellesung haben die beiden Künstler in Arbeit. Und mit einer Lesung von Weihnachtsgeschichten wollen sie Ende nächsten Jahres wieder ins Spargelhaus kommen.

Jugendorchester in Borken und Umgebung

Jugendorchester in Borken und Umgebung – Ein persönlicher Blick auf

Heiden/Raesfeld/Borken/Velen/Reken/Rhedebrügge/Südlohn/Weseke/Lembeck/Dorsten/ und andere  (csp).

Erst vor wenigen Jahren bin ich mit Blaskapellen, Spielmannszügen, Jugendorchestern erstmalig näher in Kontakt gekommen. Das eröffnete mir eine völlig neue Welt und ich kam anfangs aus dem Staunen nicht mehr heraus, was diese Jugendlichen und Erwachsenen leisten, welche hohe Musikalität sie haben und wie absolut toll diese Musik klingt.

Volkstümlich Musiksendung im Fernsehen veranlassten mich vor Jahrzehnten, schnell auf einen anderen Sender zu schalten. Jazz, Rock und Klassik waren ok, aber Blasmusik, da „kringelten sich bei mir die Fußnägel“. Geleitet von Unwissenheit, Dummheit und Vorurteil blendete ich diese Musiksparte aus. Im Nahhinein bedauere ich das. Heute weiß ich es besser.

Werfe ich einen Blick auf die Jugendorchester, sehe ich, dass hier Mädchen und Jungen Querflöte, Oboe, Klarinette, Saxophon,  Fagott, Trompete, Posaune, Horn, Tuba, Schlaginstrumente und Schlagzeug und viele mehr zu spielen lernen. Sie üben fleißig und bringen es in wenigen Jahren auf einer erstaunlich hohes Niveau. In Schulnoten ausgedrückt eins plus bis zwei minus, ein befriedigend ist schon fast ein Ausreißer nach unten.

Hier beschäftigen sich Kinder und Jugendlich damit ein Instrument zu erlernen und es im Ensemble zu spielen und nicht den Tag über abzuhängen oder zu „chillen“ oder ihre Zeit alleine am Computer mit Spielen zu verbringen. Sie lernen etwas, das ihre motorisch Fähigkeiten schult, ihre natürlich angelegte Musikalität voran bringt, ihren musikalischen Horizont erweitert. Im Ensemblespiel  machen sie etwas mit anderen, finden ihre Stelle in einer Gemeinschaft, erweitern ihre Hörfähigkeiten, lernen auf die anderen zu hören, beachten ihr eigenes Spiel, schulen ihre Konzentration.

Dass sie daraus musikalisch, gesellschaftlich und persönlich  gestärkt hervorgehen beweisen die hervorragenden Aufführungen und der Spaß an der Sache. Die meisten wechseln, wenn es der Einstieg in Berufsleben oder Studium zulässt in die Hauptorchester. Wollen aus dieser Gemeinschaft selten hinaus und spielen im besten Fall bis zum Rentenalter in Blaskapellen, Orchestern und Spielmannszügen mit. Gelegenheiten für sehr gut besuchte Konzerte gibt es reichlich im Jahreszyklus. Und jeder Auftritt ist für die Musiker und die Zuhörer ein musikalisch genussvolles Erlebnis.

Und dann kommt „die Presse“ zu den zahlreichen Konzerten. Was bleibt einem Journalisten, einer Journalistin anderes, als diese Konzerte zu loben?

In der Regel sind es Freie Mitarbeiter, die die Veranstaltungen besuchen und darüber berichten. Von der Redaktion wird vielfach eine bestimmte Zeilenzahl gefordert. Auf der anderen Seite kommt es vor, dass nach Jahren eine Aufforderung wie „Wir müssen Euphemismen etwas reduzieren“ eintrudelt. Mit anderen Worten „Loben sie nicht so überschwänglich!“.  Es soll also auch Kritik mit in die Artikel einfließen, natürlich keine ungerechtfertigte. Vor Redaktionsschluss müssen Text und Bilder vorliegen, wenn das Ganze am kommenden Tag im Blatt erscheinen soll. Bildbearbeitung und Text schreiben ist nicht in wenigen Minuten erledigt. Da bleibt den Freien Mitarbeitern nichts anderes übrig, als vor Konzertende zu gehen. Was danach passiert bekommen sie dann nicht mit. Welches Bild gedruckt wird, darauf haben die Freien keinen Einfluss und auch ihre Texte sind nicht in Stein gemeißelt. Je nachdem, wer das in der Redaktion bearbeitet, wird verändert und/oder gekürzt.

Aber zurück zu den jungen Musikern. Sie lesen, was über sie geschrieben wurde, sind damit einverstanden, fühlen sich zu wenig gelobt oder freuen sich über den Artikel, wenn sie meinen, besonders gut weggekommen zu sein. Aber Kritik, damit ist schwer umzugehen. Vielleicht war die Kritik etwas ungerechtfertigt, vielleicht wurde auf etwas angespielt, was gar nicht so eine große Bedeutung hat. Dann regen sich alle auf, Mitmusiker, Eltern, die betroffenen Musiker, Orchesterleiter, der Verein und einige Zuhörer. Das gilt in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche. Denn dann kommt an den Autor der Vorwurf: „Man darf doch Jugendlichen nicht so demotivieren.“

Die Motivation ist keine Pressearbeit, die muss aus den Musikern selber, aus dem Verein und dem Elternhaus kommen. Und im übrigen sollten sich alle überlegen, welchen Stellenwert sie einem Artikel in der Presse einräumen. Mit Kritik muss man leben, jeder Mensch in jedem Bereich, jung und alt. Man sollte neutral schauen, ob die Kritik gerechtfertigt war. Wenn nicht, Schwamm drüber und vergessen; wenn ja, suchen was und ob man etwas verbessern kann.

Gerade in unserer Zeit scheint es immer mehr zur Gewohnheit zu werden Kinder und Jugendliche nur noch zu loben, möglichst überschwänglich. Sicher ist das Lob eine ganz wichtige pädagogische Maßnahme. Wird es übertrieben, verliert es seine Wirkung. Das Leben zeigt, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Und auch das müssen Kinder und Jugendliche lernen.

Steht in einem Artikel also:

„Die Mädels …  hatten sich die schwere Aufgabe aufgebürdet, den Gesang bei …  zu übernehmen, eine gesangliche Herausforderung. Das gelang nicht immer zur vollen Zufriedenheit, es ist halt doch ein Unterschied ob man vor hunderten Menschen solistisch in ein Mikrofon singt oder sein vertrautes Instrument im Orchester spielt. Dennoch gelang die Aufführung so gut, dass das Publikum begeistert applaudierte.“

kann man das auf verschiedene Weise lesen, wie „die haben Mut bewiesen“, „die haben sich an eine echt schwere Sache getraut“, „das war mit kleinen Abstrichen gut“, „instrumental sind sie makellos“. Und wer war hier nicht voll zufrieden, die Sängerinnen selber? Das Publikum jedenfalls war begeistert!

Ja, die Passage hätte man auch weglassen können. Ja, man hätte auch ein anderes Stück, in dem sich jemand verspielt hat erwähnen können. Man hätte auch die Aufzählung des Programmablaufs streichen können. Eigentlich hätte doch gereicht:

Vier Jugendorchester haben hervorragend rund drei Stunden Musik gemacht. 300 Zuhörer spendeten begeistert Applaus. Bild dabei – mit der richtigen Unterzeile! – fertig.

Nein, das reicht nicht! Denn was die Musiker, egal ob Jugend- oder Hauptorchester hier immer wieder aufführen, ist fernsehreif. Absolut professionell und von der Musik in großen Hollywoodfilmen kaum zu unterscheiden. Klar kann da mal ein Kikser oder schiefer Ton dabei sein, aber das sind Hobbymusiker, die das Aufführen und das kann auch einem Profi passieren. Dazu kommt, dass es sich hier um Liveaufführungen handelt, da kann nichts wiederholt werden oder durch Tontechniker verbessert werden.

Von den Leistungen dieser Orchester hier kann man nur begeistert sein und den Hut ziehen. Jeder junge Musiker, der hier mitmacht, schlägt den richtigen Weg ein und sollte unbedingt dabei bleiben, doofe Kritik hin oder her. Die Chance ein Instrument zu erlernen und im Orchester zu spielen hat einen hohen Stellenwert und einen absolut positiven Einfluss auf jedes schulische Lernen, bringt einen beruflich weiter, schafft Freunde und Freude.

Also, macht weiter, spielt eure Lieblingsstücke, wagt euch an Neues heran, springt über euren Schatten, auch wenn mal ein Ton danebengeht.

Beagle-Spielplatz Reken

Beagle-Spielplatz hat sich erfolgreich bewährt

Zum einjährigen Jubiläum des Beagle-Spielplatzes auf dem Gelände der Hundeschule Lupus waren am Sonntagnachmittag besonders viele der Rassehunde mit Herrchen und Frauchen gekommen.

Vor genau einem Jahr war dieser Spielplatz als 34. in Deutschland von Peter Glathe gegründet worden. Die inzwischen 36 Vereinsmitglieder treffen sich hier alle 14 Tage, um ihren Hunden unangeleintes Spielvergnügen zu ermöglichen. Da der Beagle ein Jagdhund ist, ist anleinen unter den Besitzern Pflicht. „Hier können sich die Vierbeiner richtig austoben. Einer spielt den Hasen und alle rennen hinterher“, berichtet Peter Glathe. Pro Hund zahlen die Teilnehmer 4,50 Euro pro Treffen, sonst gibt es in dem Verein keine Beiträge zu errichten.

Ganz begeistert zeigt sich auch Familie Icking, die am Sonntag zum ersten Mal mit ihrem 17 Wochen alten Qurtis dabei sind. Dass sie in eine Jubiläumsfeier geraten sind, ist ihnen gar nicht bewusst. Sie sind sofort in die große Familie der Beaglebesitzer aufgenommen worden. „Wir kommen aus Bocholt, aber bis hier hin ist es wirklich nicht weit und wir kommen bestimmt öfter her“ sagt Frank Icking.

Nach einem Gruppenfoto zum Geburtstag werden die Organisatoren Peter und Marlis Glathe von Mitglied Elke Reißmann aus Dorsten mit einem Präsent überrascht. Elkes Dankesworte für das Engagement des Rekener Ehepaar findet spontanen Beifall. So wie die Dorstenerin kommen viele Mitglieder und Besucher nicht unbedingt aus Reken. „Wir haben hier Leute aus Goch, Kamen, Krefeld, Köln, Gladbeck, Essen, Vreden, Borken und anderen Ecken“ ist Glathe Stolz auf den Erfolg.

Diese Beagle-Spielplätze sind für diese Hunderasse sehr wichtig. Rangkämpfe und Beißereien untereinander gibt es nicht, da der Beagle sich gerade in der Meute besonders wohl fühlt. Fremdhunde, also andere Rassen, kommen ganz selten zu Besuch und werden geduldet aber nicht unbedingt integriert. Da ist der Beagle eigensinnig. „Für die Beagles, die ihr Leben im Labor als Versuchstiere verbracht haben, sind die Spielplätze eine riesen Hilfe“, weiß Elke Reißmann aus eigener Erfahrung. „Hier können sie wieder in ein `normales Leben´ zurückfinden und der Schritt in einer Besitzerfamilie Fuß zu fassen, gelingt dadurch sehr viel schneller.“

Mit Kaffee und Kuchen für die Menschen und Spiele für die Vierbeiner feierte man kräftig das Jubiläum.

Das schwarze Schaf

Das schwarze Schaf

Thomas Hesse/Renate Wirth

emons: Kriminalroman; 2017

Broschur, 288 Seiten

 

„Die Blütezeit des Regionalkrimis ist vorbei“, so formulierte es ein erfolgreicher Berliner Schriftsteller, der selbst viel Regionalkrimis verfasst hat. Lesenswert ist die Story, die in Wesel und am Niederrhein spielt dennoch.

Mit „Das schwarze Schaf“ gibt das Autorenduo Hesse/Wirth einen herrlichen Einblick in die liebenswerten Menschen am Niederrhein und in ein Problem, von dem die meisten bisher kaum gehört haben, die Betuwe-Linie. Dabei handelt es sich um eine Bahnverbindung zwischen den niederländischen Nordseehäfen und dem westlichen Ruhrgebiet, auf der hauptsächlich Güter transportiert werden. Der Ausbau steht unter vehementer Kritik der Anwohner. Dass es da Gruppen gibt, die sich radikalisieren bleibt nicht aus.

Hängt das Verschwinden von Hauptkommissarin Karin Krafft damit zusammen? Jedenfalls ist die Chefin der Weseler Polizei spurlos verschwunden. Auf dem Rastplatz Hünxe-Ost an der A3 finden die Kollegen das Fahrzeug von Karin, daneben ihren Hund, der sich nicht von der Stelle rührt, eben ein ausgebildeter Polizeihund, der streng auf seinen Befehl gehorcht. Und da ist noch ein Blutfleck. Karins Blut? Einige Zeit später wird die geköpfte Leiche einer Frau gefunden, mit Karins Kleeblatt-Tätowierung auf dem Oberarm, der Kopf fehlt. Unter Hochdruck versuchen die Kollegen der Weseler Kommissarin den Fall aufzuklären, der immer verwirrenden wird.

Der spannend erzählter Krimi bietet kurzweilige Lektüre und ist nicht nur für die Leser ein Genuss, die in der Gegend leben. Regionalkrimi bedeutet ja nicht, dass es heimeln muss. Hier jedenfalls werden Probleme angesprochen, die überall in Deutschland auftreten können. Und „schwarze Schafe“ gibt es auch überall. Finden sie heraus, wer das hier ist.

 

 

 

Hörbuch „Oryx und Crake“

Oryx und Crake

von Margarte Atwood

als Hörbuch

Spieldauer: 11 Stunden 15 Minuten
Verlag: Ronin Hörverlag, 2017

 

 

 

„Sprechergott 2016“ Uve Teschner bringt Sie mit dem gerade im Ronin Hörverlag eingelesenen Werk „Oryx und Crake“ von Margaret Atwood in eine dystopische Endzeitstimmung.

„Oryx und Crake“ ist der erste Teil der Maddaddam Trilogie der kanadischen Schriftstellerin und Friedenspreisträgerin 2017.

Mit einem Fuß stehen wir heute bereits vom Denk- und Machbaren in der Realität der Geschichte von „Oryx und Crake“. Dadurch ist sie leicht nachzuvollziehen und man kann sich voll der hervorragenden Erzähleise von Uve Teschner hingeben.

„Schneemensch“ lebt ohne jede Zivilisation in der Wildnis des späten 21. Jahrhundert. Kleidung benötigt er nicht, ein altes Bettlaken schützt ihn vor Insekten und der veränderten Sonnenstrahlung. Ungewöhnliche Tiere fürchtet er, die „Organschweine“ oder die „Hunölfe“, scheinbar freundliche Hunde, die aber gefährlich wie Wölfe sind. Ein seltsames Volk lebt in seiner Nähe, die „Craker“, genmanipulierte Menschen, um  die Schneemensch sich zu kümmern verpflichtet hat.

Viel Zeit hat er in seinen einsamen Stunden, darüber nachzudenken, wie er in diese Situation geraten ist. So erfährt der Zuhörer im Laufe des ersten Teils der Trilogie, wie sich Crake und Jimmy, wie Schneemensch richtig heißt, bereits als Kinder und Jugendliche die Zeit vertrieben haben. Ein Spiel, das sie am Computer gespielt haben, wird im Erwachsenenalter schließlich zur Realität, ein Spiel um Genmanipulation. Auch Oryx taucht bereits als Kind auf einer Pornowebsite auf, die Crake und Jimmy als Jugendliche besuchen. Später wird sie Jimmy wieder begegnen, als junge, schöne Frau.

Abenteuerlich und spannend wird Jimmys Proviantsuche, zu deren Zweck er die Wildnis und seine Craker verlassen muss. Die Gefahren, in die er sich begibt, könnten ihn das Leben kosten.

Margaret Atwoods Roman scheint uns an manchen Stellen vertraut. So denkt man unwillkürlich an „I am legend“ von Richard Matheson, in der nur noch der Protagonist als einziger Mensch auf der Welt ist. Auch Szenen aus „12 Monkeys“ oder „The time machine“ kommen in den Sinn, verhalten sich die Craker doch ein bisschen wie die Elois bei H.G. Wells. Trotz dieser Reminiszenzen ist die Endzeitgeschichte Atwoods ein eigenständiges, kraftvolles Werk mit einer hervorragend sprachlichen und stilistischen Umsetzung. Glücklicherweise liegt die Maddaddam Trilogie jetzt als Hörbuch vor, großartig gelesen und umgesetzt von Uve Teschner, der so lebendig liest, dass alle Personen ihre eigene Stimme bekommen. Und herrlich witzig  setzt er selbst Comicsprechblasen in Klänge um.

Wenn Sie nach längerem Hören plötzlich Musik vernehmen, sind sie am offenen Ende des ersten Teils der Trilogie angelangt. Besser sie besorgen sich rechtzeitigt Teil zwei und drei, denn mit Sicherheit wollen sie wissen, wie es weitergeht.